Hellofresh: Scheitern mit Kochboxen

Liebe geht eigentlich durch den Magen. Die Liebe zum Kochboxen-Anbieter Hellofresh schlägt den Aktionären derzeit eher auf den Magen.
Das Berliner Unternehmen, das Rezepte mit den passenden Zutaten liefert, hat für 2025 einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro gemeldet; das sind währungsbereinigt neun Prozent weniger als im Vorjahr. Und auch für 2026 gibt es keine guten Nachrichten: Hellofresh prognostiziert weitere Umsatzrückgänge für das laufende Jahr. Darauf reagierten die Anleger direkt: Die Aktie, einst im Dax, jetzt nur noch im S-Dax, fiel zeitweise unter den Wert von vier Euro. In den besten Zeiten des Unternehmens stand sie bei mehr als 97 Euro. Das ist heute kaum vorstellbar.
Kein Geschäftsmodell
Hellofresh erklärt die schwachen Zahlen unter anderem mit schlechtem Wetter in wichtigen Märkten wie den USA. Das schlechte Wetter führte zu Auslieferungsproblemen; das senkte die Profitabilität. Nur: Wie viel Schlechtwetter kann ein Unternehmen seit 2021 gehabt haben? Das eigentliche Problem ist schwerwiegender als jedes Gewitter. Hellofresh hat ein Nachfrageproblem. Immer weniger Kunden bestellen Kochboxen, und das trotz massiver Werbung in den sozialen Medien. Auch das noch junge Geschäft mit Fertiggerichten, das Wachstum bringen sollte, läuft noch nicht. Auch dort ging der Umsatz zurück.
Hellofresh fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft. Während der Pandemie waren viele Kunden froh, nicht jede Woche in den Supermarkt zu müssen und trotzdem gutes Essen auf dem Tisch zu haben. Wie so viele Krisengewinner hoffte das Unternehmen wohl auf eine dauerhafte Verhaltensänderung der Menschen. Die kam nicht. Jetzt, da viele Menschen wieder mehr sparen, streichen sie, was nicht unbedingt nötig ist. Die Liebe geht durch den Magen, das stimmt. Über die Treue entscheidet aber auch der Kontostand.
Source: faz.net