Hinterhäuser suspendiert: Salzburger Festspiele trennen sich von Intendant

Gerüchte kreisten bereits am Samstag, einen Tag nach der Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele, dass der Intendant Markus Hinterhäuser jetzt seinen Posten hinwerfen werde. Nun ist der Fall eingetreten. Wie die Festspiele am Donnerstag mitteilten, haben die Rechtsanwälte des Salzburger Festspielfonds und der Rechtsbeistand Hinterhäusers einvernehmlich die sofortige Trennung beschlossen. Bis zum Ende des laufenden Vertrags am 30. September 2026 werde Hinterhäuser beurlaubt. Über Details der Absprache wurde Stillschweigen vereinbart.
Sicherlich hat Hinterhäuser keine Lust mehr, einem Festival vorzustehen, dessen Kuratorium ihm demonstrativ das Vertrauen entzogen hatte. Die Gründe für diesen Vertrauensentzug lägen angeblich in mangelndem „Wohlverhalten“, was immer das sein mag. Angekreidet wurde Hinterhäuser die Nominierung von Karin Bergmann als neuer Schauspielchefin der Festspiele, vorbei am offiziellen Bewerbungsverfahren. Geraunt wurde auch immer wieder über Wutausbrüche des Intendanten und herabsetzendes Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen. Doch in die Öffentlichkeit war keine oder keiner der Betroffenen namentlich gegangen, auch nicht durch einen Rechtsbeistand. So lange justiziabel nichts Belastbares vorliegt, bleibt alles Geraune Verdachtsberichterstattung an der Grenze zur unseriösen Jagd nach Klicks.
Der Betrieb der Festspiele, die in diesem Jahr vom 17. Juli bis zum 30. August stattfinden werden, dürfte nicht gefährdet sein. Die Saison ist geplant, die Festspielpräsidentin Kristina Hammer und der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz sollen die operative Leitung übernehmen, bis eine interimistische oder dauerhafte Besetzung der Intendanz geklärt sein wird. Auch für die Saison 2027 sind die Planungen weit vorangeschritten.Das Kuratorium hat sich aber nun, zwei Jahre vor Beginn der Sanierungsarbeiten am Großen Festspielhaus und ohne definierte Areale für Ausweichspielstätten, in eine Situation gebracht, da es eine neue Intendanz, eine neue Schauspieldirektion, eine neue Festspielpräsidentschaft und eine neue kaufmännische Direktion finden muss, weil auch die Verträge der Letztgenannten enden.
Da wirken jetzt doch ein paar Fliehkräfte zu viel auf einmal an der 106 Jahre alten Institution der Salzburger Festspiele, zumal auch die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) erst seit einem knappen Jahr an der Spitze des Kuratoriums steht. Durch diese Führungskrise steuert das weltgrößte Festival für Oper, Schauspiel und Konzert auf seine größte Krise seit 1944/45 zu. Wer auch immer sich jetzt zumutet, den ganzen Laden zu retten, wird zunächst einmal Ruhe herstellen müssen in einem Klima der Intriganz, der Kälte und der Schäbigkeit im Umgang miteinander. Es gäbe mit Michael Haefliger, Matthias Schulz oder Winrich Hopp durchaus erfahrene und umsichtige Intendanten mit klarem Kunstbegriff, die solch einen Betrieb führen könnten. Aber von wem kann man mit allem Ernst verlangen, in einem solch vergifteten Klima seine berufliche Erfüllung zu suchen?
Source: faz.net