Atommüll: Transport von 152 Atommüllbehältern in Nordrhein-Westfalen startet
In Nordrhein-Westfalen hat der Transport von Atommüll in ein Zwischenlager in Ahaus begonnen. Der erste Konvoi bestehend aus etwa 100 Fahrzeugen hat das Gelände in Jülich bereits verlassen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz, wie ein Sprecher des NRW-Innenministeriums mitteilte. Den Transport sichern insgesamt etwa 2.400 Beamte ab.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke ins Münsterland sollen
insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren
Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern der Atomabfälle wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Behältern handelt es sich um einen der größten
Atommülltransporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Nach früheren Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen
Entsorgung (BASE) wurden 152
Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten. Es gibt
demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf
einmal transportieren könnten. Die geplanten Transporte werden nach Angaben der
Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) mindestens 150 Millionen
Euro kosten.
Gegen den Transport sind mehrere Demonstrationen geplant. Laut dem Aktionsbündnis Stop Westcastor soll vor dem
Forschungszentrum in Jülich eine Dauerkundgebung stattfinden. In Ahaus ist eine Demo vom Bahnhof zum Rathaus angemeldet, wie die Polizei bestätigte. Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus wollen demnach eine nächtliche Dauermahnwache vor dem Zwischenlager einrichten.
2014 wurde die Räumung des Mülls angeordnet
BASE hatte die Umlagerung nach Ahaus bereits im August 2025 genehmigt. Doch dem umstrittenen Transport waren mehrere
Gerichtsentscheidungen und eine Bürgerveranstaltung in
Ahaus vorausgegangen. Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport
auf dem Gerichtsweg verhindern wollen und argumentierte, die Sicherheit
der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen
gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht
Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte
stattfinden dürfen.
Schon im Jahr 2013 lief die Genehmigung für die Lagerung von Atommüll im Versuchsreaktor Jülich aus. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet,
das Lager zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht
nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.
Es gibt in Deutschland
derzeit keine Endlager, in denen strahlende Atomabfälle über hunderttausende Jahre hinweg sicher gelagert werden kann. Stattdessen gibt es
sechzehn Zwischenlager, darunter das in Ahaus.