Store des Tages Frühjahr 2026: Frühauf in Freystadt: Wie sich ein Traditionsmodehaus neu erfindet

Die Kunden sollen sich im Modehaus Frühauf wie zu Hause fühlen.

Tradition trifft Zukunft: Das Familienunternehmen Frühauf in Freystadt zeigt, wie sich ein fast 200 Jahre altes Modehaus modernisiert – mit neuem Store-Konzept, erweiterter Hosenkompetenz, neuer Cafézone und neuem Logo. So stellt sich das Familienunternehmen für die Zukunft auf.

Seit fast 200 Jahren gibt es das Modehaus Frühauf am Marktplatz von Freystadt, einer beschaulichen Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern in der Oberpfalz. Neben dem Stammhaus, das der Familie gehört, betreibt das Unternehmen einen weiteren Damen-Multilabel-Store sowie Mono-Stores von Cecil, Zero und Marc O’Polo in Neumarkt.

Das Haupthaus in Freystadt umfasst rund 2000m². Vor einigen Jahren wurde bereits der Herrenmodebereich umfassend erneuert, nun bekam der Damenmodebereich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss mit zusammen rund 700m² Fläche ein komplettes Make-over. Für Konzeption, Design und Möbelbau haben die Freystädter mit dem Ladenbauer Knoblauch zusammengearbeitet.

Ein neues Bild nach außen

Der Umbau wird nicht erst im Laden, sondern bereits an der Fassade sichtbar. „Wir haben ein neues Logo eingeführt. Früher hatten wir dieses goldene, geschwungene Zeichen – so kannten uns die Kunden. Viele sagen heute noch: ‚Mein Opa hat hier seinen Kommunionsanzug gekauft.‘ Dieses Bild war stark verankert. Davon wollte ich bewusst weg“, erzählt Stephanie Jechnerer im TW-Gespräch. Sie ist Teil der Geschäftsführung und Tochter der Inhaberfamilie (Frühauf-)Pirzer. Mit ihr ist vor einigen Jahren die fünfte Generation ins Familienunternehmen eingestiegen.

Store des Tages Frühjahr 2026: Modehaus Frühauf in Freystadt

Der frische Wind sollte sich auch nach außen zeigen: „Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind: nicht nur der Laden für den Kommunionsanzug, sondern auch für meine Freunde, die mit mir ein Bier trinken gehen und hier einen coolen Anzug finden“, so die Händlerin.

Das neue Erscheinungsbild entstand bewusst ohne externe Agentur. „Das Branding haben wir komplett intern entwickelt. Uns war wichtig, dass das Logo zu uns passt und eine echte Verbindung hat.“ Das Zeichen greift die Form einer Anzugknopfleiste auf und spielt zugleich mit der Idee eines Smileys. Es steht für Herzlichkeit, für Anlasskompetenz.

Architektur trifft Herkunft

Und die steht unter anderem auch bei dem neuen Konzept im Mittelpunkt. Die Gestaltung setzt auf eine starke Verbindung von Historie und Gegenwart. Ziegelrot erinnert an die Dächer der Altstadt, ein warmer Grünton erinnert an die Wurzeln des Hauses.

„Wir kommen aus einer Jägerfamilie, mein Großvater war Jäger, ursprünglich waren wir Hutmacher. Dieses Waldgrün hat uns immer begleitet. Über die Jahre ist es etwas ins Mintgrün gekippt – jetzt haben wir daraus wieder einen modernen, warmen Grünton entwickelt. Der zieht sich durch den ganzen Laden, bis hin zu den Kabinen“, erzählt Jechnerer.

Zudem treffen organische Formen auf industrielle Elemente. Flexible Warenträgersysteme sorgen dafür, dass Flächen schnell auf neue Sortimente reagieren können. Bestehende Regale wurden überarbeitet und integriert.

Neue Wege, neue Schwerpunkte

Mit dem Umbau hat sich auch die Struktur im Laden verändert. Die Flächen sind nicht mehr nach Marken organisiert, sondern bilden über Looks verschiedene Themenwelten ab. Der Laufweg, früher eine Straße, schlängelt sich nun durch die einzelnen Bereiche und Highlights.

Gleichzeitig wurde das Sortiment weiterentwickelt. Einige Marken wie Opus und Someday sind hinzugekommen. Ein Schwerpunkt rückt deutlich stärker in den Fokus: die Hose. „Anlass ist unser Steckenpferd. Aber die Hose ist unser zweiter Schwerpunkt geworden. Da haben wir eine riesige Kompetenz aufgebaut. Der neue Ladenbau macht diese Kompetenz erstmals sichtbar. „Jetzt kommt der Kunde rein und sieht sofort die Hosen- und Jeanskompetenz – zusammen mit den Kabinen. Das baut sich dann weiter auf. Das war vorher so nicht darstellbar.“

Gerade hier spielt auch die hauseigene Schneiderei ihre Stärke aus – ein Service, mit dem sich Frühauf bewusst vom Online-Handel absetzt. Ein Online-Shop wird zwar betrieben, aber weniger als Vertriebskanal, sondern eher als digitales Schaufenster. Als digitaler Ertragskanal wird Instagram genutzt, wie Jechnerer erzählt.

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Aufenthaltsqualität als Strategie

Im Zentrum des neuen Konzepts steht zudem das Erlebnis. Zentral platzierte Umkleiden, großzügige Spiegel und eine Cafézone sollen auf die Verweildauer einzahlen. „Unser Laden ist modern, aber herzlich und nahbar. Unsere Kunden fühlen sich wie im Wohnzimmer“, sagt Jechnerer.

Genau das war auch der Kern des Briefings: „Die Kunden sollen reinkommen und sofort denken: Hier fühle ich mich wohl. Alles ist neu, aber es soll sich vertraut anfühlen – fast wie zuhause.“

Diese Mischung aus Erneuerung und Vertrautheit zahlt sich aus. „Das Feedback ist durchweg positiv – und am Ende zeigen auch die Umsatzzahlen, dass das Konzept funktioniert.“

Frequenz entsteht durch Ideen

Frühauf denkt Handel als Erlebnis. Events sind fester Bestandteil der Strategie. „Mein Motto ist: Schaff‘ Frequenz, wenn du Frequenzmangel hast!“ Ob Modefrühstück in der Freiblick-Lounge oder Valentinsbrunch mitten in der Umbauphase – das Haus bleibt belebt. Selbst während der Bauarbeiten im Februar 2026 sei der Store voll gewesen.

Über die genaue Höhe der Investitionen spricht Jechnerer nicht, die stehe nicht im Vordergrund. Nur so viel: „Wir haben nicht nur Wände gestrichen.“ Tatsächlich wurde die Damenmodeabteilung grundlegend erneuert. Estrich, Ebenen und Decken wurden angepasst, Zugänge verlegt, alte Strukturen geöffnet und neue geschaffen. Viele dieser Eingriffe bleiben für den Kunden unsichtbar – sind aber entscheidend für Funktion und Zukunftsfähigkeit der Fläche.

Zum Unternehmen

Das Familienunternehmen Frühauf betreibt zwei Multilabel-Stores in Freystadt und Neumarkt sowie Mono-Brand-Stores von Cecil, Zero und Marc O’Polo. Insgesamt umfasst das Sortiment rund 100 Marken für Damen und Herren – von lässiger Casual- und Trendmode über Formelwear bis hin zu Premium- und Anlassmode. Anbieter sind unter anderem Marc O’Polo, Someday, Vila, Vero Moda, Zero, Monari, Mac, Angels, Cambio, Toni, Comma, Betty & Co, More & More, Marc Cain, Weekend Max Mara, Hugo Boss, Roy Robson, Digel, Fynch Hatton und Casa Moda.

Frühauf zeigt, wie sich ein Traditionshaus neu aufstellt. Man setzt auf neue Ideen ein, ohne die Wurzeln zu kappen. Das Ergebnis ist ein Store, der Wandel zulässt und Herkunft sichtbar macht.