Kommentar zum Iran-Krieg: Absurd und hoffnungslos

Ein beleuchteter Öltanker ankert vor einem Felsen.


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Stand: 21.03.2026 • 17:26 Uhr

Die iranischen Gegenangriffe, steigende Ölpreise – all das war abzusehen, meint Benjamin Weber. Aktuell scheint der Krieg im Iran hoffnungslos. Die Lockerung von US-Sanktionen gegen Iran ist ein weiterer Ausdruck davon.

Dieser Krieg ist ein Fehler. Am Ende der dritten Woche wird das immer deutlicher. Allein in Iran sind mehr als 1.400 Menschen gestorben. Auch wenn viele hochrangige Regimevertreter in Teheran umgebracht worden sind, ist das Regime nach wie vor fest an der Macht. Dafür steigen weltweit die Energiepreise. Die Koalition aus den USA und Israel hat zwar die militärische Übermacht, ganz offensichtlich aber keinen Plan.

All das war abzusehen. Es mag frustrierend erscheinen, doch es ist wichtig, nochmal darauf hinzuweisen. Das iranische Regime selbst hatte gedroht: Sollten wir angegriffen werden, schließen wir die Straße von Hormus. Durch die Meerenge am Persischen Golf fließt in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öls. Dort kann man mit sehr geringem Aufwand Schiffe abschießen – oder wirkungsvoll damit drohen. Kurz vor Kriegsbeginn hat Iran in einem Marinemanöver die Sperrung sogar geübt. Wer gedacht hat, das sei bloße Propaganda ohne echte Konsequenzen, hat nichts verstanden.

Angriffe auf Golfstaaten waren abzusehen

Jetzt ist die Blockade der Straße von Hormus Realität. Die USA schaffen es nicht, sie mit militärischen Mitteln aufzulösen, und eine internationale Koalition, die die Schifffahrt absichern soll, bekommen sie auch nicht auf die Beine gestellt. Wobei sich sowieso die Frage stellt, ob die Idee überhaupt tragbar wäre.

Deswegen lockern die USA jetzt Sanktionen gegen iranisches Öl. Man muss es sich vor Augen führen: Der von den USA angegriffene Iran soll jetzt, mitten im Krieg, sein Öl einfacher verkaufen können, damit mehr Öl auf dem Weltmarkt vorhanden ist. Mit dem Ziel, den Ölpreis zu senken. Was für ein absurder Ausdruck der Hilflosigkeit.

Auch die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten waren abzusehen. Den mit den USA verbündeten Staaten in der Region hat Teheran vor dem Krieg mitgeteilt, dass man sie für legitime Ziele hält. Weil sie den USA erlauben, auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet Militärstützpunkte zu unterhalten.

Jetzt schießt Iran regelmäßig Raketen und Drohnen. Nach dem israelischen Angriff auf das weltgrößte, in Teilen von Iran ausgebeutete Gasfeld South Pars im Persischen Golf hat Iran die weltgrößte Anlage für LNG-Flüssiggas in Katar mit Raketen beschossen. Sie ist schwer beschädigt. Das ist eine gefährliche Eskalation, die gestoppt werden muss, bevor sie weiter um sich greift.

Verhandlungen überhaupt noch möglich?

Zurück zu Iran: Dort sind in dieser Woche wieder hochrangige Regimevertreter gezielt getötet worden. Etwa Gholamresa Soleimani, Chef der gefürchteten paramilitärischen Basidsch-Miliz. Und der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani. Beide haben Blut an ihren Händen, sind mehr oder weniger direkt verantwortlich für die brutalen Niederschlagungen von Protesten der vergangenen Jahre.

Gerade im Fall von Laridschani aber ist auch ein Pragmatiker der Macht getötet worden – jemand, der bereits mit dem Erzfeind USA verhandelt hat und mit dem man Gespräche über einen schnellen Frieden hätte führen können. Ob die weitaus ideologisierte Revolutionsgarde, die das Machtvakuum zu füllen scheint, überhaupt verhandeln will, ist offen.

Nicht falsch verstehen: Dem iranischen Regime darf man selbstverständlich keinerlei Sympathie entgegenbringen. Im Gegenteil: Es muss weg. Die Islamische Republik Iran ist gescheitert, sie hat in den 47 Jahren ihrer Existenz einen Unterdrückungsstaat aufgebaut. Zehntausende sind in den Gefängnissen verschwunden, gefoltert und getötet worden. Doch wer heute noch glaubt, dass es in diesem Krieg um die Befreiung der unterdrückten Zivilbevölkerung im Iran geht, ist hoffnungslos naiv.

Sturz des Regimes scheint fern

Die USA und Israel behaupten das zwar und setzen öffentlich auf Massenproteste – doch wie die Washington Post berichtet, macht man sich auch in Israel keine Illusionen. Es sei klar, dass die Menschen im Iran „abgeschlachtet“ würden, wenn sie wieder auf die Straße gingen. Was für eine Doppelmoral.

Was folgt aus all dem? Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass das iranische Regime kurz vor einem Sturz stünde. Der Druck nach innen nimmt im Gegenteil weiter zu, täglich werden Menschen verhaftet, auch Hinrichtungen werden gemeldet. Furchtbar für die Menschen im Iran. Und für das Regime liegt eine Schlussfolgerung nahe: Um Angriffskriege wie diesen in Zukunft zu vermeiden, wäre es logisch, jetzt erst recht auf die Atombombe zu setzen. Dieser Krieg ist ein Fehler, und er macht die Welt unsicherer. Er muss sofort aufhören.

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Source: tagesschau.de