Bodentruppen im Iran oder nicht: Trump steht vor seiner schwersten Entscheidung
Bodentruppen im Iran oder nichtTrump steht vor seiner schwersten Entscheidung
30.03.2026, 04:54 Uhr

Noch hält der US-Präsident die Optionen in der Hand. Während Washington von Verhandlungen mit dem Iran spricht, bereitet das Pentagon eine Offensive vor. Teheran vermutet ein Ablenkungsmanöver, doch Trump muss eine Reihe von Risiken abwägen.
US-Präsident Donald Trump steht an einem Scheideweg. Er muss entscheiden, ob die USA mit Bodentruppen im Iran eingreifen werden. Das würde den Charakter der US-Beteiligung im Krieg, der vor vier Wochen begann, grundlegend verändern. Der Iran wirft Trump vor, Verhandlungsbereitschaft nur zu signalisieren, aber heimlich eine Bodenoffensive vorzubereiten. Für den US-Präsidenten birgt eine Entscheidung mehrere Gefahren.
Zu dem Einsatz gibt unterschiedliche Signale der USA, was Spekulationen nährt. Einerseits spricht die US-Regierung viel über Diplomatie. Trump verschob mit Verweis auf gute Gespräche sein Ultimatum an den Iran, das Teheran zur Öffnung der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus zwingen soll. Die neueste Frist läuft deutscher Zeit am 7. April um 2.00 Uhr nachts ab. Die Öl- und Gaspreise sind seit Kriegsbeginn am 28. Februar nach oben geschossen.
Pentagon plant Einsatz
Andererseits schicken die USA weitere Soldaten in den Nahen Osten. Beobachtern zufolge könnte das auch eine Drohgebärde der US-Regierung sein, um in den Gesprächen den Druck aufrechtzuerhalten. Nach früheren Angaben befanden sich bereits mehr als 50.000 Soldaten in der Region. Das amphibische Angriffsschiff „USS Tripoli“ erreichte am Freitag nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Regionalkommandos Centcom dessen Einsatzgebiet. Es dient als Flaggschiff einer kombinierten Seestreitkraft mit etwa 3500 Einsatzkräften. Es wären Angriffe per Luft, See und Land möglich.
Zudem gab es in der vergangenen Woche US-Medienberichte, wonach das Pentagon eine Verlegung von Soldaten der 82. Luftlandedivision planen soll. Die US-Spezialkräfte sind darauf trainiert, aus der Luft mit Fallschirmen einzugreifen. Wie konkret die mutmaßlichen Pläne sind, blieb unklar.
Iran wirft USA Scheinverhandlungen vor
Der Iran warnt vor einem Bodeneinsatz der USA. „Zweifelt keinen Augenblick an der Entschlossenheit unserer Soldaten“, sagte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. Er äußerte sich zudem skeptisch zu Vermittlungsversuchen der USA. Der Iran hatte in der Vergangenheit mehrmals den Vereinigten Staaten vorgeworfen, es mit Verhandlungen nicht ernst gemeint zu haben.
In deutlich schärferem Ton äußerten sich die iranischen Revolutionsgarden zu einer möglichen Bodenoffensive. „Trump würde mit einer solchen Aktion die amerikanischen Truppen den Haien im Persischen Golf zum Fraß vorwerfen“, erklärten die Revolutionsgarden im Staatssender Irib. Für Trump gibt es jetzt zwei erhebliche Risiken.
Der Krieg könnte sich in die Länge ziehen
Trump steht unter massivem Zeitdruck. Die US-Regierung hatte sich gleich zu Beginn darauf festgelegt, dass der Einsatz zwischen vier und sechs Wochen dauern würde. Damit wurde auch dieses Signal an die eigene Bevölkerung gesendet: Das wird kein langer Militäreinsatz. Viele Amerikaner sind kriegsmüde. Obwohl Trump nun betont, dass der Iran quasi militärisch ausgeschaltet sei, man gewonnen habe, und obwohl Trump schon signalisierte, dass man den Einsatz zurückfahren könnte, weil die Ziele bald erreicht seien – er hat weiterhin das Problem der vom Iran blockierten Straße von Hormus.
Unlängst schlussfolgerte das US-Medium „Politico“, der US-Truppenaufbau deute etwa auf eine gewaltsame Kontrolle der Meerenge hin. Das könne ein Versuch sein, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder richtig in Gang zu bringen. Die „New York Times“ mutmaßte, die Kräfte könnten auch eingesetzt werden, um den wichtigsten Ölexport-Hafen Irans auf der Insel Charg einzunehmen.
Die Frage ist, wie lange solche Einsätze am Boden dauern würden und ob sie den Krieg nicht verkürzen, sondern in die Länge ziehen könnten.
Rückhalt in Trumps Lager könnte schwinden
Bodentruppen sind auch ein sensibles Thema für Trump in Bezug auf den Rückhalt in seiner Maga-Bewegung und seiner Partei. Die frühere politische Strategin der Republikaner, Sara Fagen, sagte in der US-TV-Sendung „Meet the Press“, dass es zwar einen Teil in Trumps Partei gebe, der den Krieg ablehne. Der Präsident genieße dennoch weiterhin generell einen starken Rückhalt der Republikaner.
Sie ergänzte dann: Wenn man in die Zukunft blicke, werde es um Fragen wie die nach der Kriegsdauer, nach den Kosten und der nach einer Bodeninvasion gehen. Die Kombination dieser Faktoren könnte das Verhalten der Partei „dramatisch verändern“.
Der republikanische Senator James Lankford aus dem Bundesstaat Oklahoma sagte in derselben Sendung auf die Frage nach seiner Unterstützung für Trump, wenn dieser einen Bodentruppeneinsatz für nötig hält: Das hänge davon ab, was dann konkret gemeint sei. Wenn es sich etwa um Spezialeinheiten handele, um einen bestimmten kurzfristigen Einsatz – schnell rein und schnell wieder raus – durchzuführen, sei das etwas anderes als eine langfristige Besatzung.
Source: n-tv.de