Statue in Washington: In Washington ist Kolumbus jetzt wieder ein Held

Zerstört am 4. Juli 2020, auferstanden 2022, so steht es auf dem Sockel der Kolumbus-Statue, die Donald Trump in unmittelbarer Nachbarschaft des Weißen Hauses hat aufstellen lassen, für den „Entdecker von Amerika“. Die Statue wurde von italienischstämmigen Geschäftsleuten aus Baltimore gespendet und steht nun vor dem Eisenhower Executive Building. Die Stifter hatten sie vor vier Jahren aus den Überresten eines Kolumbus-Abbildes fertigen lassen, das Demonstranten während der Proteste nach dem Mord an George Floyd im Hafenbecken versenkt hatten.

Trump macht sich die Botschaft auf dem Sockel zu eigen, spielt damit wieder einmal auf die antirassistischen Proteste von 2020 an, die er schon oft zu delegitimieren versuchte. Und er fügt seinem Kulturkampf im Jubiläumsjahr ein neues Kapitel hinzu – immer geht es darum, wer die Geschichte Amerikas wie erzählen darf. Kolumbus werde wieder als „Held“ geehrt, so Trump. Im Jahr 2020 waren in etlichen Städten Statuen des Seefahrers von Demonstranten beschädigt oder von Stadtverwaltungen abgebaut worden.

Kolumbus-Gedenken war immer umkämpft

Auch wenn Trump es als allseits beliebtes Kulturgut hinstellt, das von Vandalen gestohlen wurde: Das Kolumbus-Gedenken in Amerika war nie politisch neutral, sondern stets umkämpft. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die meisten Kolumbus-Statuen auf Initiative italienischer Einwandererorganisationen errichtet wurden, waren sie Teil ihres Kampfes um Gleichbehandlung. Italiener waren Opfer von Rassismus – noch 1912 debattierte ein Kongressausschuss, ob sie als „full-blooded Caucasians“ (Weiße) anzusehen seien. In New Orleans hatte ein Mob 1891 elf italienische Einwanderer gelyncht. Doch sie bauten auch mächtige politische Organisationen auf, die schließlich dafür sorgten, dass 1937 der Columbus Day eingeführt wurde.

Die Plakette der Kolumbus-Statue in Washington.
Die Plakette der Kolumbus-Statue in Washington.dpa

Damals leistete die Verknüpfung der Geschichte der vermeintlichen „Entdeckung“ Amerikas mit italienischer Kultur, katholischer Religion und dem „Erbe des Westens“, das auch Trump explizit nannte, laut Historikern einen wichtigen Beitrag zur „Weißwerdung“ italienischstämmiger Amerikaner. Inzwischen sind die mehr als 17 Millionen Menschen schon lange weiße Amerikaner. Ihre Symbole haben ihre ursprüngliche Funktion verloren, sind aber für viele auch aufgrund der Geschichte der Ausgrenzung immer noch wichtig.

Trump bedient weiße Identitätspolitik

Allerdings wurde das Kolumbus-Gedenken in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker in allgemeine weiße identitätspolitische Kämpfe integriert. Die Bemühungen, den Columbus Day gleichzeitig oder ausschließlich als Indigenous Peoples’ Day zu begehen, wie das inzwischen 17 Bundesstaaten tun, werden von rechten Politikern als „woke“ abgetan. Die ersten Initiativen dazu gab es von Native Americans aber schon in den Siebzigerjahren. Noch früher wurde aus der Perspektive der kritischen Forschung und von vielen indigenen Aktivisten und Politikern bemängelt, dass die Geschichte von Kolumbus untrennbar sei von der genozidalen Gewalt gegen Ureinwohner, der Errichtung von Kolonialregimen, von Sklaverei und Entrechtung.

Trump denkt unterdessen auch transaktional, wie so oft. „Die Italiener“ liebten ihn jetzt, und sie würden sich hoffentlich an der Wahlurne erinnern, sagte er, als er 2025 den Columbus Day „wieder einführte“ (Vorgänger Joe Biden hatte ihn nicht abgeschafft, aber als erster Präsident den Indigenous Peoples‘ Day gleichzeitig proklamiert).

Doch es geht um mehr als diese Gruppe. Dass Trump jetzt nicht nur die Statue aufstellen ließ, sondern dass deren Inschrift auf die Proteste von 2020 anspielt, zeigt erneut, wie ernst ihm die Bedienung derjenigen Wählergruppen ist, die den Kampf gegen Rassismus ablehnen – viele, weil sie selbst in strukturelle Vorteile der White Supremacy investiert sind. Trumps Vorgehen ist nicht subtil, weil es das nicht sein muss, um diese Wähler anzusprechen. Die Botschaft lautet: Was damals angegriffen wurde, das kann ich euch zurückholen.

Source: faz.net