Psychologie: Wie Träume den Schlaf lenken
Träume können beeinflussen, wie tief wir unseren Schlaf empfinden. Wer sich an intensive Träume erinnert, hat in einem Experiment ein besseres Schlafgefühl. Was das für unseren Schlaf bedeutet.
Manchmal schlafen wir acht Stunden und fühlen uns trotzdem gerädert. Und manchmal reichen fünf Stunden, und wir fühlen uns erstaunlich fit. Wie wir unseren Schlaf bewerten, hängt aber auch davon ab, mit welchen Gefühlen und Erinnerungen wir aufwachen. Eine neue Studie der IMT School for Advanced Studies Lucca in Italien liefert neue Hinweise. Dabei spielen Träume eine zentrale Rolle.
Wer sich an Träume erinnert, empfindet seinen Schlaf besser
Das italienische Forschungsteam hat 44 Freiwillige mehrere Nächte lang im Schlaflabor beobachtet. Dabei wurden die Hirnströme gemessen und die Teilnehmenden immer wieder geweckt. Direkt nach dem Aufwachen mussten die Probanden dann angeben, wie tief sich ihr Schlaf gerade angefühlt hatte. Es zeigte sich: Wer sich nach dem Aufwecken an einen Traum erinnern konnte, empfand den Schlaf als tiefer, obwohl das Gehirn beim Träumen gerade aktiv war. Erinnerten sich die Probanden an besonders lebhafte und intensive Träume, empfanden sie ihren Schlaf als besonders tief.
„Träumen als subjektives Erleben ist ein wichtiger Bestandteil des Schlafes“, sagt Schlaf- und Traumforscher Michael Schredl, Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Ein Traum könne durchaus das Gefühl verstärken, gut und tief geschlafen zu haben. Ob das aber wirklich an den Träumen liegt, kann die Studie nicht abschließend beantworten, sagt Schredl.
Es können immer nur die Erinnerungen an die Träume untersucht werden. Das heißt: Wer sich an lebhafte und intensive Träume erinnert, hat den eigenen Schlaf nach dem Wecken als tief empfunden. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, ob tatsächlich die Träume die Ursache sind.
Studie kann nur die Erinnerungen an Träume messen
In der Schlafforschung ist schon lange bekannt, dass sich das Gehirn besser erinnert, wenn es nicht plötzlich von der Tiefschlafphase mit wenig Aktivität in einen wachen Zustand umschalten muss. „Dann ist die Erinnerung besser“, sagt der Mannheimer Schlafforscher Schredl.
In eigenen Studien hat er bereits festgestellt, dass die Erinnerung an die allerletzte Phase vor dem Aufwachen entscheidend dafür ist, wie gut und tief wir unseren gesamten Schlaf bewerten.
Wie Erwartungen unser Schlafgefühl beeinflussen
„Wenn Personen nach einem witzigen oder belastenden Traum aufwachen, wissen sie, dass sie geschlafen haben,“ sagt Schredl. Durch die Erinnerung an den Traum wird das Schlafen bewusster erlebt. Allein dieses Gefühl sorgt für eine gewisse Entspannung und Beruhigung.
Das ist wichtig, vor allem für Menschen, die besonders stark auf ihren Schlaf achten, wie der der Schlafforscher berichtet. „Wir kennen auch die Leute, die mit Uhren kommen und sagen: Meine Uhr zeigt an, dass ich gar keinen Tiefschlaf habe. Also muss ich schlecht schlafen.“
Die Erwartungen an den eigenen Schlaf werden dann zu einem wichtigen Faktor. „Wir sagen aus der schlafmedizinischen Sicht: Je entspannter die Erwartung ist, desto besser der Schlaf.“
Der Placebo-Schlaf-Effekt
Wer sich unter Druck setzt, schätzt seine Wachzeiten nachts oft deutlich länger ein, als sie tatsächlich sind, und fühlt sich weniger ausgeschlafen. Immer wieder ist auch vom Placebo-Schlaf-Effekt die Rede.
In Experimenten haben Forschungsteams den Studienteilnehmenden erzählt, dass sie besonders viele Tiefschlafphasen hätten, was aber gar nicht stimmte. Trotzdem haben die Menschen ihren Schlaf besser bewertet. Die Psyche hat einen großen Einfluss und vielleicht auch Träume, wie die neue Studie nahelegt.
In dem Experiment der italienischen Studie sind die Probanden übrigens bewusst nicht in der eigentlichen Traumschlaf-Phase, der REM-Phase, geweckt worden, sondern in einer Phase, in der Träume zwar auftreten, aber eben manchmal auch nicht. Diese eher zufälligen Unterschiede ermöglichten das Experiment.
Gleichzeitig wurden die Studienteilnehmenden im Schnitt sechs Mal pro Nacht geweckt, was einen Vergleich mit normalen Nächten zu Hause natürlich erschwert.
Woher wissen wir, dass wir schlafen?
Unser Schlaf ist wahrscheinlich deutlich komplexer als bisher angenommen. Ihn zu untersuchen ist daher wichtig, um Schlafstörungen wie die Insomnie, bei der Menschen nur schwer ein- oder durchschlafen können, besser zu verstehen. Doch noch gibt es viele offene Fragen rund ums Schlafen und Träumen.
„Es ist ja auch noch eine offene Frage, warum wir den Eindruck haben zu schlafen“, sagt Michael Schredl. Das Gehirn werde in der Nacht ein Stück weit abgeschaltet. Welchen Einfluss Träume dabei genau haben, ist noch immer ein Rätsel. „Und wird es wahrscheinlich auch in der näheren Zukunft bleiben“, so Schredl.
Insgesamt bleiben noch ein einige Fragezeichen, wie stark Träume unsere Schlafqualität beeinflussen. Noch gibt es auch keine technischen Möglichkeiten, Träume in der Nacht vom Gehirn direkt auszulesen, sagt Schlafforscher Schredl. „Aus Traumforscher-Sicht ist es auch gut, dass es noch eine sehr private Sphäre bleibt.“
Source: tagesschau.de