Kinder-TV | All Cats Are Beautiful statt „Paw Patrol“: Fünf Kinderserien für jedes Erwachsene

Hurra, hurra, er ist wieder da: „Neue Geschichten vom Pumuckl“

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Vor einer Weile war ich in dem kleinen oberösterreichischen Ort, in dem ich als Kind die Sommerferien verbrachte. Im neuen Holzanbau des alten Gasthofs, den jetzt junge Leute aus dem Ort als Pension betrieben, gab es zum Frühstück Hafermilch aus der örtlichen Brauerei, die ihr Bier inzwischen auch an einen Craftbier-Laden in Hamburg liefert.

So herrlich es früher an diesem Ort war, jetzt war es überraschenderweise noch schöner. Daran musste ich denken, als wir uns Neue Geschichten vom Pumuckl ansahen. Den Hof mit der Werkstatt, in der jetzt Franz Eders Neffe Florian schreinert, erkennt man sofort wieder. Nichts ist radikal verändert, aber gut durchgelüftet wurde schon.

In einer der ersten Folgen besuchen Flori und der Pumuckl den alten Meister Eder auf dem Friedhof. Man könnte grad sentimental werden, da verschwindet der Kobold im Grabkerzenautomat. Pumuckl bleibt wunderbar verschroben und entwickelt sich zugleich zu einer der besten Serien über die Ups and Downs von Freundschaften.

Fast wie im echten Hundeleben: „Bluey“

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Die beste Serie übers Familienleben seit Six Feet Under ist Bluey. Mom Chilli und Dad Bandit wohnen mit ihren Töchtern Bingo und Bluey in einem hübschen Vororthaus in Brisbane. Dass die Heelers und alle, die sie kennen, Hunde sind, fällt nach den ersten zwei der insgesamt 1.350 Minuten Bluey kaum noch auf, so irre menschelt es in dieser Serie, von der es inzwischen drei Staffeln und eine Trillion Merchandiseprodukte gibt.

Dads Erziehungsstil fällt in die Kategorie „Bedürfnisorientiert“, was hier vor allem heißt, dass er sich auf jeden noch so absurden Mist einlässt, den Drei- und Fünfjährige sich so ausdenken können. Glauben Sie mir: Es übersteigt Ihre Fantasie.

Ausgerechnet das Zeit-Magazin kritisierte die materiell sorglose Upper-Middle-Class-Welt, in der die Heelers mit ihrem stets vollgetankten Kleinwagen vor der Tür leben (SUVs scheinen Hunde nicht zu interessieren). Um Tiere und eine Villa geht es deshalb auch in der nächsten Serie, aber unter prekäreren Vorzeichen.

All Cats Are Beautiful in Stackeln an der Kruke: „Katze mit Hut“

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„In Stackeln an der Kruke stand ein Häuschen mal leer, jetzt wohnt dort die Katze mit ein paar Leuten mehr“, heißt es im Intro-Lied von „Katze mit Hut“. 1982 von der Augsburger Puppenkiste mit dem HR als Vierteiler produziert, erzählt diese Serie die Geschichte einer erfolgreichen Hausbesetzung.

Die Katze, eine äußerst elegante Erscheinung, kommt eines Tages mit dem Zug in Stackeln an und krempelt die Verhältnisse so charmant wie bestimmt um. Sie zieht kurzerhand in die bröckelnde Villa des Brauereidirektors Maulwisch – heute würde man „Spekulationsobjekt“ dazu sagen – und verklickert ihm, warum es nun wirklich nicht angemessen ist, dass sie dafür bezahlen soll.

Alle Outcasts der Region kommen bei ihr unter. Dass so ein WG-Leben Konflikte birgt – der Hundertfuß will in Ruhe unterm Dach Glühbirnen sammeln, Wildschwein Baby Hübner malträtiert am liebsten das Klavier –, spart die Serie nicht aus. Ist Ihnen zu nah dran an der Realität? Versuchen wir es mit einem Märchen.

Ein Dackel namens Herr Maier: „Die Märchenbraut“

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Und schon sind wir wieder auf den Hund gekommen. In diesem Fall einen Dackel, mit dem der Familienvater Karl Maier unfreiwillig die Gestalt tauschen muss, was Probleme in seiner Ehe und mit der Schule der Kinder nach sich zieht. Maier arbeitet eigentlich beim tschechischen Fernsehen als Erzähler einer Märchensendung, aber als er sich eine magische Glocke unterschieben lässt, wird die Grenze zwischen dem Märchenreich und Prag durchlässig.

Der Zauberer Rumburak nutzt das aus für perfide Spielchen, die titelgebende „Märchenbraut“ Arabella interessiert sich dafür zu seinem Ärger nun mehr für Maiers Peter. Maier selbst muss unterdessen alle möglichen Plot-Entgleisungen in den klassischen Märchen einhegen, sodass Kindern mit dieser herrlich anarchischen tschechischen Serie von 1979 auch die Grundzüge der Grimm’schen Figurenwelt vermittelt werden können. Das ist Ihnen zu fantastisch? Versuchen wir es mit einer Serie, die praktische Dinge vermittelt (und diesmal, versprochen, ohne Hunde).

Das Klo, das die Welt erklären kann: „Eine Möhre für zwei“

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Wolle und Pferd wohnen mit ihrem sprechenden Klo Günni in einem Haus, das wie eine dicke Möhre aussieht. Günni ist ein ziemlicher Klugscheißer mit einem Hang zu langatmigen Anekdoten (für ein Klo ist er erstaunlich rumgekommen, sogar Bundestagstoilette war er mal). „Eine Möhre für zwei“, erstausgestrahlt 2010 im NDR, ist klassisches Bildungsfernsehen, 152 Folgen umfasst der Sesamstraße-Spin-off, die Schnecke Finchen arbeitet hier als soloselbstständige Paketlieferantin, der Wolf vom Wörtersee übernimmt die Rolle des grantigen Nachbarn.

Schaf Wolle und sein Freund Pferd besuchen ein Wasserwerk, lernen, wie man Eiscreme macht, was die Kaufhausregeln sind, und ausgerechnet von Hans-Joachim Heist (Gernot Hassknecht aus der heute-show), wie Demokratie funktioniert. In einer der besten Folgen, Marie, geht es ums Verliebtsein. Und darum, dass man eine Stute mit Angeberei bei der ersten Verabredung garantiert nicht beeindruckt. Hier kann jede Generation noch etwas lernen.