Mögliche Friedensgespräche: Warum Pakistan im Irankrieg vermittelt

In Südasien sorgte am Sonntagabend ein Ausrutscher des pakistanischen Außenministers Ishaq Dar für einen Schreckmoment. Wie sein Sohn später laut der Zeitung „Dawn“ berichtete, hatte sich der Minister während eines Termins mit seinem ägyptischen Konterpart bei einem Sturz auf den Steinboden einen Haarriss in der Schulter zugezogen. Mit Unterstützung von Schmerzmitteln werde er aber weitere Termine wahrnehmen können. Es wäre ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt, wenn der pakistanische Chefdiplomat ausgerechnet jetzt ausfallen würde. Denn seit einigen Tagen wird Pakistan in den Bemühungen um Friedensgespräche zwischen den USA und Iran eine Schlüsselrolle zugesprochen.
So viel hatte der Außenminister am Tag des Sturzes auch noch selbst verkündet. „Pakistan wird es als Ehre empfinden, in den kommenden Tagen bedeutsame Gespräche zwischen den beiden Seiten auszurichten und zu ermöglichen, um eine umfassende und dauerhafte Beilegung des andauernden Konflikts zu erreichen“, hatten ihn Agenturen zitiert. Ebenfalls am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass es schon „bald“ zu einem Abkommen kommen könnte.
Schon in den Tagen zuvor hatte Islamabad auf Hochtouren gearbeitet. Pakistans politische Führung hatte der „New York Times“ zufolge mit mehr als 20 Staats- und Regierungschefs telefoniert. Minister Dar hatte am Sonntag die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei in Islamabad empfangen – im Rahmen dieser Gespräche über den Irankrieg war es auch zu dem Sturz gekommen. Ministerpräsident Shehbaz Sharif hat auch mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian telefoniert.
Pakistan hat Kontakte nach Iran und in die Golfstaaten
Der Kontakt zu US-Präsident Donald Trump wird dem Bericht zufolge dagegen von Militärchef Syed Asim Munir persönlich gehalten, der in Pakistan die eigentliche Macht ausübt. Er hat es mit diplomatischem Geschick und Schmeicheleien geschafft, ein persönliches Verhältnis zum US-Präsidenten aufzubauen. Trump hat seinen erklärten „Lieblingsfeldmarschall“ auch schon mehrfach im Weißen Haus empfangen. Pakistan hatte sich unter anderem damit beliebt gemacht, dass es Trump für seine Vermittlerrolle im Kaschmirkonflikt mit dem Nachbarn Indien gepriesen hatte. Islamabad hatte Trump auch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Indien, das aufgrund seiner Beziehungen zu allen Beteiligten ebenfalls als Vermittler infrage käme, hatte den Einfluss Trumps auf den Waffenstillstand dagegen wiederholt zurückgewiesen. Zum Missfallen Neu Delhis, das in Pakistan vor allem einen Unterstützer von Terroristen sieht, fällt die Rolle des Vermittlers wohl auch deshalb nun Islamabad zu. Als muslimisches Land, das eine mehr als 900 Kilometer lange Grenze mit Iran hat, ist Pakistan zwar unbeteiligt, aber nahe am Konflikt dran. Es verfügt über keine amerikanischen Stützpunkte und ist auch nicht zum Ziel iranischer Angriffe geworden.
Pakistans Beziehungen zu den Golfstaaten sind zudem so gut, dass Pakistan mit Saudi-Arabien ein Verteidigungsabkommen geschlossen hat. Mehrere Millionen Pakistaner sind im Nahen Osten beschäftigt. Pakistans Verhältnis zu Iran ist zwar nicht ohne Probleme, vor zwei Jahren hatten sich die beiden einen kurzen Militärkonflikt geliefert. Doch seither hat es zahlreiche Kontakte auf höchster Ebene gegeben. Pakistan kenne Iran „sehr gut, besser als die meisten“, hatte Trump nach einem Treffen mit Munir gesagt. Da Iran keine eigene Vertretung in Washington hat, nimmt es seine Interessen dort seit Jahren über Pakistans Botschaft wahr.
Vergangene Woche hatte auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) die Möglichkeit von Friedensgesprächen in Pakistan erwähnt. Außenminister Dar zufolge beschränkte sich die Rolle Pakistans bisher auf die Übermittlung von Botschaften zwischen Iran und den USA. Den Berichten zufolge soll Islamabad dem iranischen Nachbarn einen Plan der US-Regierung mit 15 Forderungen übergeben haben. Teheran soll dies mit einem eigenen Fünfpunkteplan erwidert haben. Fachleuten zufolge sind die Positionen aber sehr weit voneinander entfernt. Während der US-Präsident etwa wiederholt von diplomatischen Kontakten mit Iran gesprochen hat, bestreitet Teheran das.
Source: faz.net