Iran begeht Feiertage im Krieg: Nowruz und Eid-e-Fetr getrübt
Überschattet vom Krieg in Iran: Mit dem Fastenbrechen beginnt das Zuckerfest, das Eid-e-Fetr. Dazu begehen die Menschen noch das Neujahresfest – doch Stimmung will nicht aufkommen, viele ziehen sich ins Private zurück.
Der Fastenmonat Ramadan ist zu Ende. Am Donnerstagabend war das letzte Fastenbrechen für dieses Jahr. Jetzt steht das Zuckerfest an, im Iran nennt es sich Eid-e-Fetr. Die Menschen beschenken sich, mit Süßigkeiten oder auch Kleidung und anderem. Familien treffen sich, feiern zusammen. Es ist ein bisschen wie Weihnachten bei uns.
Im Iran kommt noch Nowruz dazu – das Neujahrsfest. Daran schließen sich nahtlos die Nowruz-Ferien an. Nach altem Brauch gönnt man sich aus diesem Anlass sogar auch mal neue Möbelstücke. Doch in diesem Jahr ist im Iran alles anders. Es ist schwierig, jemanden zu finden, der einem etwas ins Mikrofon sagt. Wegen des Krieges ist wenigen zum Feiern zumute.
Wie auch, meint Nader, ein Witwer, der sich in Teheran eine Wohnung mit seinem Sohn teilt: „Viele Unternehmen haben geschlossen, viele Beamte werden nicht bezahlt, sie können es sich nicht leisten, neue Möbel oder neue Kleidung zu kaufen, viele können es sich nicht leisten, Nüsse und Süßigkeiten zu kaufen, um Nowruz zu feiern.“
Tristesse statt Fröhlichkeit
Tatsächlich sind etliche Firmen und Geschäfte schon lange dicht – und das trotz der bevorstehenden Feiertage. Der Krieg hat viele Menschen zumindest vorübergehend arbeitslos gemacht. Ein Mann, der mit Mobiltelefonen handelt, hat seinen Laden schon zu Beginn des Krieges geschlossen. Natürlich könnte ich hingehen, sagt er, aber wer kauft im Krieg schon ein neues Handy.
Auch im Straßenbild sieht man Tristesse statt Fröhlichkeit. Das kurz vor Ende des Ramadans übliche, aber nicht islamische Feuerspringen, Tschahar Schanbe Suri, das für die Reinigung von Sünden und Krankheiten steht, fand dieses Jahr kaum mehr statt. Das Regime schickt seine Anhängerinnen und Anhänger auf die Straße. Für Nichtgläubige oder gar Regierungskritiker ist kein Platz.
Rückzug ins Private
Viele ziehen sich zurück ins Private – wie diese 60-Jährige Frau berichtet: „Ich habe keine Hoffnung für die Zukunft, aber das Leben geht weiter, deshalb feiere ich Nowruz privat, wenn auch nicht so groß wie im letzten Jahr. Eid-e-Fetr ist mir völlig egal.“ Traditionen fallen dem Krieg und der bedrückten Stimmung zum Opfer.
Ein Teheraner berichtet von dem Blumenladen in seinem Viertel. Wie viele andere würden die Betreiber dort zu Nowruz normalerweise reich dekorieren – üblicherweise mit den sieben Dingen, deren persische Namen mit dem Buchstaben „Sin“ beginnen – wie etwa Knoblauch, Äpfel, Gräser oder getrocknete Lotusfrüchte. Doch dieses Jahr sei an dem Laden alles nur grau.
Nowruz verlagert sich noch mehr ins Private. So wie bei dem 27-Jährigen Ahmad. Er war im Januar bei den Demonstrationen dabei. Jetzt büffelt er Englisch, sagt er, damit er leichter ins Ausland gehen kann, sollte das Regime den Krieg überstehen.
Nowruz will Ahmad mit seiner älteren Schwester und den Eltern aber feiern – so wie immer: „Das Eid-e-Fetr-Fest war für mich und meine Familie nie von Bedeutung, obwohl wir schiitische Muslime sind. Aber Nowruz feiern wir immer, ganz gleich, ob es wie dieses Jahr Trauertage sind oder nicht.“
Source: tagesschau.de
