Vom Senat bestätigt: Wer ist US-Heimatschutzminister Mullin?
Porträt
Der US-Senat hat Markwayne Mullin als Nachfolger von Kristi Noem als Heimatschutzminister bestätigt. Der Republikaner inszeniert sich als Krieger für Amerika – doch Kritiker werfen dem Ex-Kampfsportler Aggressionsprobleme vor.
Der Osten von Oklahoma ist eine ländliche Gegend. Die Menschen hier haben in der Regel wenig Geld übrig und ein Herz für Kämpfer. Auf den jungen Markwayne Mullin trifft beides zu: Als College-Student ist er Ringer und tritt bei regionalen Kampfsport-Turnieren an. Und auch als er Jahre später für den Senat kandidiert, mit Unterstützung von Donald Trump, inszeniert sich Mullin als Krieger für Amerika.
Auch in Washington bleibt Mullin ein Kandidat des Volkes: Er hat keinen Hochschulabschluss, leitet zu Hause weiter das Familienunternehmen für Sanitärtechnik. Er ist Mitglied der indigenen Cherokee Nation. Und er gilt als einer, der seine weißen Hemdärmel auch mal hochkrempeln kann.
Und sei es, um einem Gewerkschaftsführer während einer Ausschusssitzung Prügel anzudrohen. „Wenn du schon so große Töne spuckst, dann lass uns das wie zwei Erwachsene regeln. Wir können das gleich hier und jetzt erledigen. Komm schon, steh nur auf!“ Hin und wieder müssten die anderen eben einfach eine ins Gesicht kriegen, rühmt sich Mullin später im Fernsehinterview.
Mullin verteidigte ICE nach tödlichen Schüssen
Politisch kämpft Mullin im Senat für Donald Trump. Als dessen Anhänger nach der verlorenen Wahl am 6. Januar 2021 das Kapitol stürmen, hilft Mullin erst dabei, den Sitzungssaal des Senats gegen eindringende Randalierer zu verbarrikadieren. Später stimmt er dann trotzdem gegen die Anerkennung der Wahl von Joe Biden.
Auch als die Einwanderungspolizei ICE in diesem Jahr in Minneapolis zwei protestierende US-Bürger erschießt, findet Mullin, die Opfer seien selbst schuld gewesen. Niemand solle Polizeibeamte bei der Ausübung ihrer Arbeit behindern.
Lektionen gelernt?
Mullin übernimmt damals blind die falsche Darstellung der verantwortlichen Heimatschutzministerin Kristi Noem. Ihr soll Mullin jetzt nachfolgen. In der Senatsanhörung gibt Mullin zu: Er habe damals zu schnell geurteilt, ohne die Fakten zu kennen. Das werde ihm als Minister nicht mehr passieren.
Mullin gibt sich in letzter Zeit häufiger einsichtig, spricht von Fehlern und gelernten Lektionen. Die Einwanderungsbehörde ICE solle nun mit den Städten kooperieren, statt sie zu konfrontieren. Und man sollte doch Wege der legalen Einwanderung prüfen – vollkommen neue Töne für Mullin.
Kritiker sprechen von Aggressionsproblemen
Seine Kritiker im Senat wie Rand Paul aus Kentucky melden trotzdem Zweifel an. Mullin habe Aggressionsprobleme und wie solle er da das richtige Vorbild für Beamte von ICE und Grenzpolizei sein.
Erfahrung mit der Leitung einer größeren Bundesbehörde hat Mullin keine – wie so viele im Kabinett von Donald Trump. Der schätzt andere Qualitäten: bedingungslose Loyalität, Glaubwürdigkeit in der Zielgruppe und einen großen Kampfgeist.
Source: tagesschau.de
