Energiepreise treiben Teuerung an: Inflationsrate uff höchstem Stand seitdem 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Monat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein.
Im März lag die Inflationsrate bei 2,7%, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Daten mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Januar 2024, als 2,9% gemessen wurden. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 1,9% betragen. Im Januar waren es 2,1%, im Dezember vergangenen Jahres 1,8%.
Sonderauswertung
Ifo-Geschäftsklima: Unsichere Aussichten belasten Stimmung
Der Krieg im Iran dämpft auch die Erwartungen im Modemarkt. Wie stark zeigt die Sonderauswertung der Ifo-Geschäftsklimastudie für die TextilWirtschaft. Dabei setzt sich die heterogene Entwicklung in der Modebranche weiter fort.
So verteuerte sich Energie im März sprunghaft: Hier zogen die Preise laut der Statistiker um 7,2% zum Vorjahresmonat an. Das sei der erste Anstieg bei Energie seit Dezember 2023. Bei den Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche und Reisen zählen, stiegen die Preise um 3,2%. Lebensmittel waren um 0,9% teuer als ein Jahr zuvor.
Ist das erst der Anfang?
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: „Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet.“ Auch das Münchner Ifo Institut erwartet, dass sich die Energiepreise über höhere Produktions- und Transportkosten auch auf andere Waren und auf Dienstleistungen durchschlagen werden.
Ifo-Umfrage zu den Preisplänen
So viele Modeunternehmen wollen die Preise erhöhen
Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten steigen. Darauf jedenfalls lassen aktuelle Daten des Ifo Instituts schließen. Die Münchner Wirtschaftsforscher haben Unternehmen in Deutschland nach ihren Preisplanungen für die nächste Zeit gefragt. Das ist das Ergebnis.
Autofahrer bekommen die Geschehnisse im Nahen Osten an den Tankstellen hierzulande zu spüren, die Preise je Liter Benzin oder Diesel liegen nun bei mehr als zwei Euro. Auch Gas und Strom haben sich zumindest für Neukunden verteuert.
Noch ist es vor allem die Energie
„Der starke Anstieg der Inflation auf 2,7% nach nur 1,9% im Februar lässt sich alleine durch den sprunghaften Anstieg der Energiepreise erklären“, merkt jedoch KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher an. Die Inflationsrate abzüglich Energie und Nahrungsmittel sei unverändert geblieben.
Erzeugerpreise für Dienstleistungen
So haben sich die Transport- und Speditionspreise entwickelt
Steigende Diesel- und Benzinpreise belasten Verbraucher wie Unternehmen derzeit stark. Für viele Betriebe bedeuten sie höhere Speditions- und Logistik-Kosten und eine größere Unsicherheit in der Planung. Dabei konnten die Unternehmen noch Ende des vergangenen Jahres aufatmen. Die Erzeugerpreise – beispielsweise im Bereich Speditionen – waren trotz allgemein steigender Dienstleister-Preise gesunken, zeigen die neuesten Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts.
Bisher seien nur direkt betroffene Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl teurer geworden, erklärt auch Michael Herzum, Volkswirt beim Fondsanbieter Union Investment. Das bedeutet: „Sollte der Iran-Krieg zeitnah beendet werden, dürften die Preise für Ölprodukte und damit auch die Inflation wieder sinken. Geht der Krieg allerdings noch Monate weiter, steigt das Risiko von Zweitrundeneffekten – dass sich also die hohen Energiepreise auch auf die Preise anderer Güter auswirken.“
Blick in die Zukunft
Aktuelle Daten des Ifo Instituts zeigen bereits, dass wegen des Iran-Kriegs deutlich mehr Unternehmen in Deutschland künftig ihre Preise erhöhen wollen. Der vom Institut veröffentlichte entsprechende Indikator – die Ifo Preiserwartungen – kletterte im März auf 25,3 Punkte, nach 20,3 Punkten im Februar. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo Umfragen. „Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter.“ Der Indikator Ifo Preiserwartungen ist allerdings ein Frühindikator für die Preisentwicklung. Die Münchner Wirtschaftsforscher veröffentlichen ihn monatlich.
GfK Konsumklima powered by NIM
Iran-Krieg dämpft besonders die Konjunkturerwartungen
Der seit Ende Februar andauernde Iran-Krieg verunsichert die Verbraucherinnen und Verbraucher. Wie stark zeigen die Ergebnisse der GfK Konsumklima-Studie powered by NIM. Vor allem bezüglich der konjunkturellen Entwicklung sind die Menschen in Deutschland pessimistischer geworden.
Bei Verbrauchern kann der Iran-Krieg die Sorge vor einer neuen Preiswelle schüren. Neun von zehn Menschen in Deutschland rechnen mit steigenden Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten, zeigt eine repräsentative Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank.
Schon im Ukraine-Krieg 2022 hatte die damalige Energiekrise für einen Preisschub im großen Stil gesorgt. Die Inflation kletterte 2022 auf 6,9% und lag 2023 noch bei 5,9%. Lebensmittel haben sich nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zwischen 2021 und 2025 um fast ein Drittel (32%) verteuert.