So will Disneyland Paris massenweise neue Besucher ködern

Disneyland Paris eröffnet die von Fans lang ersehnte „World of Frozen“. Die ist Teil von Disneys Mammutplan, den Park in Frankreich zum Besuchermagneten zu machen. Der kann aufgehen, auch wenn Schneemann Olaf sich noch ziert.

Die 350 Drohnen glimmen noch am Nachthimmel, der letzte Takt von „We Can Be Heroes“ ist verklungen. Die Wasserdrohnen fahren in einer Reihe wie eine riesige Entenfamilie den See entlang. Ben Spalding, Produzent der Show, und sein Team haben einen Kreis gebildet, sie umarmen sich und sind für einen Augenblick ganz still – auf diesen Moment haben sie sieben Jahre hingearbeitet.

Mit „Cascades of Lights“, einer spektakulären Abendshow, die Drohnen, Wasserfontänen, Projektionen, Musik und Feuerwerk kombiniert, endet ab sofort das Tagesprogramm in der Adventure World in Disneyland Paris. Der Vergnügungspark in Frankreich besteht seit 2002 aus zwei Parks – dem „klassischen“ Disneyland-Park, der 1992 als Euro Disney Resort eröffnete, und den Walt Disney Studios, die zehn Jahre später dazukamen. Am letzten Märzwochenende wird der zweite Park offiziell in Adventure World umbenannt – und zusätzlich eröffnet ein komplett neuer Bereich, von Fans weltweit sehnsüchtig erwartet: die „World of Frozen“, gelegen am ebenfalls neuen „Adventure Way“.

Eine Neubenennung, die komplette Überarbeitung eines ganzen Parks, neue Bereiche, die Verdopplung der Fläche – es war ein Mammutplan, den Disney für seinen Park in Paris schon 2018 ankündigte. Denn der Pariser Standort war von Anfang an eine Art Sorgenkind unter den Disneyparks – es gab strukturelle Probleme, Schulden, einen Börsengang, der rückgängig gemacht wurde, Fehlannahmen über das europäische Publikum, aber auch immer wieder Probleme im täglichen Ablauf, kaputte Fahrgeschäfte, Kritik an der Preispolitik. Selbst Fans zeigten sich enttäuscht, etwa von Jahreskarten, die plötzlich teurer waren, aber weniger Leistungen enthielten, von geschlossenen Restaurants, fehlenden Innovationen.

Doch Disney glaubte immer weiter an seinen einzigen europäischen Freizeitparkstandort, investiert aktuell in die Renovierung der Hotels vor Ort und stellte eine Summe von zwei Milliarden in Aussicht, um mit Adventure World einen neuen Publikumsmagneten zu erschaffen. Denn der alte Walt Disney Studios Park mit Old-Hollywood-Filmstudio-Thematik war ein durchaus charmantes Konzept – scheiterte aber an der Realität. Die Besucher fanden den Park zu klein, zu wenig immersiv. Durch immer neue Versuche, ihn attraktiver zu gestalten, wirkte er irgendwann wie zusammengewürfelt.

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Das macht Disney nun zum Konzept: Statt alles unter das Thema Hollywood zu zwingen, gibt es ab sofort ganz offiziell mehrere eigene Erlebniswelten – die schon bestehenden Attraktionen rund um „Toy Story“ oder „Findet Nemo“ fungieren als „World of Pixar“, auf dem „Marvel Avengers Campus“ kann man Spider-Man treffen oder mit Iron Man Achterbahn fahren. Neu eröffnet der „Adventure Way“ mit einem riesigen See und dem ersten Rapunzel-Karussell „Tangled Spin“ – und als absolutes Highlight die eigene Welt rund um Arendelle, das Königreich aus Disneys Superhit „Frozen“.

Eine weise Entscheidung. Der Hype um „Frozen“ ist riesig und seit 2013 ungebrochen. Es ist der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten – beide Teile spielten zusammen rund 2,7 Milliarden US-Dollar ein. Der Titelsong „Let It Go“ wurde zum globalen Kulturphänomen, der Look von Eiskönigin Elsa ist längst ikonisch, die Geschichte rund um die zwei Schwestern Elsa und Anna ist romantisch wie emanzipiert gleichermaßen. Dazu ein Maskottchen zum Verlieben, der Schneemann Olaf – es ist mehr als naheliegend, all das erlebbar zu machen, um neue Zielgruppen in die Parks zu locken. In Hongkong eröffnete 2023 die weltweit erste „World of Frozen“ – es kamen nicht nur spürbar mehr Besucher, sie gaben auch mehr Geld für Merchandising aus.

Nun hat Paris ein eigenes Arendelle. Dass Disneys Plan, damit eine nie dagewesene Publikumsattraktion zu erschaffen, aufgehen könnte, zeigte sich schon vor der offiziellen Eröffnung: Jahreskartenbesitzer etwa durften den Bereich in den vergangenen zwei Wochen testen. Der Andrang war so riesig, dass sich selbst vor kleinen Buden mit „Frozen“-Haarreifen oder Olaf-Kuscheltieren Schlangen bildeten. Es gab stundenlange Wartezeiten nur, um in den Bereich zu gelangen, den dann keiner mehr verlassen wollte, sodass er wegen Überfüllung geschlossen werden musste.

Riesenandrang auf die „World of Frozen“

Wie das werden soll, wenn er für sämtliche „normale“ Besucher eröffnet ist? Vergangene Woche postete Disneyland Paris eine Mitteilung an alle, die einen Besuch für das Eröffnungswochenende geplant haben – weil man so einen großen Andrang erwarte, werde es separate Warteschlangen für den neuen Bereich geben. Doch auch damit sei der Zugang nicht garantiert, schon gar nicht für eine Fahrt mit „Frozen Ever After“. Das ist das aktuell einzige und damit umso begehrtere Fahrgeschäft in der „World of Frozen“, eine liebevoll-detailliert gestaltete Bootsfahrt durch die Geschichte von Anna und Elsa, inklusive aller Song-Klassiker, Olaf, viel Glitzer und einem überraschenden Rückwärtsdrop zu „Let It Go“.

Die Fahrt dauert rund fünf Minuten – die Wartezeit wird hier sicherlich auch mal mehrere Stunden betragen. Daher ist schon der Warteweg, durch den man sich schlängeln muss, mit allerlei Details gestaltet, die „Frozen“-Fans zu schätzen wissen werden – von einem Brief von Anna an Kristoff bis zur Kultnebenfigur Oaken, der aus seiner Sauna herauswinkt.

Überhaupt, ganz Arendelle ist zwar etwas klein für die zu erwartenden Besuchermassen, aber dem Original perfekt nachempfunden, der Brunnen mit Eisstern Instagram-tauglich positioniert vor schneebedeckten Bergen und Elsas Schloss im Hintergrund. Dort wird man die „Frozen“-Schwestern erstmals bei einem eigenen Meet & Greet treffen können, auch hier ist größter Andrang von vor allem kleinen Prinzessinnen zu erwarten.

Was ist mit dem Olaf-Roboter?

Wen man, wider aller großer Erwartung, nicht treffen wird, ist der neue Olaf-Roboter. Bei mehreren Previews für Presse und Influencer sowie in ersten Werbespots war der Schneemann auf dem Marktplatz von Arendelle zu sehen – er ist eine revolutionär neue Animatronics-Figur, also einer jener Roboter der neuen Generation in Tiergestalt, die sich wie lebendig bewegen. Disney erschuf mit diesem Olaf einen „Next Generation Robotic Character“, der anders als klassische Animatronics nicht fest an einem Ort oder auf einer Schiene steht, sondern selbstständig frei herumlaufen kann, in Olaf-Originalgröße. Er kann auf Besucher reagieren, interagieren, sich faszinierend echt bewegen, mit den Ast-Armen wedeln und sogar verschiedene Gesichtsausdrücke zeigen.

Nachdem das klassische Meet & Greet mit einem verkleideten Olaf-Darsteller mit der Eröffnung von „World of Frozen“ aus dem offiziellen Programm gestrichen wurde, hatten viele Fans erwartet, den besonderen Roboter zumindest in einem bestimmten Bereich sehen und fotografieren zu können – doch bislang wird er nur beim täglichen „Sunflower Festival“ eingesetzt. Das ist ein weiteres Highlight der neuen „Frozen“-Welt: In der Show planen Anna und Elsa mit ihrem besten Freund das Sommerfest des Dorfes, die „Let It Go“-Songwriter haben extra eigene Musik geschrieben, die Show enthält sogar ein kleines Feuerwerk – und eben den neuen Olaf-Roboter als heimlichen Star auf seinem eigenen Boot.

Doch die Technik hinter dieser Figur, die mit Künstlicher Intelligenz trainiert wurde, ist so neu, komplex und fragil, dass sie jederzeit ausfallen kann, was im Rahmen der Previews bereits passierte. Herausfordernd ist etwa der große Kopf von Olaf, der von Bauteilen in seinem vergleichsweise schmalen Hals gesteuert werden muss, die offenbar leicht überhitzen können. Ob und wie Olaf in naher oder ferner Zukunft auch auf dem Gelände erlebbar sein wird, dazu äußert man sich bei Disney auf Nachfrage nicht explizit und verweist auf seine täglichen Auftritte im „Sunflower Festival“.

Als nächstes: „König der Löwen“

Entschädigen können vielleicht die diversen Olaf-Varianten in den Arendelle-Shops, auch hier ist anfangs wohl mit Zugangsbeschränkungen zu rechnen. In weiser Voraussicht ist der Weg in die „World of Frozen“ sehr großzügig gestaltet: Er führt an dem neuen See eine breite Promenade entlang, auf der Minnie Maus täglich mit ihrem Orchester tanzt. Der nächste Schritt der Parkerweiterung wird ein eigenes Land links von Arendelle zum Thema „König der Löwen“ sein, was es weltweit bisher noch in keinem Park gibt. Damit soll Paris als Disney-Destination noch attraktiver werden.

Die neue Drohnen-Abendshow schließlich will eine Klammer bilden um all das, was die neue Adventure World ausmachen soll – sie mischt Szenen aus „Oben“, schreibt mit Drohnen das Avengers-Logo in die Luft, lässt Mulan singen und Fische aus „Findet Nemo“ täuschend echt durch den Himmel schwimmen. Im Songtext des eigens geschriebenen Begleitsongs schließlich steckt das, was Disney sich mit all den neuen Superlativen wohl erhofft: „Inspiration zeigt den Weg. Wir können stärker sein, wir wollen Helden sein.“

Tipps und Informationen

Wie kommt man hin? An- und Abreise am besten per Zug – es gibt einen eigenen Bahnhof Marne-la-Vallée/Disneyland Paris, an dem TGV-Schnellzüge und RER-Regionalbahnen halten.

Unterkünfte: Eine Übernachtung im neu renovierten „Disneyland Hotel“ (fünf Sterne, direkt am Parkeingang gelegen) kostet um 700 Euro pro Person und Nacht inkl. Parkeintritt. Günstiger ist „Disney’s Hotel Santa Fe“ (zwei Sterne), es kostet um 300 Euro pro Person und Nacht, ist aber knapp zwei Kilometer vom Eingang entfernt. Im Umfeld des Freizeitparks, aber meist einige Kilometer entfernt, gibt es zahlreiche weitere Budget-Unterkünfte, etwa das „B&B Hotel près de Disneyland Paris“ mit zwei Sternen, hier ist eine Übernachtung ab 49 Euro zu haben.

Park-Tickets: Ein Tagesticket kostet für einen der zwei Parks ab 49 Euro; die günstigste Jahreskarte ist ab 289 Euro zu haben. Für Kinder gibt es Ermäßigungen.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von The Walt Disney Company Germany. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit

Source: welt.de