Jugendliches Fernweh: Auswandern? Aber wohin? Und wer bleibt dann noch?

Es ist nicht das Vorrecht der Jugend, alles anders machen zu wollen. Dieses Recht auf Neues, Umwälzung und Abenteuerlust hat jeder und jede Generation. Was Ältere von Jüngeren unterscheidet, ist ein gewisser Erfahrungsschatz, auch wenn man zugestehen muss, dass Lebensalter und angehäuftes Wissen allein nicht unbedingt klug machen. Was ist also davon zu halten, wenn ein Fünftel der jungen Generation einer Umfrage zufolge konkrete Pläne hat, Deutschland zu verlassen?
Andere Länder sind wählerisch
Die geäußerten Sorgen über die Lage im Land und auf der Welt sowie die Bedürfnisse und Wünsche kann jeder nachvollziehen. Die Frage ist freilich: Wohin will man eigentlich auswandern? Wo ist es spürbar besser? Und wenn man nach einigem Überlegen eine plausible Antwort gefunden hat – die Schweiz? Kanada? –, dann wird man feststellen, dass diese Länder nicht auf ausreisewillige Deutsche warten und generell sehr wählerisch sind.
Nachdenklich macht dieses offenbar politisch und wirtschaftlich motivierte Fernweh aber schon. Denn Deutschland braucht nicht nur Nachwuchs. Es braucht auch Nachwuchs, der sich mit diesem Land identifiziert und es später trägt. Wenn junge Leute, die hier eine immer noch gute Ausbildung genossen haben, sich in beträchtlicher Zahl abwenden, ob innerlich oder tatsächlich einmal durch Auswanderung, dann stellt sich die Frage: Mit wem ist noch Staat zu machen?
Source: faz.net