„Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste“ – Collien Fernandes im Zusammenhang Hamburger Demo

„Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln“: Mit dieser Forderung sind in der Hamburger Innenstadt Tausende auf die Straße gegangen. Es gibt prominente Unterstützung.

Zusammen mit Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes haben Tausende Menschen bei einer Demonstration in Hamburg mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt gefordert. „Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln“, war auf Plakaten zu lesen.

Die Aktion am Rathausmarkt wurde unter anderem von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Kolumnistin Alexandra Zykunov unterstützt. Nach Polizeiangaben wurden 7500 Teilnehmer in Hamburg angemeldet.

„Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme“, sagte Fernandes, deren Stimme immer wieder ergriffen stockte. „Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan.“

Die 44-Jährige hatte eigentlich ihre Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt, sie trat dann aber doch auf. Immer wieder brandete bei der kurzen Rede von Fernandes lauter Jubel auf.

Hintergrund einer aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März.

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Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.

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Man wolle ein sichtbares Zeichen auf der Straße setzen, sagte die Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Annika Urbanski, die die Versammlung angemeldet hatte. Im Aufruf zur Demonstration hieß es: „Der Schutz für Betroffene durch Gesetze hier in Deutschland ist unzureichend. Wir fordern mehr Schutz, klare Gesetze und echte Konsequenzen – online wie offline.“ Die Idee zu der Demo sei aus Solidarität mit Fernandes entstanden.

Am vergangenen Sonntag waren bereits in Berlin zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, die Polizei sprach von 6700 Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen. Auch in Hannover waren mehrere hundert Menschen am Mittwoch unter dem Motto „Sexualisierte Gewalt stoppen“ zusammengekommen. Die Veranstalter sprachen von mehr als 2000 Teilnehmern.

Die Grünen-Politikerin und ehemalige Parteivorsitzende Ricarda Lang sagte dort in einer Rede: „Wir brauchen jetzt eine Änderung der Gesetzeslage, um alle diese Frauen zu schützen.“ Deutschland dürfe nicht länger ein „Täterparadies“ sein.

dpa/jra

Source: welt.de