Warnung vor „Super-El Niño“: Droht ein globaler Hitzeschub?

Menschen inspizieren nach Überschwemmungen die Straße, die durch starke Regenfälle zerstört wurde.

Stand: 31.03.2026 • 10:02 Uhr

Im Pazifik mehren sich die Anzeichen für das Klimaphänomen El Niño. Forschende warnen, ein starkes Ereignis könnte Extremwetter verstärken und die globale Temperatur noch weiter anheizen.

Von Anna Küch, BR

Die vielfach ausgezeichnete Klimaforscherin Friederike Otto will nicht dramatisieren. Aber verharmlosen will sie die Entwicklung im Pazifik auch nicht. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk spricht die Klimaforscherin vom Imperial College London von einer „realen Gefahr“.

Sollte sich in den kommenden Monaten ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickeln, könnte das die ohnehin schon aufgeheizte Erde zusätzlich belasten. Die Prognosedaten verschiedener Wettermodelle deuten darauf hin, dass sich das oberflächennahe Meerwasser des tropischen Pazifiks in der Nähe des Äquators in den nächsten Monaten erwärmen könnte – mit weitreichenden Folgen.

Wie stark diese Erwärmung ausfallen wird, ist noch nicht klar. Entscheidend sei dabei der Blick auf die sogenannten Niño-3.4-Werte, sagt Otto. Dabei werden die Abweichungen der Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik mit dem langjährigen Mittel verglichen. Sind sie deutlich erhöht, spricht man von El Niño, bei niedrigeren Werten von La Niña.

Was El Niño im Pazifik verändert

Eigentlich ist El Niño ein natürliches Klimaphänomen im Pazifik, das alle zwei bis sieben Jahre auftaucht. Der Name stammt aus Peru. Fischer beobachteten dort schon vor langer Zeit, dass sich das Meerwasser in manchen Jahren um die Weihnachtszeit ungewöhnlich erwärmte und der Fischfang zurückging. Deshalb nannten sie das Phänomen nach dem Christkind: „El Niño“, das aber keine schönen Geschenke brachte.

Normalerweise treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika nach Westen – in Richtung Australien und Indonesien. Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab, stoppen oder drehen sich um. Das warme Wasser staut sich vor Südamerika. Die Folge: Starkregen, Wirbelstürme und Überschwemmungen nahe der Pazifikküste in Südamerika und noch mehr Dürren und Waldbrände auf der anderen Seite des Pazifiks.

„Super-El-Niño“ klingt größer, als die Forschung sagen kann

Der Ausdruck „Super-El-Niño“, der nun wieder häufig auftaucht, ist allerdings kein offizieller Fachbegriff. Die US-Klimabehörde NOAA und Climate.gov weisen darauf hin, dass es keine verbindliche Standarddefinition gibt. In der Praxis ist damit meist ein außergewöhnlich starkes Ereignis gemeint, bei dem die Temperaturabweichungen im Niño-3.4-Gebiet besonders hoch ausfallen. Der Pazifik könnte sich um 1,5 bis 2 Grad aufheizen.

Die letzten „Super-El-Niños“ gab es 1997/98 und 2015/2016. Genau an diesem Punkt mahnt Wissenschaftlerin Daniela Matei zur Vorsicht. Sie forscht am Max-Planck-Institut zu Klimavariabilität und Ozean-Atmosphäre-Wechselwirkungen. Dem BR sagte sie, auch 2014 hätten frühe Prognosen zunächst nach einem sehr starken Ereignis ausgesehen; am Ende kühlte sich das Meerwasser aber wieder ab. Eine belastbare Einschätzung werde deshalb erst in einigen Monaten möglich sein. NOAA formuliert ähnlich vorsichtig: Die Stärke eines möglichen El Niño sei derzeit „sehr unsicher“.

Zusätzlicher Wärmeschub auf ohnehin hohem Niveau

Klimaforscherin Otto richtet den Blick deshalb weniger auf das Schlagwort „super“ als auf die Folgen. Ein starker El Niño, sagt sie, träfe heute auf eine Welt, die durch Treibhausgase bereits deutlich wärmer ist als noch bei früheren Ereignissen. El Niño werde die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen – mit heißeren Hitzewellen, schwereren Dürren und extremeren Waldbränden. El Niño wird damit ein natürlicher Verstärker auf einer bereits aufgeheizten Grundlinie.

Genau darin liegt der zusätzliche Sprengstoff für die globale Temperatur. El Niño heizt die Erde nicht „neu“ auf, sondern setzt auf den langfristigen Erwärmungstrend noch einen natürlichen Wärmeschub. Solange weiter Kohle, Öl und Gas verbrannt würden, steige die globale Mitteltemperatur weiter – und mit ihr das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño immer gefährlicher wirken.

Folgen bis nach Europa möglich

Und Europa? Das liegt zwar nicht im Zentrum des Geschehens, sagt Klimaforscherin Matei, könne die Folgen aber durchaus spüren. Sie verweist auf mögliche Kälteeinbrüche im Winter und stärkere Hitzebelastung im Sommer in Teilen Südeuropas.

Auch wirtschaftlich hat ein starker El Niño Auswirkungen. Etwa dann, wenn Dürren und Ernteausfälle in anderen Weltregionen Märkte, Lieferketten und Preise verändern. Gerade dieser indirekte Effekt dürfte in Europa oft früher sichtbar werden als ein klares Wettersignal. Fakt ist, gegen das Wetterphänomen El Niño lässt sich nichts tun, gegen die Erderwärmung schon.

Source: tagesschau.de