Umstrittene Drohnen-Aussagen: Der Rheinmetall-Chef sollte zum Hausmann werden

Den präsidialen Konter hat sich Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Montag eingefangen. Wenn jede ukrainische Hausfrau Drohnen herstellen kann, dann kann auch jede ukrainische Hausfrau Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall sein, ließ der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilen. Es war eine Replik auf Zitate Pappergers in einem Magazin-Artikel vom Wochenende. Darin hatte der Manager ukrainischen Herstellern die Innovationskraft abgesprochen. Deren Drohnen würden von Hausfrauen hergestellt, Papperger zog auch den Vergleich zum Spiel mit Legosteinen.
Es folgte ein veritabler „Shitstorm“ im Internet, an dem zwei Punkte bemerkenswert waren: dass der Chef des größten deutschen Rüstungskonzerns derart verächtlich über ein Volk sprach, das sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Aggressor wehrt; und dass die Empörung gerade jetzt hochkocht, denn solche Vergleiche hat Papperger nicht zum ersten Mal gezogen. Dass Rheinmetall eine Art Entschuldigung auf der Plattform X nachschob, spricht zumindest für die Einsicht, dass die Wortwahl missraten war. Und in der Sache?
Innovation ist mehr als ein Technologiesprung
Papperger folgt einer Definition von Innovation, die sich an Produktkategorien und Technologiesprüngen bemisst. Demnach sind unbemannte Kampfdrohnen tatsächlich kein Hightech (für die dahinterliegende Steuerungsfähigkeit durch Künstliche Intelligenz sieht das schon anders aus). Diese Einschätzung blendet jedoch sämtliche Lehren aus dem Krieg in der Ukraine aus: schnell sein, in Massen und zu niedrigen Preisen bei hoher Flexibilität produzieren. Denn die Dynamiken auf den Schlachtfeldern sind hoch. Was bringt der beste Hochleistungsstörsender, wenn der Feind seine Drohnen plötzlich per Glasfaserkabel steuert?
Die Kunst zur raschen Improvisation ist gefragter denn je. Diese Fähigkeit hat die Ukraine entwickelt, ebenso Iran trotz jahrelanger Sanktionen – oder gerade deswegen? Wenn etablierte Rüstungskonzerne diese Veränderungen auf die leichte Schulter nehmen, droht ihnen das Schicksal der Autoindustrie, die zu lange die Innovationskraft neuer Herausforderer belächelt hat. Genauso wie sich die Mobilität von Menschen verändert, verändert sich auch die Logik auf dem Schlachtfeld. Noch immer gibt die Bundeswehr jedoch den überwältigenden Teil ihrer Beschaffungsetats für konventionelles Kriegsgerät aus. Höchste Zeit, dass deutsche Hausmänner Hand anlegen.