Z. Hd. immer sollte sie Ehe halten – doch weil es Heinrich VIII. war, kam es zwei Paar Schuhe
Vor sieben Jahren wurde das kostbare Zeugnis der Liebe zwischen Katharina von Aragon und Heinrich VIII. auf einem Acker gefunden. Nun wird das goldene Tudor-Herz zum teuer erkauften Nationalschatz der Briten.
Nach der Annullierung ihrer Ehe im Jahr 1533 versuchte man sie aus dem Gedächtnis der Nation zu löschen. Dabei erwies sich die erste, 24 Jahre dauernde Verbindung des englischen Königs Heinrich VIII. mit Katharina von Aragon als seine dauerhafteste. Doch der Mangel eines ersehnten Thronfolgers und der Charme der Hofdame Anne Boleyn brachten die Königin zu Fall. Die meisten Kunstobjekte, die an sie erinnerten, wurden zerstört oder in alle Winde zerstreut.
Umso mehr Aufsehen erregte der Fund eines massiven goldenen Herzens an einer Goldkette, das ein Amateur-Schatzsucher mit Metalldetektor 2019 in einem Acker in der Grafschaft Warwickshire entdeckte. Es ist das bisher einzige Schmuckstück, das als künstlerisches Zeugnis dieser Ehe bekannt ist.
Das Tudor-Herz ist prachtvoll gestaltet: Man erkennt eine aus einer Wolke auftauchende Faust als symbolische Handreichung Gottes, die das Herz mit der schweren, aus 75 Gliedern bestehenden Kette verbindet. Auf der Vorderseite des Herzens aus 24-karätigem Gelbgold prangt die emaillierte, rot und weiß schimmernde Rose der Tudors, verschlungen mit einem Granatapfel, dem Emblem für Fruchtbarkeit einerseits und andererseits Katharinas spanischer Herkunft.
Zudem bekräftigen die Initialen H und K sowie die altfranzösische Inschrift „tousiors“ (auf Deutsch: immer) ihre Verbindung. 1518, so die Annahme, signalisierte dieses Juwel die – allerdings nur kurzfristige – dynastisch diktierte Verlobung der zweijährigen Prinzessin Mary mit dem acht Monate alten französischen Thronfolger.
Nach britischem Recht ist jede Person, die einen Gegenstand findet, der als national bedeutendes Kulturgut eingestuft werden könnte, verpflichtet, den Fund den Behörden zu melden. Der Finder Charlie Clarke lieferte das Herz also im British Museum ab, das unter Maßgabe des „Portable Antiquities Scheme“ öffentliche Funde in England und Wales registriert. Museumsexperten erkannten die Bedeutung des Schmuckstücks als „historischen Schatz“, den es gilt, im Lande zu behalten. Das Museum erhielt ein Vorkaufsrecht.
Von da an tickte die Uhr, um bis April 2026 den von einer Kommission festgelegten Schätzwert von 3,5 Millionen Pfund aufzubringen. Mit der Zurschaustellung im Museum und Spendenaufrufen feuerte man die Geberlaune öffentlicher und privater Institutionen sowie des allgemeinen Publikums an.
Der Appell hatte Erfolg. Der britische Art Fund steuerte 400.000 Pfund bei, der Verband der amerikanischen Freunde des British Museum 300.000. Mit 1,75 Millionen Pfund sicherte der National Heritage Fund als letzte Instanz für das „außergewöhnlichste britische Erbe“ das historische Juwel. Zudem bemerkenswert ist daran: Das goldene Herz rührte obendrein nicht weniger als 45.000 Besucher, mit insgesamt 380.000 Pfund zum Kauferfolg beizutragen.
Ob die Summe, wie in solchen Fällen üblich, teils an den Finder, teils an den Besitzer des Ackers in Warwickshire geht, wurde nicht bekannt. In den vergangenen Jahren, so die Statistik des British Museums, steigerte sich die Schatzsuche von Amateuren beträchtlich. Bei der bisher letzten Zählung 2024 wurden knapp 80.000 Objekte von mehr als 20.000 Suchern registriert. 1540 solcher Funde stufte man offiziell als „nationale Schätze“ ein.
Das goldene Tudor-Herz geht indessen auf Tournee und wird in mehreren britischen Regionen ausgestellt, ehe es dann in seiner Vitrine im Britischen Museum in London weitere Detektivarbeit von Kunsthistorikern erfordern dürfte. Offen sind etwa noch diese Fragen: Wer trug das Schmuckstück nach Königin Katharina? Wer vergrub es und warum?
Source: welt.de