Nach schweren Verlusten: Hisbollah konnte sich mithilfe iranischer Offiziere neu formieren

Nach schweren VerlustenHisbollah konnte sich mithilfe iranischer Offiziere neu formieren

21.03.2026, 13:15 Uhr

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Hisbollah-Kämpfer stehen in der Nähe der libanesisch-syrischen Grenze Wache. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Vor zwei Jahren wird die Hisbollah durch israelische Angriffe militärisch geschwächt und ihre Führung dezimiert. Inzwischen kämpft die Miliz an der Seite des Iran gegen Israel. Dass sie wieder über die notwendige Stärke verfügt, hat die Hisbollah den iranischen Revolutionsgarden zu verdanken.

Die libanesische Hisbollah greift seit Anfang März massiv in den Nahost-Krieg ein und das obwohl Israel die Miliz vor zwei Jahren schwer getroffen hatte. Die Hisbollah hat seit ihrem Eintritt in den Krieg Anfang März Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert. Dies löste eine israelische Offensive aus, bei der im Libanon mehr als 1000 Menschen getötet wurden.

Kämpfer der Hisbollah liefern sich Gefechte mit israelischen Soldaten, die im Süden des Landes Gebiete eingenommen haben. Dass die schiitische Gruppe dazu überhaupt wieder in der Lage ist, liegt an einem massiven Umbau durch die iranischen Revolutionsgarden. Direkt nach dem Waffenstillstand im November 2024 schickte Teheran nach Anhaben von zwei Insidern Offiziere in den Libanon. Einer der Insider bezifferte die Zahl auf rund 100.

2024 hatte Israel die Hisbollah massiv angegriffen. So hatte das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, wie etwa das Hauptquartier des Geheimdienstes der Miliz und eine unterirdische Waffenfabrik. Zahlreiche Kommandeure wurden getötet, darunter der damalige Anführer Hassan Nasrallah.

Die iranischen Revolutionsgarden sind seit der Gründung der Hisbollah 1982 eng mit der Miliz verwoben. Angehörige der Garden hatten die Gruppe in der Bekaa-Ebene im Osten des Libanons gegründet. Ihr Ziel war, die Islamische Revolution des Irans von 1979 auf den Libanon zu übertragen und die 1982 in den Libanon einmarschierten israelischen Truppen zu bekämpfen.

Entsandte Offiziere erfüllten viele verschiedene Aufgaben

Die vor eineinhalb Jahren entsandten Offiziere füllten personelle Lücken auf, bildeten die Kämpfer erneut aus und überwachten die Wiederaufrüstung, wie die beiden mit den Vorgängen vertrauten Personen sagten. Sie bereiteten die Miliz auf den jetzigen Krieg an der Seite des Irans vor. Auch arbeiteten sie Pläne für gleichzeitige Raketenangriffe aus dem Iran und dem Libanon auf Israel aus, ein Szenario, das am 11. März erstmals umgesetzt wurde. Zudem seien die Kommandostrukturen der Hisbollah umgebaut worden, nachdem der israelische Geheimdienst diese unterwandert hatte.

Die bisherige hierarchische Kommandostruktur wurde den Insidern zufolge durch ein dezentrales System ersetzt. Dieses bestehe aus kleinen Einheiten, die begrenztes Wissen über die Operationen der jeweils anderen haben, was die Geheimhaltung verbessern soll. Einem hochrangigen Vertreter aus libanesischen Sicherheitskreisen zufolge halfen iranische Kommandeure der Hisbollah dabei, ihre militärischen Kader zu rehabilitieren und neu zu organisieren. Er gehe davon aus, dass die Iraner der Hisbollah eher dabei helfen, das Tempo im aktuellen Konflikt zu steuern, als sich an den Details der Zielauswahl zu beteiligen.

Nach Aussagen eines weiteren Insiders entsandten die Revolutionsgarden die Offiziere in den Libanon, um eine Bestandsaufnahme der Hisbollah nach dem Krieg vorzunehmen und die direkte Aufsicht über deren militärischen Flügel zu übernehmen. Zwei weitere Personen sagten, die Revolutionsgarden hätten im vergangenen Jahr Sonderberater in die Hisbollah integriert, um der Miliz bei der Lenkung militärischer Angelegenheiten zu helfen.

Teheran durchkreuzte Bemühungen Beiruts

Andreas Krieg, Dozent an der Abteilung für Sicherheitsstudien des King’s College in London, erklärte, dass die Revolutionsgarden die Hisbollah als ein weitaus flacheres System neu organisiert hätten. „Dieses dezentrale Modell, das sie nun umgesetzt haben, ähnelt zudem ein wenig dem Erscheinungsbild der Hisbollah in den 1980er Jahren – sehr kleine Zellen.“

Die tiefgreifende Einmischung Teherans durchkreuzte zugleich die Bemühungen der libanesischen Regierung, die Hisbollah zu entwaffnen. Einem libanesischen Regierungsvertreter zufolge forderte Beirut Anfang März zwischen 100 und 150 Iraner mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden auf, das Land zu verlassen. Laut Insidern befanden sich Offiziere der Revolutionsgarden unter den mehr als 150 Iranern, die Anfang März nach Russland ausreisten.

Ein israelischer Militärsprecher sagte kürzlich, die Hisbollah bleibe trotz der in den vergangenen drei Jahren erlittenen Schäden eine gefährliche Kraft. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte im Januar gewarnt, die Miliz bemühe sich mit iranischer Unterstützung um eine Wiederaufrüstung. 

Quelle: ntv.de, Von Tom Perry, Samia Nakhoul, Maya Gebeily und Leila Bassam, rts

Source: n-tv.de