Wahl in Rheinland-Pfalz: AfD ist Antisemitismus pur

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich CDU und SPD den Umfragen zufolge bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Ob Alexander Schweitzer oder Gordon Schnieder das nächste Kabinett führen wird, scheint vollkommen offen, ebenso, ob es zu einer „großen“ Koalition kommt oder zu einem Bündnis von SPD, Grünen und Linken.
Keine Frage ist indes, wer jenseits der „Brandmauer“ verbleibt. Dass die AfD dort hingehört, zeigt ein Wahlspot, mit dem diese Partei aus ihrer rechtsextremen Prägung kein Hehl macht. „Rheinland-Pfalz wacht endlich auf“ ist das augenscheinlich mit KI generierte Video betitelt, das als Wahlwerbung im SWR lief und sich auf dem Youtube-Kanal der AfD findet.
Gestaltet ist es wie eine Fahrt nach Lummerland, vom Mainzer Dom bis zur Festung Ehrenbreitstein reicht das Panorama. In dem tummeln sich Messermänner und Antifa-Aktivisten, deren Treiben die „Altparteien“ angeblich tatenlos zusehen – und welche die AfD außer Landes schaffen will. Bis ins Detail ist der Film geprägt von antisemitischen, rassistischen, menschenfeindlichen Stereotypen.
Goldene Antenne, stilisiert wie ein jüdischer Kerzenleuchter
Der Extremismusforscher Markus Linden, Politikprofessor an den Universität Trier, hat diese im „Trierischen Volksfreund“ einer genauen Exegese unterzogen. Da sehen wir etwa den Biontech-Gründer Uğur Şahin als „grinsenden Gangster-Rapper“ im Whirlpool mit Jens Spahn. Sahins Unternehmen mit der Adresse „An der Goldgrube“ rückt ins Bild, das Firmengelände ist von einem goldenen Zaun umgeben, Satellitenschüsseln auf dem Dach, es findet sich, wie Markus Linden hervorhebt, eine goldene Antenne, die wie ein jüdischer Kerzenleuchter stilisiert ist, im Hintergrund der Mainzer Dom.
So wird das antisemitische Narrativ einer vermeintlichen „jüdischen Weltverschwörung“ inszeniert, die Legende des „großen Austauschs“ (great reset) steckt drin, eine der LGBTQ-Community zuzurechnende Figur ist von Ekzemen gezeichnet, Mützen und Hemden der von Bundeskanzler Friedrich Merz höchstselbst in den Dauerschlaf geschickten Bürger weisen Streifen auf, erinnern an Lagerkleidung und liegen am Ende – wenn die Menschen von der AfD ins Licht geführt werden – auf einem Haufen.
„Eine derart perfide Inszenierung ist selten zu finden“, schreibt Markus Linden, „selbst wenn man sich jahrelang wissenschaftlich mit dem Thema Extremismus und Verschwörungstheorien beschäftigt.“ Die AfD in Rheinland-Pfalz lässt keinen Zweifel daran, wo sie steht.
Source: faz.net