Leo besucht Monaco: Der Papst überrascht selbst Fürst Albert

Die Reise von Leo XIV. nach Monaco an diesem Samstag ist der erste offizielle Besuch eines Papstes der Neuzeit in dem Fürstentum. Als bisher einziger Besuch eines Papstes in Monaco ist der Aufenthalt von Paul III. (1468 bis 1549) im Jahr 1538 bezeugt. Damals bemühte sich der Papst aus dem italienischen Adelsgeschlecht der Farnese um einen Waffenstillstand zwischen dem Habsburger-Kaiser Karl V. und dem französischen Ritterkönig Franz I. Die Verhandlungen fanden in Nizza statt. Um seine Neutralität als Vermittler zu bekräftigen, nächtigte der Papst nicht auf französischem Territorium, sondern als Gast der Fürstenfamilie Grimaldi in deren nahe gelegener Felsenfestung, dem „Rocher de Monaco“.
Anders als Papst Paul III. vor fast 500 Jahren bleibt Leo nicht über Nacht. Er lässt sich morgens mit dem Hubschrauber vom Vatikan nach Monaco bringen – die Flugzeit beträgt rund zwei Stunden – und kehrt am Abend auf gleichem Wege zurück. Als der Vatikan vor Wochen die Reisepläne des Papstes für die erste Jahreshälfte bekannt gab, waren nicht wenige von diesem Auftakt überrascht. Auch der Gastgeber. Dem „Corriere della Sera“ gestand Fürst Albert II. am Mittwoch: „Ich hätte nie gedacht, dass er sofort die Einladung annehmen würde, die ich ihm im Januar bei einer Audienz im Vatikan überreicht habe. Ein unerwarteter Segen!“
Monacos Fürstin darf beim Papst Weiß tragen
Gewiss, der Vatikan und Monaco haben einiges gemeinsam. Es sind Zwergstaaten, die beiden kleinsten in Europa. Es herrscht ein männlicher Monarch katholischen Glaubens, der eine wird in sein Amt gewählt, der andere als Erbmonarch dafür geboren. Beide Staaten nutzen als Zahlungsmittel den Euro, gehören aber nicht zur EU. Sie verfügen über ein eigenständiges Bankwesen, das nicht über alle Zweifel erhaben ist. Die wenigen Einwohner, kaum 900 beziehungsweise rund 38.000, bezahlen keine Einkommens- und Vermögensteuer.
Mehr als die Gemeinsamkeiten stechen aber die Unterschiede heraus: zwischen der Vatikanstadt, dem Sitz der Weltkirche, die Altruismus, Nächstenliebe und die Besinnung auf geistliche Güter predigt, und dem Millionärsdorado an der französischen Riviera, wo die Reichen Egomanie, Selbstbeweihräucherung und weltlichen Götzendienst praktizieren. Dabei ist der katholische Glaube bis heute Staatsreligion im Fürstentum. Und der lateinische Wahlspruch der Grimaldis, dem am längsten bestehenden katholischen Herrscherhaus Europas, lautet „Deo Juvante“ (Mit Gottes Hilfe).
Schon im Wappen der Grimaldis kommt jedoch der grundlegende Widerspruch zwischen Fassade und Lebensführung der Fürsten auf dem Felsen zum Ausdruck. Das Wappen zeigt zwei Franziskanermönche, die ganz unfriedlich das Schwert schwingen und damit an die Kriegslist Francesco Grimaldis von 1297 erinnern. Als Bettelmönch verkleidet, ersuchte Grimaldi um Einlass in die von den Genuesern erbaute Festung, um sie sodann mit seinen Soldaten zu erobern.
Ungeachtet dieses ursprünglichen Missbrauchs der frommen Kleidung waren die Beziehungen zwischen Monaco sowie den Grimaldis auf der einen Seite und dem Kirchenstaat sowie später dem Vatikan auf der anderen Seite über die Jahrhunderte hinweg ausgezeichnet. Papst Innozenz IV. (1195 bis 1254) erlaubte den Bau einer Kapelle auf dem Felsen von Monaco. 1887 gründete Papst Leo XIII. die Diözese Monaco.
Audienzen der Fürstenpaare beim Papst waren immer ein Gesellschaftsereignis, zumal Fürstinnen aus Monaco das rare „Privilège du blanc“ katholischer Königshäuser genießen. Sie dürfen bei einer Privataudienz und bei der Messe zur Amtseinführung eines Papstes Weiß tragen, statt dem für alle anderen Frauen vom Protokoll des Vatikans vorgeschriebenen Schwarz.
Fürstliches Veto gegen Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen
Zusätzlichen Glanz gab es bei Besuchen von Fürst Rainier III. (1923 bis 2005) mit seiner Frau, der einstigen Hollywood-Diva Grace Kelly (1929 bis 1982) und späteren Fürstin Gracia Patricia. Rainier war es auch, der 1981 auf das Recht verzichtete, den Bischof für die Diözese Monaco zu bestimmen. Darauf erhob Papst Johannes Paul II. den Bischofssitz zur Erzdiözese. Das Erzbistum Monaco gehört mit 29.000 Seelen und einer Fläche von kaum zwei Quadratkilometern zu den kleinsten Diözesen der Weltkirche.
Albert II. hat jüngst gegen ein Gesetz zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bis zur zwölften Woche sein Veto eingelegt, auch beim Verbot der Sterbehilfe liegt Monaco ganz auf der Linie des Vatikans. Mit dem Sakrament der Ehe nimmt es der Fürst aber nicht so genau, wie seine zwei unehelichen Kinder dokumentieren.
Erzbischof von Monaco ist seit 2020 der französische Geistliche Dominique-Marie David. In einem Gespräch mit Radio Vatikan sagte David diese Woche, zwar gelte Monaco als Synonym für Reichtum. Doch es gebe auch in seiner Diözese prekäre Lebensbedingungen, insbesondere unter Hausangestellten und Mitarbeitern von Lieferdiensten. Außerdem litten auch Wohlhabende unter Einsamkeit und Sinnkrisen, unter Trennungen und Familiendramen.
Gerade in einem Land wie Monaco, wo der katholische Glaube Staatsreligion sei, reiche es nicht aus, sich „als katholisch zu bekennen und sogar ein wenig stolz darauf zu sein“. Vielmehr gelte es, „auch alle Konsequenzen daraus zu ziehen für unsere Sicht auf die Welt, auf andere, auf die Ärmsten und auch auf die Kohärenz unseres eigenen Lebens“, mahnte der Bischof.
Mit Blick auf den überraschenden Papstbesuch falle ihm die vom Evangelisten Lukas überlieferte Geschichte vom Oberzöllner Zachäus ein. In dessen Haus habe sich Jesus eingeladen, „obwohl diese Person ungeachtet ihres Reichtums und ihrer herausgehobenen Stellung nicht unbedingt einen guten Ruf gehabt“ habe. Zu dem ungeliebten Zöllner sei Jesus gegangen, „um auch ihm die Schönheit und Freude des Evangeliums zu vermitteln und ihm durch Freundschaft und Nähe zu zeigen, dass das Reich Gottes bereits unter uns ist“, so der Erzbischof.
Source: faz.net