Umfrage zu Geschlechterumgang: Viele spüren Männer im Unterschied zu Frauen respektloser denn früher
Umfrage zu GeschlechterumgangViele empfinden Männer gegenüber Frauen respektloser als früher
30.03.2026, 16:39 Uhr
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Der Fall von Collien Fernandes beschäftigt seit Tagen das Land. Einer Umfrage zufolge sind sich Männer und Frauen einig, dass Gesetze gegen digitale Gewalt verschärft gehören. Anders sieht es beim alltäglichen Umgang zwischen den Geschlechtern aus: Viele Frauen beklagen mangelnden Respekt.
Mehr als jede zweite Frau in Deutschland fühlt sich im Umgang mit Männern nicht immer respektiert. Wie eine von RTL/ntv in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeigt, geben 55 Prozent der Befragten an, sich im Alltag nur „meistens“ respektvoll behandelt zu fühlen, weitere 10 Prozent sogar „selten“. Lediglich 34 Prozent der Frauen berichten, sie würden „so gut wie immer“ mit Respekt behandelt.
Die Wahrnehmung der Geschlechter unterscheidet sich dabei stark: 77 Prozent der Männer glauben, dass Frauen sich von ihnen „so gut wie immer“ respektiert fühlen, weitere 18 Prozent gehen von „meistens“ aus. Dass Frauen sich selten respektiert fühlen, vermutet dagegen nur ein Prozent der Männer. Die Umfrage zeigt damit eine deutliche Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung von Frauen und Männern.
Positiver fällt die Einschätzung in festen Partnerschaften aus: 78 Prozent der Frauen fühlen sich von ihrem Partner „so gut wie immer“ respektiert, 19 Prozent nur „meistens“. Nur zwei Prozent berichten von seltenem respektvollen Verhalten.
Umgang hat sich verschlechtert
Dabei habe sich der gesellschaftliche Umgang zwischen Männern und Frauen in den vergangenen Jahren verschlechtert: 38 Prozent der Befragten meinen, Männer verhielten sich heute weniger respektvoll gegenüber Frauen als noch vor zehn Jahren. Nur 23 Prozent sehen eine Verbesserung, während 35 Prozent keine wesentliche Veränderung erkennen.
Wieder gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Fast jede zweite Frau (48 Prozent) ist der Ansicht, dass das Verhalten von Männern respektloser geworden ist. Unter Männern teilt diese Einschätzung nur gut ein Viertel (27 Prozent). Stattdessen glauben 32 Prozent der Männer, dass sich der Umgang verbessert habe, und 39 Prozent sehen keine Veränderung.
Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann sind in Deutschland auf große Aufmerksamkeit gestoßen. 90 Prozent haben von dem Fall gehört, den Fernandes in einem „Spiegel“-Interview öffentlich gemacht hat. Der Fall offenbart gemischte Reaktionen gegenüber betroffenen Frauen: Rund die Hälfte (48 Prozent) der Befragten geht davon aus, dass Betroffene bei öffentlichen Schilderungen von sowohl Zuspruch als auch Skepsis erfahren, wenn sie über unangemessenes Verhalten oder Übergriffe sprechen. 26 Prozent glauben, Frauen träfen mit solchen öffentlichen Schilderungen eher auf Vorbehalte in der Bevölkerung, während 24 Prozent eher Unterstützung sehen. Die Wahrnehmung unterscheidet sich dabei deutlich zwischen den Geschlechtern: Frauen berichten häufiger von Vorbehalten (34 Prozent) als Männer (18 Prozent).
Klare Mehrheit für härtere Strafen
Zugleich ist die Erwartung an öffentliche Reaktionen begrenzt: Nur gut ein Drittel (34 Prozent) derjenigen, die den Fall kennen, findet, dass sich mehr prominente Männer klar hätten positionieren müssen. 47 Prozent sehen dafür keine Notwendigkeit, 34 Prozent schon, 19 Prozent haben keine Meinung dazu. Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer sehen öfter keine Notwendigkeit, Stellung zu beziehen (53 Prozent) als Frauen (41 Prozent).
Justizministerin Stefanie Hubig hat einen Gesetzesentwurf gegen digitale Gewalt fertiggestellt. Künftig soll bereits das Herstellen pornografischer Deepfakes strafbar sein, bei anderen Fälschungen zumindest deren Verbreitung. Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet strengere Gesetze gegen digitale sexualisierte Gewalt. 88 Prozent der Befragten halten es für richtig, die Herstellung und Verbreitung gefälschter pornografischer Aufnahmen künftig konsequent unter Strafe zu stellen. Nur sechs Prozent sprechen sich dagegen aus.
Besonders hoch ist die Zustimmung bei Frauen (93 Prozent), aber auch unter Männern gibt es eine deutliche Mehrheit (84 Prozent). Über alle Altersgruppen hinweg stößt eine Gesetzesverschärfung auf breite Unterstützung, mit Zustimmungswerten zwischen 85 und 92 Prozent.
Die Daten wurden am 26. und am 27. März vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland erhoben. Datenbasis: 1001 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
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Source: n-tv.de