In Krisenzeiten boomen die Starthäfen in Deutschland
Kurs Nord! Starthafen Deutschland. Koffer packen, ab ins Auto oder in die Bahn mit Transfer zum nächsten Seehafen. Das ist günstiger, erspart Flüge, schont die Umwelt – und vermittelt auch vielen Passagieren unterwegs eine instinktive Geborgenheit relativ nahe der Heimat in unsicheren Zeiten.
Reedereien wie Aida Cruises beschreiben das Phänomen als „Planungssicherheit“. Und tatsächlich, es bahnt sich eine hohe Sensibilisierung und Nachfrageverschiebung an, hin zu Kreuzfahrten ab/bis deutschen Häfen. Dieser Trend hat sich mit dem Krieg in Nahost noch einmal ganz deutlich beschleunigt.
Die Nachfrage nach Kreuzfahrten an sich ist hierzulande ungebrochen hoch, doch die Zielgebiete haben sich zugunsten der von Deutschland bequem erreichbaren Ziele deutlich verschoben.
Nordsee und Ostsee sind seit 2025 zusammengerechnet mit knapp 44 Prozent die Favoriten, an zweiter Stelle rangiert das westliche Mittelmeer mit 20 Prozent, gefolgt von den Kanaren, Azoren, Madeira und Portugal (knapp 14 Prozent).
Dabei bleibt die Kreuzfahrt der entscheidende Wachstumsmotor im deutschen Reisemarkt. Die Zahlen sprechen für sich: 2025 haben 3,3 Millionen Urlauber eine Kreuzfahrt unternommen, so viele wie nie zuvor, das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr mit 3,0 Millionen.
Familien schätzen All-inclusive
Zum Vergleich: 2022 waren es bloß 2,5 Millionen. Eine Schiffsreise kostet im Schnitt 1671 Euro und dauert knapp zehn Nächte. Gerade bei Familien (37 Prozent der Gäste) ist eine Kreuzfahrt dank All-inclusive eine Option.
Klare Profiteure sind die vier großen Häfen Hamburg, Kiel, Warnemünde und Bremerhaven. So sind für das laufende Jahr 2026 insgesamt 603 Touren verfügbar, für 2027 sind es 665 Kreuzfahrten, rechnet der Anbieter Kreuzfahrt-Ticket vor.
Sieben Reedereien haben bereits vorausschauend wegen der großen Nachfrage ihre Touren ab Deutschland erhöht: Aida und Costa, MSC und TUI Cruises, Hapag-Lloyd Cruises sowie Cunard.
Die größten Renner: Hauptsächlich geht es nach Norwegen, auf Sieben-Länder-Trip in die Ostsee (ohne Russland) und in die Nordsee, nach Großbritannien und Island, aber auch hoch ins Eis bis nach Grönland und Spitzbergen.
Von Warnemünde nach New York
Doch es geht von deutschen Häfen auch noch viel weiter weg: So dampft im Spätsommer (25. August) die „Aidadiva“ von Warnemünde nach Nordamerika. Die 17-tägige Transatlantikreise ist die wohl außergewöhnlichste Route 2026 ab einem deutschen Seehafen.
Nach einem Zwischenstopp in Island nimmt das Schiff Kurs auf Kanadas Ostküste mit Halifax, dann geht die Route an der US-Küste herunter über Boston und Newport bis nach New York City. Dabei wird am zentral gelegenen Manhattan Cruise Terminal festgemacht – nur rund 30 Gehminuten vom Times Square entfernt. Es gibt nur noch Restplätze für Innenkabinen.
Auch bei den Anläufen in Deutschland gibt es viel Rückenwind. Beispiel Hamburger Hafen: 289 Kreuzfahrtschiffe haben sich 2026 für einen Besuch angemeldet – ein neuer Superlativ.
Denn auch immer mehr Schiffe mit vielen internationalen Gästen, vor allem US-Amerikaner, dampfen durch die Nordsee. Darunter erstmals die „Valiant Lady“ von Virgin Voyages, das lifestylige Schiff nur für Erwachsene, oder die feine „Scenic Eclipse II“ mit Helikopter und U-Boot.
Warnemünde an der Ostsee meldet nach Angaben von Rostock Port 163 Anläufe, darunter die luxuriöse „Evrima“ von Ritz-Carlton und die „Seven Seas Grandeur“ von Regent Seven Seas Cruises.
Auch im Winter, traditionell eher mit verhaltener Nachfrage, tut sich etwas ab deutschen Seehäfen: Die Angebote für Touren nach Norwegen und zu den Metropolen am Ärmelkanal werden ausgeweitet, was auch mit der Bauweise der neuesten Schiffe zu tun hat: Die bieten mit überdachten Pooldecks auch bei Frost tropische Innentemperaturen.
Source: welt.de