Ricarda Lang fordert Statement von Bundeskanzler Merz zum Fall Fernandes

Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang wünscht sich von Bundeskanzler Friedrich Merz im Fall Collien Fernandes eine Stellungnahme. Zugleich wirft sie dem Staat Versäumnisse beim Schutz von Frauen vor „digitaler Gewalt“ vor.

Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat Bundeskanzler Friedrich Merz im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen zu einer klaren Positionierung aufgefordert. „Ich würde mir wünschen, dass Friedrich Merz sich zu dem Fall Collien Fernandes äußert“, sagte Lang den Nachrichtensendern RTL und ntv. Als Kanzler trage er Verantwortung dafür, „ob wir in einem Land leben, in dem sich Frauen sicher fühlen können – egal, ob auf der Straße oder im Netz“.

Zugleich übte Lang scharfe Kritik am Umgang mit „digitaler Gewalt“ gegen Frauen. „Wenn es um digitale Gewalt geht, dann versagt unser Rechtsstaat“, sagte sie. Das Thema dürfe nicht ignoriert oder relativiert werden. Stattdessen brauche es politische Konsequenzen und neue Gesetze, die Frauen wirksam schützten.

Auslöser der Debatte sind schwere Anschuldigungen von Fernandes. Sie beschuldigt Ulmen unter anderem, auf sozialen Medien täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt und darüber „Hunderte von Männern“ kontaktiert zu haben, wie der „Spiegel“ vergangene Woche berichtete. Ulmen soll sich dem Magazin zufolge als Fernandes ausgegeben und mit einigen Männern sexuelle Gespräche geführt sowie Deepfake-Videos verschickt haben. Dabei handelt es sich um täuschend echte, mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellte Bild- oder Video-Darstellungen von Menschen.

Ulmens Anwalt nannte die „Spiegel“-Berichterstattung rechtswidrig. Es würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, hieß es in einer Erklärung. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

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Gerade erst hatte ein Bündnis aus rund 250 prominenten Frauen, initiiert unter anderem von Lang, einen offenen Brief veröffentlicht. In dem Zehn-Punkte-Plan fordern die Unterzeichnerinnen einen umfassenden Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt. Zu den zentralen Punkten zählen strengere Gesetze gegen Deepfakes, ein Verbot sogenannter „Nudify-Apps“ und mehr Verantwortung für Plattformbetreiber.

Auch aus der Bundesregierung kommen Signale für ein schnelleres Vorgehen. SPD-Chef Lars Klingbeil forderte rasche Gesetzesänderungen und betonte, der unzureichende Schutz von Frauen vor Deepfakes sei „nicht akzeptabel“. SPD-Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte eine zeitnahe Reform des Strafrechts an.

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Source: welt.de