Butscha-Jahrestag: Johann Wadephul erinnert in Kyjiw an russische Kriegsverbrechen
Außenminister Johann Wadephul (CDU) und weitere EU-Spitzenpolitiker sind zum vierten Jahrestag der Befreiung von Butscha in die Ukraine gereist. An einer Gedenkzeremonie für die Opfer nahm auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teil. Sie stellten mit ihren Kollegen und Kolleginnen Kerzen vor eine Gedenkwand.
„Mord und Barbarei“
„Viele von uns werden diese Bilder nie vergessen“, sagte Wadephul bei seiner Ankunft in Kyjiw über das russische Massaker in dem Kyjiwer Vorort Ende März 2022. Butscha stehe als Symbol für unzählige weitere russische Kriegsverbrechen, „wohin auch immer Putins Russland geht, dahin
kommen Mord und Barbarei“, sagte der Minister.
Wadephul forderte Gerechtigkeit und eine Aufarbeitung der russischen Verbrechen. „Die Verantwortlichen für diesen Krieg und die begangenen Verbrechen dürfen nicht ungestraft davonkommen“, sagte er. Am Ende sei ein dauerhafter Frieden nur durch ukrainischer Stärke möglich und die Einsicht Russlands, militärisch nichts mehr erreichen zu können. Nachlassen sei keine Option.
„Teil unserer europäischen Familie“
Erneut stellte Wadephul der Ukraine eine EU-Mitgliedschaft in Aussicht. „Die Ukrainerinnen und Ukrainer sind Teil unserer
europäischen Familie“, sagte er. Man wolle sie auf ihrem Weg in die Europäische Union entschlossen begleiten.
Kallas sagte, wie der vor mehr als vier Jahren begonnene russische
Angriffskrieg gegen die Ukraine ende, sei für die EU so wichtig wie
nichts anderes, weil es um Europas Sicherheit gehe. Man müsse das Thema
trotz des Irankrieges und dessen Folgen auf der Agenda halten und jede
mögliche Unterstützung leisten. „Wir müssen uns also damit befassen, wir
können das nicht einfach beiseiteschieben“, sagte sie.
Der ukrainische Außenminister
Andrij Sybiha hatte die EU-Delegation zuvor am Bahnhof begrüßt. Die starke
europäische Präsenz zeige, dass es unausweichlich sei, Russland
für seine Gräueltaten zur Rechenschaft zu ziehen, sagte er.
Gräueltaten von Butscha
Die Kleinstadt Butscha nordwestlich von Kyjiw war in den ersten Kriegstagen im Februar 2022 von
russischen Truppen besetzt worden. Nach der Befreiung durch ukrainische
Streitkräfte Ende März wurden in den Straßen getötete Zivilisten
gefunden – teils mit Folterspuren und gefesselten Händen.
Ukrainischen Angaben zufolge wurden in Butscha
mehr als 400 tote Zivilisten registriert. In der Region insgesamt waren
es mehr als 1.300 – darunter mehr als 700, die erschossen wurden. Die Vereinten Nationen bestätigten in
einem Bericht den Tod zahlreicher Zivilisten in der Region.
Russische Offizielle weisen
den Vorwurf eines Kriegsverbrechens bis heute zurück und behaupten trotz eindeutiger Gegenbeweise, es handle sich um eine Inszenierung.