Wie es um die Wasserversorgung steht

Die Sonne scheint über der Ohratalsperre.

Stand: 22.03.2026 • 14:11 Uhr

Mehr als zwei Milliarden Menschen sind laut einem aktuellen UN-Bericht von sauberem Trinkwasser abgeschnitten. Deutschland gilt noch als wasserreiches Land, doch selbst hier verschärft der Klimawandel die Lage.

Von Katha Jansen, SWR

Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt – allerdings: Nur drei Prozent des gesamten Wassers auf der Erde ist Süßwasser, und große Teile davon sind nicht verfügbar, weil sie in Gletschern gefroren sind oder tief unter der Erde liegen.

Das große Problem ist: Trinkwasser ist extrem ungleich verteilt. Geografisch, doch auch durch Machtstrukturen – und das führt am Ende dazu, dass viele Menschen, besonders in Afrika, Lateinamerika oder Asien schon jetzt ganz akut inmitten einer Wasserkrise leben.

Mädchen und Frauen besonders betroffen

In Summe sind es mehr als zwei Milliarden Menschen, die keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Gerade Mädchen und Frauen trifft das besonders hart. In Regionen, in denen Häuser nicht an ein Wassernetz angeschlossen sind oder über einen eigenen Brunnen verfügen, sind sie in der Regel dafür zuständig, Wasser zu holen. Dafür verzichten viele gezwungenermaßen auf Schule oder Lohnarbeit, und sie leiden auch stärker unter fehlenden Sanitäranlagen, so ein aktueller UN-Bericht.

Klimawandel verstärkt Wasserkrise

Die fortschreitende Erderhitzung befeuert die Wasserprobleme noch zusätzlich. Klima-Modellierungen zeigen, dass die Menschen selbst in bislang wasserreichen Gebieten der Erde wie Deutschland zunehmend mit Trockenheit und Hitze rechnen müssen. Und das lässt Wasser knapper werden, erklärt Kerstin Stahl, Professorin für Umwelthydrosysteme an der Uni Freiburg:Insbesondere die höheren Temperaturen verbrauchen Wasser durch die Verdunstung, aber auch durch die längere Periode, in der die Pflanzen wachsen, in der sie dann transpirieren, das Wasser verdunsten.“ Komme dann noch eine Phase mit Trockenheit dazu, dann habe man des Öfteren das Defizit, dass die Verdunstung den Niederschlag übersteige.

Außerdem nehmen durch die Erderhitzung auch Starkregenereignisse zu. Dabei trifft viel Wasser auf versiegelte oder ausgetrocknete Flächen und kann deshalb nicht ins Grundwasser sickern. Ein großer Teil dieses Regens geht verloren, landet zum Beispiel in Abwassersystemen. In Summe führt der Klimawandel so zu weniger verfügbarem Oberflächenwasser und weniger Grundwasserneubildung, heizt die Wasserknappheit also an, wie im Dürremonitor für Deutschland des Helmoltz-Zentrums für Umweltforschung zu sehen ist.

Auch in Deutschland wird das Wasser knapper

Deutschland ist prinzipiell ein wasserreiches Land. Mehr als 500.000 Kilometer Flüsse und Bäche, zig Seen. Aber wenn man auf die Situation unter der Erde schaut, wie es die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe tut, dann wird es kritischer. Denn vielerorts sinken die Grundwasserstände. Vor allem regional oder lokal führt das zu Problemen in der Wasserversorgung. Gleichzeitig nehmen Nutzungskonflikte zu.

Rechenzentren, Landwirtschaft, städtisches Grün stehen in Konkurrenz ums Wasser. Bei den Haushalten war es lange Zeit so, dass die Pro-Kopf-Verbräuche zurückgegangen sind. Doch inzwischen seien die technischen Sparpotentiale, wie wassersparende Armaturen, erschöpft, sagt Stefan Liehr, Wasserforscher am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main. Stattdessen kämen neue Bedarfe hinzu, zum Beispiel weil die Zahl der Aufstellpools steigt. „Gerade durch die Covid-Pandemie gab es hier einen ganz starken Impuls, Pools in den Gärten anzuschaffen – und die existieren weiter. Wir haben gesehen in Wasserbedarfsanalysen, dass das einen durchaus signifikanten Effekt auf den Wasserbedarf hat“, so Liehr.

Wasserversorgung kann an Grenzen kommen

Eine tatsächliche Wasserknappheit sieht Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), in dem auch die kommunalen Wasserversorger organisiert sind, in Deutschland noch nicht. „Aber durch den Klimawandel rechnen wir mit häufigeren Hitze- und Dürreperioden. Daran müssen wir uns anpassen“, so Specht im Interview mit der ARD-Klimaredaktion. Denn wenn es besonders trocken und heiß ist, steigt der Wasserbedarf bei den Kundinnen und Kunden, das geht auch aus einer Umfrage unter den VKU-Mitgliedern hervor.

Danach berichtet fast die Hälfte der Versorger von steigender Nachfrage, während gut ein Viertel gleichzeitig zumindest zeitweise mit Versorgungsengpässen kämpft. Besonders die Netze der Versorger können in Dürreperioden ein Überlastungsproblem bekommen. Trotzdem hält Specht nichts von strengen Verboten: „Trinkwasser ist ja erst mal definiert für den menschlichen Gebrauch, und wenn wir dann bei 30 bis 40 Grad Hitze in einer bestimmten Stresssituation sind, auch körperlich, finde ich es falsch, wenn wir dann die Bevölkerung maßregeln und kritisieren, dass Pools gefüllt werden.“

Mehr Erfolg brächten Absprachen und Appelle an die Wassernutzer, sorgsam mit dem Wasser umzugehen und aufs Timing zu achten – also den Pool nicht ausgerechnet inmitten einer Hitzewelle befüllen und den Rasen den Sommer über gelb werden lassen.

Wasserversorger stellen sich auf Klimawandelfolgen ein

Um in solchen Engpassphasen mit knappen Wasserressourcen und steigender Nachfrage umzugehen, schließen sich immer mehr Versorger zusammen. So können im Zweifel lokale Knappheiten untereinander ausgeglichen werden, erklärt Specht. Auch KI kommt zum Einsatz: „In Zeiten von KI ist es tatsächlich zum Tagesgeschäft geworden das Wetter der nächsten Tage vorherzusagen, um die Pumpen dann entsprechend auszurichten.“

Angst vor Wassermangel müsse in Deutschland derzeit keiner haben, trotzdem sei es wichtig, achtsam mit der Ressource umzugehen. Viele Fachleute fordern: Die Politik sollte sich auch noch mal die Regeln vornehmen, wer wann wieviel Wasser entnehmen darf.

Source: tagesschau.de