Gasmasken und Lazarette: Verteidigung wird zu Gunsten von Dräger zum guten Geschäft

Der Name Dräger wird vielfach noch mit Corona in Verbindung gebracht. Damals war es das Familienunternehmen aus Lübeck, das mit Beatmungsgeräten vielen Kranken eine Überlebenschance verschaffte. Jetzt hat Dräger ganz ohne diese Sonderkonjunktur einen Rekordumsatz von 3,5 Milliarden Euro verbucht, sogar trotz kräftigem Gegenwind durch Trump-Zölle und Währungseffekte. Und Stefan Dräger, der das Unternehmen in fünfter Generation führt, ist aufgrund der guten Auftragslage recht zuversichtlich, dass es weiter aufwärts geht, mit Geschäftsvolumen und Profitabilität.
Einer der Treiber ist die globale Aufrüstung. Dräger als Lieferant für Medizintechnik wie auch Sicherheitstechnik hat Vieles im Sortiment, was auch im Verteidigungsbereich gebraucht wird. „Jetzt zahlt es sich aus, dass wir uns die besonderen Kompetenzen für diesen Bereich erhalten haben, etwa die Bearbeitung von Verschlusssachen“, erklärte Stefan Dräger auf der Bilanzpressekonferenz. Von Gasmasken über Filter für Fahrzeugbelüftungen bis hin zur speziellen Sauerstoffversorgung auf Raketenabwehrsystemen reicht das Angebot; das Unternehmen baut aber auch Feldlazarette für die Nutzung auf Fregatten. Die Nachfrage wachse schneller als in anderen Segmenten, sagte Dräger. Er rechne damit, dass der Umsatz sich bis zum Jahr 2028 auf 300 Millionen Euro verdreifachen werde.
Problemlose Vernetzung von Geräten wird zum Trumpf
Eine andere strategische Entscheidung ist nicht ganz so augenfällig, aber langfristig wirksam: die Konzentration auf das Systemgeschäft, das im Gegensatz zum reinen Produktverkauf wiederkehrende Umsätze mit sich bringt, ein Milliardengeschäft, das in Deutschland, Spanien und Italien schon jeweils mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht.
An der Etablierung eines internationalen Standards für die sogenannten SDC-Lösungen (Service-oriented device connectivity) für die problemlose Vernetzung von Geräten sei das Lübecker Unternehmen maßgeblich beteiligt gewesen, berichtete Dräger. Während die komfortable „plug and play“-Funktion am heimischen Computer als selbstverständlich genommen werde, sei das für medizintechnische Geräte mit hohen Zulassungshürden eine große Herausforderung gewesen. Die hohen Entwicklungsaufwendungen hätten die Margen entsprechend gedrückt. „Im Jahr 2025 haben wir angefangen, die Ernte einzufahren und haben die Marke Connected Care auf den Markt gebracht.“ Nach und nach würden andere Hersteller sich dem System anschließen, erwartet der Dräger-Chef – und hat auch entsprechende Erwartungen an die Politik: „Es wäre toll, wenn die EU bei Ausschreibungen in der Medizintechnik nur noch SDC-fähige Geräte zuließe.“
Umsatzrendite im vierten Quartal bei 13,7 Prozent
Unter anderem dieser Vorstoß ins Systemgeschäft werde dabei helfen, die Umsatzrendite in den nächsten Jahren um jeweils einen Prozentpunkt je Jahr zu erhöhen, hofft Dräger. In den vergangenen beiden Jahren sei das beinahe gelungen, wodurch die Ebit-Marge (Ergebnis vor Steuern und Zinsen bezogen auf den Umsatz) im Konzern mittlerweile 6,7 Prozent erreicht habe. Dabei schaffte es die mit knapp 2 Milliarden Euro Umsatz dominierende Medizintechniksparte im vergangenen Jahr, die Ebit-Marge auf 2,9 Prozent fast zu verdoppeln. In der Sparte Sicherheitstechnik mit einem Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro stieg die Marge von 11,3 auf 11,9 Prozent, wie Finanzvorstand Gert-Hartwig Lescow berichtete. Im vierten Quartal 2025 stieg die zum Jahresende immer besonders hohe Ebit-Marge im Konzern sogar auf 13,7 Prozent.
Der Irankrieg, der wegen der Blockade des Persischen Golfs zu einer Energiekrise führt und damit weite Teile der Wirtschaft erheblich beeinträchtigt, hat nach Einschätzung von Stefan Dräger wenig Einfluss auf das Medizintechnik- und Sicherheitsunternehmen. Zwar rechne er damit, dass die Energiepreise auf absehbare Zeit hoch blieben, für Dräger sei dieser Kostenfaktor aber relativ unbedeutend. Dagegen dürften Zölle sich mit etwa einem halben Prozentpunkt negativ auf die Ebit-Marge auswirken, die für 2026 in einem Korridor von 5 bis 7,5 Prozent erwartet wird. Für den Umsatz prognostiziert Dräger in diesem Jahr wegen des guten Auftragseingangs einen Zuwachs von währungsbereinigt zwei bis sechs Prozent.