Frankfurt ehrt Frauenrechtlerin Masih Alinejad mit Europäischem Paulskirchenpreis
In Frankfurt am Main wurde das erste Mal der Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie verliehen. Geehrt wurde die Autorin und Journalistin Masih Alinejad für ihren Einsatz für Frauenrechte und Freiheit in Iran.
Die Stadt Frankfurt hat am Dienstagabend die iranische Autorin und Journalistin Masih Alinejad mit dem ersten Europäischen Paulskirchenpreis für Demokratie geehrt. Die neue Auszeichnung geht auf das 175-jährige Jubiläum der Paulskirchenversammlung zurück, das die Stadt 2023 gefeiert hatte.
Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) überreichte den mit 50.000 Euro dotierten Preis. Die Laudatio hielt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) – auf Wunsch der Preisträgerin.
Alinejad setze sich seit Jahren unter großem persönlichem Risiko für Freiheit, Menschenrechte und insbesondere die Rechte von Frauen im Iran ein, sagte Josef. Viele hätten diesen Kampf mit ihrem Leben bezahlt.
Klöckner würdigte Alinejad als Stimme für Millionen Frauen. „Im Iran entscheidet ein Stück Stoff darüber, ob eine Frau frei ist – oder verfolgt wird.“
Alinejad selbst widmete den Preis den Menschen in ihrer Heimat: „Ich möchte diesen Preis den mutigen Frauen und Männern widmen, die für einen freien Iran kämpfen – viele haben ihr Leben für diese Werte geopfert.“
Der Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie
- Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert, die aus städtischen Mitteln finanziert werden. Er soll künftig alle zwei Jahre an Menschen oder Initiativen vergeben werden, die sich besonders für die Werte einsetzen, die mit der Paulskirche in Verbindung gebracht werden.
- Der Titel des Preises soll laut der Stadt betonen, dass die Auszeichnung auch für die europäische Idee stehen soll. Potenzielle Preisträgerinnen und Preisträger müssten dafür aber nicht aus Europa kommen.
- Die Verleihung am Dienstagabend ab 18 Uhr wird über einen Livestream der Stadt Frankfurt übertragen.
Bedeutende Stimme der Frauenbewegung
Alinejad gilt als eine der bekanntesten Kritikerinnen des iranischen Regimes und als zentrale Stimme der Frauenbewegung im Iran. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie unter anderem 2014 mit der Kampagne „My Stealthy Freedom“, in der sie Frauen dazu aufrief, Fotos ohne Hijab zu veröffentlichen.
Seit 2009 lebt sie im Exil in den USA. Auch dort war sie nach eigenen Angaben nicht sicher: Mehrfach entging sie Entführungs- oder Mordversuchen.
Mit gemischten Gefühlen sei sie zur Preisverleihung nach Frankfurt gereist, sagte Alinejad im Gespräch mit hessenschau.de. Die Auszeichnung sei bewegend, zugleich denke sie an die Menschen in ihrem Heimatland, die für genau diese Werte ihr Leben riskierten oder verloren hätten.
Preis soll demokratische Werte stärken
Der Paulskirchenpreis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird aus städtischen Mitteln finanziert. Künftig soll er alle zwei Jahre an Menschen oder Initiativen vergeben werden, die sich für Demokratie und Freiheit einsetzen.
„Die Paulskirche steht wie kein anderes Gebäude für den Kampf für Freiheit und Demokratie“, sagte Josef. Mit dem Preis wolle die Stadt deutlich machen, dass dieser Kampf auch heute aktuell sei. Dass Alinejad ausgezeichnet werde, sei daher kein Zufall.
Zugleich erinnerte Josef daran, dass die Paulskirchenversammlung von 1848 einen zentralen blinden Fleck gehabt habe: Frauen waren weder vertreten noch sah die Verfassung ein Wahlrecht für sie vor. Die Ehrung Alinejads solle auch daran anknüpfen.
Kritik an westlicher Iran-Politik
Alinejad nutzte die Aufmerksamkeit der Preisverleihung auch für Kritik an westlichen Regierungen. Diese reagierten oft schärfer auf ihre Partner als auf Diktaturen, sagte sie mit Blick auf den Umgang mit dem Iran gegenüber hessenschau.de. Sie kritisiert, dass westliche Entscheider die Militärschläge Israels und der USA auf den Iran als völkerrechtswidrig verurteilen haben.
„Ich bin dankbar für diese Auszeichnung“, sagte Alinejad. Gleichzeitig sehe sie die Verantwortung, die Aufmerksamkeit der freien Welt auf die Menschen im Iran zu lenken. Als Überlebende mehrerer Mordversuche wisse sie, was Schutz bedeute.
„Ich bin dankbar für diese Auszeichnung“, sagte Alinejad. Gleichzeitig sehe sie die Verantwortung, die Aufmerksamkeit der freien Welt auf die Menschen im Iran zu lenken. Als Überlebende mehrerer Mordversuche wisse sie, was Schutz bedeute.
Die Paulskirchenversammlung
1848 tagte die Nationalversammlung als erstes gewähltes deutsches Parlament in der Frankfurter Paulskirche. Auch wenn die dort geschriebene Verfassung nie zum Einsatz kam, gilt sie als Grundstein der heutigen Demokratie und des Rechtsstaates in der Bundesrepublik.
Preisvergabe mit Verzögerung
Eigentlich sollte der Paulskirchenpreis bereits 2023 verliehen werden. Kritik aus der Stadtverordnetenversammlung an der Zusammensetzung des Kuratoriums verzögerte die Einführung jedoch.
Josef sprach rückblickend von einem „Scherbenhaufen“. Umso erleichterter sei er, dass man sich schließlich auf eine Jury habe verständigen können. Die Entscheidung für Alinejad sei einstimmig gefallen.
Source: tagesschau.de