Sony und Honda: Der nächste geplatzte E-Auto-Traum

Auf den jüngsten Automessen war der Afeela ebenso ein Hingucker wie auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas. Das stylishe Elektroauto, das die beiden japanischen Konzerne Honda und Sony gemeinsam auf den Markt bringen wollten, versprach die Verbindung von Reisen mit hochwertigen Entertainmentangeboten. Auf mehreren Bildschirmen im Auto sollten die Passagiere in der Lage sein, Filme und andere Inhalte zu schauen sowie Playstation-Games zu spielen, während sie unterwegs sind. Sogar außen auf der Karosserie gab es kleine Bildschirmelemente, auf die die Nutzer Bilder ihrer Lieblingsserien aufspielen oder sie anderweitig individualisieren konnten.

Doch aus dem Afeela wird nichts. Überraschend haben der Elektronikkonzern Sony Group und der Autohersteller Honda Motor mitgeteilt, dass sie die Entwicklung ihres gemeinsamen Elektrofahrzeugs beenden. Sie begründen dies mit den Veränderungen im Markt für Elektroautos und Hondas Neubewertung seiner Elektrifizierungsstrategie. „Die grundlegenden Annahmen für die Geschäftstätigkeit von Sony Honda Mobility, etwa die Nutzung bestimmter Technologien und Vermögenswerte, die von Honda bereitzustellen geplant waren“, hätten sich verändert, hieß es darin.

Milliardenabschreibung wegen veränderter Pläne zur E-Mobilität

Der zweitgrößte japanische Autohersteller hinter Toyota Motor hatte vor zwei Wochen eine Milliardenabschreibung wegen seiner veränderten Pläne zur E-Mobilität bekanntgegeben. Honda hatte mitgeteilt, dass drei für Nordamerika geplante Markteinführungen von Elektrofahrzeugmodellen gestrichen würden. Der Konzern rechnet im Zuge der Neubewertung seiner Elektrifizierungsstrategie in den nächsten Jahren mit Gesamtkosten von 2,5 Billionen Yen (13,5 Milliarden Euro). Für das Ende März endende Geschäftsjahr erwartet Honda einen Verlust von bis zu 690 Milliarden Yen (3,8 Milliarden Euro).

Dieser Rückzug hat nun laut der Mitteilung von Honda und Sony auch dazu geführt, „die Entwicklung und Markteinführung des ersten Modells, Afeela1, sowie des zweiten Modells einzustellen“. Der Afeela1 hätte eigentlich schon in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen und konnte schon vorbestellt werden. Schon gezahlte Reservierungsgebühren sollten die Kunden zurückbekommen, teilten die beiden Konzerne mit.

Die strategische Ausrichtung des Gemeinschaftsunternehmens müsse nun überprüft werden. Honda-Chef Toshihiro Mibe hatte noch vor wenigen Wochen auf einer Pressekonferenz gesagt, dass der Afeela „das Schlüsselprojekt“ in Hondas Strategie zu Software-definierten Autos sei, bei denen sich also zusätzliche Funktionen für den Fahrer über Software-Updates freischalten lassen. Was aus der Zusammenarbeit in dieser Hinsicht wird, ließen die beiden Unternehmen zunächst offen.

Strategieschwenks auch bei Ford oder Stellantis

Das Aus für den Afeela ist der nächste große Rückschlag in der internationalen Autoindustrie, den die schleppende Nachfrage nach Elektroautos mit sich bringt. Erst waren es die rasch aufkommenden chinesischen Wettbewerber wie BYD, die den klassischen Herstellern das Leben schwermachten. Dann kam Donald Trump, der zunächst Subventionen für E-Autos strich und dann die Rücknahme von Abgasvorgaben initiierte, was den Verkauf von Elektroautos in den Vereinigten Staaten hart getroffen hat.

Neben Honda mussten auch einige amerikanische Hersteller wie Ford und GM sowie der französische Konzern Stellantis mit Marken wie Jeep und Chrysler bereits teure Strategieschwenks vornehmen. Honda-Chef Mibe hatte im Jahr 2024 angekündigt, bis zum Geschäftsjahr 2030 zehn Billionen Yen (54 Milliarden Euro) in Elektrofahrzeuge und Software zu investieren.

Die japanischen Autohersteller hatten sich lange auf Hybridtechnik verlassen und suchen nach teilweise großen Ankündigungen in den vergangenen Jahren nun nach Wegen, den Ausbau der Elektromobilität mit der schleppenden Nachfrage in Einklang zu bringen. Insbesondere Toyota hatte zuletzt von seiner führenden Stellung bei diesen Motoren profitiert. Toyota kündigte Anfang der Woche an, eine Milliarde Dollar in zwei Werke in den Vereinigten Staaten zu investieren, um dort die Kapazitäten für den Bau von Fahrzeugen mit Hybrid- aber auch mit Elektromotor auszubauen – die Investitionen sind ein Teil eines Gesamtpakets, das der größte Autohersteller der Welt im Zuge des japanischen Zoll-Abkommens mit Trump angeboten hatte.

Der ebenfalls japanische Hersteller Mitsubishi weitet unterdessen seine Partnerschaft mit dem taiwanischen Elektronikhersteller Foxconn aus. Die beiden Konzerne wollen gemeinsam neue Elektroautos entwickeln und in Japan und anderen asiatischen Ländern auf den Markt bringen. Foxconn soll laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zudem kurz vor einer Vereinbarung mit Mitsubishi Electric stehen, die Hälfte von dessen Autoteile-Geschäft zu übernehmen.

Auch für Sony hätte das Projekt eine wichtige Weichenstellung darstellen sollen. Der Konzern entwickelt sich seit einiger Zeit weg vom Hersteller von Elektrogeräten hin zum Produzenten und Vermarkter von Unterhaltungsinhalten wie Filmen, Computerspielen und Musik. Der Afeela sollte nach dem Willen der Konzernlenker eine weitere Plattform dafür bieten: während der Fahrer unterwegs ist, sollte er über die technologisch ausgeklügelten Unterhaltungssysteme die Inhalte von Sony nutzen und bezahlen. In japanischen Medien wurde spekuliert, dass Sony sich nun einen neuen Autohersteller als Partner suchen dürfte.