Russische Schattenflotte: Kapitän von russischer Schattenflotten zu Haftstrafe verurteilt

Ein französisches Gericht hat den Kapitän des
vorübergehend festgesetzten Öltankers Boracay in Abwesenheit zu einem Jahr Haft
verurteilt. Das Schiff wird der russischen
Schattenflotte zugerechnet. Außerdem verurteilte das Gericht im westfranzösischen Brest
den chinesischen Kapitän zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro, wie die
Zeitung Ouest France berichtete. Dem Kapitän war vorgeworfen worden,
französische Anweisungen nicht befolgt zu haben, als französische
Seestreitkräfte den Tanker Ende September vor der bretonischen Küste aufhielten.

Der Kapitän erschien nicht selbst vor Gericht,
sondern ließ sich von einem Anwalt vertreten. Dieser sagte, das
französische Gericht sei nicht zuständig, da die Marine den Tanker in
internationalen Gewässern gestoppt habe. Dieser Auffassung folgte das
Gericht aber nicht.

Der Tanker wird laut Staatsanwaltschaft der
russischen Schattenflotte zugerechnet. Damit sind Tanker und
Frachtschiffe gemeint, die Russland zum Vermeiden von Sanktionen etwa
beim Öltransport einsetzt. Im Januar und Ende März hielt Frankreich
erneut Ölfrachter auf, die verdächtigt wurden, zur Schattenflotte zu
gehören.

Mehr als 800 Schiffe der Schattenflotte vermutet

Die französische Marine hatte den Öltanker Boracay, der
auf der EU-Sanktionsliste steht, Ende September nahe der Insel Ouessant
im Atlantik aufgehalten und den Kapitän zu einer Kursänderung Richtung
Küste aufgefordert. Mehrere französische Soldaten gingen dann an Bord.
Das Schiff ankerte mehrere Tage vor Saint-Nazaire, bevor es seine Fahrt
fortsetzten durfte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den
Fall als Beispiel dafür zitiert, wie westliche Staaten gegen die
Schattenflotte vorgehen sollten. „Wenn wir die Schiffe mehrere Tage oder
Wochen festhalten, (…) dann zerstören wir das Geschäftsmodell“, sagte
er. 800 bis
1.000 Schiffen sollen laut Macron die zur russischen Schattenflotte zählen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte
Frankreich wegen des Festhaltens des Tankers „Piraterie“ vorgeworfen und
Vergeltungsmaßnahmen angedroht.

Mutmaßliche Verwicklung in Drohnen-Störfälle

Nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens waren
Mutmaßungen, wonach die Boracay zuvor beim Passieren der dänischen
Küste in Drohnen-Störfälle verwickelt gewesen sein könnte. Diese führten
vor allem in Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen
des Flugverkehrs. Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der
Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder
Spionageangriffe genutzt werden können.

Nach Recherchen des US-Senders CNN befanden sich an Bord der Boracay zwei Russen, die für eine
private russische Sicherheitsfirma mit Verbindungen zur Armee und zum
Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Entsprechende russische
Sicherheitskräfte kämen auf etlichen Tankern der Schattenflotte zum
Einsatz. Sie überwachten die Mannschaft der Schiffe und machten Fotos
von europäischen militärischen Einrichtungen, berichtete CNN unter
Verweis auf westliche Geheimdienstinformationen.