Fall Collien Fernandes: Schauspielerin Sibel Kekilli schildert ihren Kampf gegen Beleidigungen








Seit Jahren kämpft Schauspielerin Sibel Kekilli gegen Beleidigungen im Internet. Und das zu oft vergeblich – in ihren Augen ist Deutschland ein Täterparadies.

Angesichts der schweren Vorwürfe von Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen schildert Schauspielerin Sibel Kekilli ihren jahrelangen – und oft vergeblichen – Kampf gegen Beleidigungen, die in sozialen Medien auf sie einprasseln.



In einem Gastbeitrag für „Die Zeit“ zitiert sie aus einem Urteil, dem zufolge sie wegen ihrer Rolle als Prostituierte in der weltweit erfolgreichen Serie „Game of Thrones“ Titulierungen wie „Nutte“, „Erwachsenendarstellerin“ und „ewige Nutte“ hinnehmen müsse. Sie werde bereits seit ihrer Rolle in Fatih Akins Film „Gegen die Wand“ gestalkt, beleidigt und bedroht – und wehre sich seit 2004 dagege: „Mal erfolgreich, mal erfolglos. Das alles ist wie eine Hydra. Du schlägst einen Kopf ab, es wachsen zwei neue nach. Dann schlägst du zwei Köpfe ab, und schon sind es vier. Sich wehren kostet Geld, Kraft und häufig auch sehr viel Lebensmut“, schreibt sie.

Schlimmer als die Beschimpfungen sei aber, dass sie nicht geschützt werde, beklagt Kekilli in der „Zeit“. Oft sei sie bei „Instagram“ abgewiesen worden, mit Mühe habe sie einiges löschen lassen können, habe sogar einen „mehr oder weniger direkten Ansprechpartner“ gehabt. Schließlich sei ihr gesagt worden, „bei Instagram hätten sie jetzt Anweisungen erhalten, dass sie mir – und anderen – nicht mehr helfen dürften. Künftig solle ich mich durch die von der Plattform bereitgestellten Möglichkeiten klicken“, schreibt die Schauspielerin.


Sibel Kekilli stimmt Collien Fernandes zu

Sie habe „auf die harte Tour“ gelernt, dass man als Mann und solange alles heimlich bleibt, jede Sauerei machen könne. „Und wenn es dann doch auffliegt, kommen Männer mit viel zu viel durch.“

Auch deswegen kommt Kekilli zu dem Schluss, dass Fernandes Recht habe: „Ja, dieses Land ist ein Täterparadies. Lange genug habe ich mich geschämt. Ich finde, den walk of shame sollen die Täter gehen, nicht die Opfer. Und bitte schnell.“

tkr

Source: stern.de