Deutsche Unesco : Herrenschneiderhandwerk qua Immaterielles Kulturerbe erprobt

Das Herrenschneiderhandwerk umfasst die handwerkliche Herstellung von Herrenbekleidung nach individuellen Maßen. Zu den zentralen Arbeitsschritten gehören das Maßnehmen, die Erstellung eines persönlichen Schnittmusters, der Zuschnitt von Hand sowie die überwiegend handwerkliche Verarbeitung mit Nadel, Faden und Bügeleisen.

Das Herrenschneiderhandwerk wurde in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Deutsche Unesco Kommission würdigt damit „ein traditionsreiches Handwerk, das überliefertes Wissen mit zeitgemäßer Weiterentwicklung verbindet und einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leistet“. 

„Das Herrenschneiderhandwerk umfasst die handwerkliche Anfertigung und persönliche Passform von Herrenbekleidung nach individuellen Maßen und beruht auf überlieferten Techniken und handwerklichem Können“, heißt es von der Unesco Deutschland.

„Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe ist für uns eine besondere Bestätigung unserer Arbeit. Sie würdigt nicht nur handwerkliche Exzellenz, sondern auch die Verantwortung, dieses Wissen in die Zukunft zu tragen“, erklärt Sandro Dühnforth, Vorsitzender der Hamburger Vereinigung Die Herrenschneider – Echte Maßarbeit. Ehrliches Handwerk. Mit der Anerkennung erhalte das deutsche Herrenschneiderhandwerk eine bessere öffentliche Sichtbarkeit und eine starke Grundlage für die weitere Vermittlung seiner Werte, Techniken und kulturellen Bedeutung, so Dühnforth. 

Maßarbeit auf höchstem Niveau

In Deutschland stehe das Herrenschneiderhandwerk für Maßarbeit auf höchstem Niveau: von der individuellen Vermessung über die Schnittkonstruktion und den handwerklichen Zuschnitt bis hin zu Einlagenverarbeitung, Dressur und präziser Endausarbeitung. Maßgefertigte Kleidung sei dabei auch Ausdruck von Identität, Haltung und handwerklicher Qualität. Darüber hinaus steht das Herrenschneiderhandwerk für einen nachhaltigen Umgang mit Materialien und eine lange Lebensdauer der gefertigten Stücke.

Die Aufnahme würdige zudem die Weitergabe des Wissens an kommende Generationen. Hervorgehoben wird auch das Engagement für die stärkere Einbindung von Frauen in die Praxis des Handwerks – derzeit werden etwa 40% der rund 60 deutschen Maßschneiderbetriebe von Frauen geführt.

Der Verein Die Herrenschneider – Echte Maßarbeit. Ehrliches Handwerk engagiert sich seit 2018 für die Vernetzung der Praktizierenden, die Nachwuchsförderung und die öffentliche Wahrnehmung des Herrenschneiderhandwerks. 

Neu eingetragen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes wurden zudem die Bolzplatzkultur, die Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland sowie die Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern. Damit umfasst das bundesweite Verzeichnis nun 173 kulturelle Ausdrucksformen, die in Deutschland gelebt und weitergegeben werden.

Die Unesco unterstützt seit mehr als 20 Jahren die Weitergabe, die Dokumentation und den Erhalt lebendiger Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, Naturwissen, von Handwerkstechniken und mündlichen Überlieferungen. Deutschland ist dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes 2013 beigetreten.