Es wird gefährlich und könnte verlustreich werden

Ohne Bodentruppen lässt sich das oberste Ziel im Iran-Krieg kaum erreichen: das angereicherte Uran außer Landes zu schaffen. Gelingt Donald Trump kein schneller Sieg, droht den Amerikanern Ungemach.

Die Vereinigten Staaten schicken sich an, Bodentruppen in Richtung Iran zu verlegen; darunter Spezialeinheiten und Landungstruppen. Die Entscheidung ist richtig. Zum einen erhöht sie den Druck auf Teheran, doch noch auf dem Verhandlungsweg eine Einigung mit Washington zu erzielen.

Zum anderen sind „boots on the ground“ nötig, um mithilfe von Sondereinheiten das oberste Ziel dieses Feldzuges zu erreichen: das angereicherte Uran aus dem Land zu schaffen oder für immer zu zerstören. Dazu werden nicht nur Sondereinheiten, sondern auch sie schützende GIs nötig sein. Experten nennen über eintausend Soldaten als Begleitschutz für die Spezialtruppe. So oder so – es wird gefährlich und könnte verlustreich werden.

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Sollte US-Präsident Donald Trump allerdings weiterhin mal dieses, mal jenes Kriegsziel ausrufen, wird er seine Streitkräfte tiefer in das Fiasko stürzen, in welchem die Vereinigten Staaten stecken. Sie haben sich verrechnet, hatten auf ein schnelles Ende des Mullah-Regimes gesetzt – ohne sich zu überlegen, was geschehen soll, wenn die Diktatur in Teheran überlebt.

Beunruhigend für Außenstehende ist: Trump schwankt noch immer von einer Position zur nächsten. Man kann nur hoffen, das gegenwärtige Hin und Her möge Taktik sein, um den Gegner zu verwirren. Sicher aber ist man nach den Irrfahrten der vergangenen Wochen nicht. Sie haben die Vereinigten Staaten trotz aller Bombardements schwach dastehen lassen. Nimmt man Trumps jüngste Äußerungen ernst, dann könnte der Herr im Weißen Haus mithilfe der Bodentruppen Kharg besetzen wollen.

Dazu seien folgende Fragen gestattet: Die Insel, von der 90 Prozent des iranischen Öls verschifft wird, liegt im nördlichen Teil des Persischen Golfs. Um sie einzunehmen, müssten amerikanische Landungsschiffe durch die Straße von Hormus fahren. Die Durchfahrt könnte zur Hölle werden. Wie soll die amerikanische Kriegsmarine die Straße durchfahren?

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Und sollte es ohne schwerste Verluste gelingen und Kharg übernommen werden – was wäre das amerikanische Ziel? Die Mullahs und Revolutionsgarden werden auch dann nicht klein beigeben, wenn sie der Öleinnahmen verlustig gehen. Sie kümmert das Leid der eigenen Bevölkerung nicht. Gleichzeitig würden ihre Schergen die Entsalzungsanlagen der arabischen Nachbarn samt ihrer Raffinerien zu zerstören suchen. Sie sind so gut wie nicht zu schützen. Was möchte Washington also mit der Besetzung erreichen?

Trump sollte wissen: Je länger der Krieg dauert, desto besser wird die Lage für das Mullah-Regime. Unter dieser Maxime sollte das Kriegsziel bestimmt werden. Sonst droht ein Fehlschlag, der nicht allein mit einer Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen enden würde. Es brächte ein Ungemach anderer Qualität.

Source: welt.de