Werk in Tschechien: Was jener Wegzug von Daimler Truck zeigt

Keine Frage, dass Daimler Truck reagieren musste. Die Fabrik in Wörth am Rhein, das Stammwerk für die Traditionsmarke Mercedes-Benz des weltgrößten Herstellers von Lastwagen, ist in die Jahre gekommen. Über die Zeit gewachsen, entspricht die Fabrik nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Lastwagenproduktion – und eine Erweiterung verhindert die Geographie: Der Rhein, zwei Seen, eine Autobahn und eine Bundesstraße begrenzen das Werk.

Daimler Truck baut nun eine neue Montagefabrik in Tschechien und gibt als Grund für die Standortwahl vor allem Lieferantennähe, Arbeitskosten und die Verfügbarkeit von Grundstücken an. Dass die Arbeitskosten in Deutschland vergleichsweise sehr hoch sind, ist nichts Neues. Diese Begründung von einem Konzern, der global agiert und sich auf den Markteintritt von chinesischen Wettbewerbern in den europäischen Markt vorbereitet, überrascht nicht, was nur umso eindringlicher zeigt, wie notwendig Strukturreformen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Industriekonzernen sind.

Zwischen Idee und Baubeginn liegen nur zwei Jahre

Daimler Truck geht davon aus, schon nächstes Jahr mit dem Bau der Fabrik beginnen zu können, nachdem die ersten Planungen erst um die Jahreswende 2024/25 bei dem Unternehmen entstanden sind. Dass also zwischen Idee und Baubeginn nur gut zwei Jahre liegen, zeigt, wie sehr in anderen Ländern industrielle Ansiedelungen gern gesehen sind. Und es belegt die Unterstützung durch zügige Genehmigungen. In Deutschland gibt es Beispiele, in denen Ansiedlungswünsche von sogar vermeintlich saubereren Industrien wie der Pharmaindustrie von Bundesländern und Landkreisen eher stiefmütterlich behandelt werden. Ganz zu schweigen davon, dass Daimler Truck hierzulande niemals innerhalb von zwei Jahren eine Baugenehmigung erhalten hätte.

Was an der Standortwahl das Lastwagenherstellers aber auffällig ist – und die Dringlichkeit, die gerade genannten Standortfaktoren zu verbessern, noch einmal hervorhebt –, ist das dritte Motiv: die Nähe zu den Lieferanten. Denn Daimler Truck ist sein eigener Lieferant. Wichtige Bauteile kommen aus eigenen Komponentenwerken in Kassel, Mannheim und Gaggenau. Daimler Truck zieht von seinen eigenen Lieferanten weg, weil der Hersteller die Perspektiven in der Heimat zu schlecht einschätzt.