Endlich Freitag: Adam Smith, Mesut Özil und jener Erfolg jener AfD
Adam Smiths Standard-Werk wird 250 Jahre alt, eine sehenswerte Dokumentation blickt auf Mesut Özil und die deutsche Gesellschaft – und wir nehmen drei weit-verbreitete Mythen zum AfD-Erfolg unter die Lupe. Der „Freitag“-Blick auf den Tag.
Hallo,
Woran denken Sie, wenn ich den Namen Adam Smith nenne? An Kapitalismus vielleicht, oder an die berühmte „unsichtbare Hand“, die den Markt ganz von allein regelt, was schon bedenklich nach ganz gruseligem Neoliberalismus klingt. So richtig zum Linken-Liebling taugt Smith jedenfalls auf den ersten Blick nicht.
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Berühmt geworden ist Adam Smith durch The Wealth of Nations – ein Buch, das bis heute zu den meistzitierten gehört. „Es war ein Bestseller, die erste Auflage in fünf Monaten ausverkauft“, schreibt Freitag-Autor Michael Krätke. 250 Jahre ist diese Erstveröffentlichung nun her – Grund genug für einen intensiven Blick auf dieses Standardwerk. Genau das hat Michael Krätke getan, und es ist wie so oft, wenn man mal genauer hinsieht: Das Bild wird komplexer.
Karl Marx zum Beispiel (schon eher ein Linken-Liebling) war schwer beeindruckt von Adam Smith und hat für seine eigenen Theorien sehr viel vom Begründer der politischen Ökonomie übernommen. Oder wussten Sie, dass ausgerechnet der Liberale Adam Smith der Ansicht war, dass die kapitalistische Marktgesellschaft nicht funktioniere?
Und noch etwas war Smith wichtig: ein moralisches Grundgerüst, das alle guten Menschen haben müssten. Ich finde, damit lässt sich auch 250 Jahre später noch viel anfangen.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜Feierabend bei Tageslicht: Kleiner Service am Rande: Am Wochenende war wieder mal Zeitumstellung. In Deutschland führt das in aller Regel zu Klagen aller Art: Eine gestohlene Stunde! Warum gibt es die depperte Zeitumstellung überhaupt noch?! Solche Dinge.
Mir hat die Zeitumstellung dagegen den Tag versüßt. Denn ab jetzt ist es abends wieder länger hell. Die Tageslicht-Lampe wandert also vom Schreibtisch wieder in die Schublade und das nächste Feierabendgetränk wird bei Tageslicht genommen. Und das mit dem Tageslicht wird die nächsten drei Monate nur noch besser! Wunderbar!
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu sehen: Am Wochenende war Länderspielpause. Mit Spielen der Fußball-Nationalmannschaft kann ich eher wenig anfangen. Die Debatten um die Nationalmannschaft und die Frage, wie Fußball und Gesellschaft zusammenhängen, interessieren mich dagegen viel mehr. Darum habe ich statt Länderspielen die ZDF-Miniserie Mesut Özil – zu Gast bei Freunden geschaut. In drei Folgen erzählt Regisseur Florian Opitz den Weg von Mesut Özil, von seinen Anfängen als Supertalent hin zur Aufregung um sein Foto mit Recep Tayyip Erdoğan. Herausgekommen ist ein Blick auf die deutsche Gesellschaft, der es sich zu keinem Zeitpunkt leicht macht.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Drei Mythen über den AfD-Erfolg: Arbeiter, junge Männer, der Osten – schnell sind Verantwortliche für den Erfolg der AfD gefunden. Doch viele dieser Erklärungen greifen zu kurz, meint mein Kollege Sebastian Bähr. Ein Blick auf Daten zeigt, warum der Rechtsruck komplexer ist – und was oft übersehen wird.
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Der Politikwissenschaftler Tarik Abou-Chadi von der Universität Oxford führt in sozialen Medien aus: „Verwendet man objektive Daten über Berufe, ist die AfD keineswegs bei Arbeitern am stärksten.“ Auf Grundlage von Daten zu Parteinähe und Wahlverhalten der Langzeitstudie European Social Survey (ESS) argumentiert er, dass die Unterstützung der AfD fast ausschließlich bei Arbeitern zunimmt, die sich selbst als ideologisch rechts einstufen. Diese Gruppe habe jedoch auch zuvor keine linken Parteien gewählt. „Die Idee, die SPD verliere gerade ihre Kernwählerschaft an die AfD, ist schlicht falsch“, resümiert Abou-Chadi.
In eine ähnliche Richtung argumentiert auch der Soziologe Linus Westheuser vom Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften: „Man sieht auch absolut keinen Rechtsruck unter Arbeiter*innen, wenn man Rechts-Links-Positionierungen anschaut.“ Bezüglich der Einstellungen zu Migration, LGBT-Rechten oder Klimaschutz gebe es ebenso keinen Rückschritt. „Der Teil der Arbeiterklasse, der vorher schon rechts war, hat in der AfD eine Partei gefunden. Linke Arbeiter wurden dagegen vergessen und demobilisiert.“
Entscheidend ist damit also weniger eine ideologische Verschiebung als der Verlust politischer Verankerung in Teilen der Arbeiterklasse.
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Damit sind wir schon wieder am Ende dieser Newsletter-Ausgabe. Lassen Sie sich von Ihrer inneren Uhr nicht täuschen – der Feierabend ist eine Stunde näher als er sich anfühlt! Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend bei Tageslicht!
Viele Grüße,
Ihr
Benjamin Knödler
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