Wie ein Drogendealer die brave Spielvereinigung Haidhausen in Schwierigkeiten brachte

Im bayerischen Amateurfußball spielt sich ein Krimi ab. Der Stürmer der Spielvereinigung Haidhausen, für 400 Euro Ablöse verpflichtet, soll ein Drogendealer sein. Der Torjäger spielte unter falscher Identität. Für den Klub wird das nun zum Problem.

Diese Geschichte nimmt an der Constanze-Hallgarten-Straße in Obersendling ihren Lauf – und sie bringt die Spielvereinigung Haidhausen in große Schwierigkeiten. Ein grauer BMW rast bei einer Drogenkontrolle auf die Polizeibeamten zu. Der Fahrer wird durch mehrere Schüsse aus der Dienstwaffe gestoppt. Er kommt mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus, sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Gegen ihn wird wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tatmehrheit mit bewaffnetem Handel treiben mit Betäubungsmitteln ermittelt. In seiner Wohnung sollen Beamte Berichten zufolge kiloweise Amphetamine, 50.000 Euro Bargeld, scharfe Schusswaffen – und mehrere falsche Pässe gefunden haben. Spätestens ab diesem Punkt kommt die Spielvereinigung Haidhausen ins Spiel. Dort kennen sie den Beschuldigten als Mateo V.

Der Klub brachte es einst zu einiger Berühmtheit, weil bei ihm – damals noch als SC München 1906, aus dem er dann hervorging – Franz Beckenbauer spielte, ehe er zum FC Bayern ging. Nun macht er durch Mateo V. Schlagzeilen, sogar in England berichtet die „Sun“ darüber.

„Die Geschichte nimmt mich sehr mit“, sagt Klubchef Scialdone

Klubchef Giuseppe Scialdone bekam einen Anruf, am anderen Ende das Landeskriminalamt. Da spiele einer unter falschem Namen bei seinem Klub. Es war Mateo V., so stand es zumindest im Spielerpass. Doch wer da nun wirklich der 34 Jahre alte Torjäger war, für den Scialdone 400 Euro Ablöse gezahlt hatte, wissen nur die Ermittler. „Die Geschichte nimmt mich sehr mit“, sagt Scialdone, „der Verein ist mein Baby. Ich war fassungslos.“

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Bei seinem früheren Klub, dem FC Neuhadern, stuften sie Mateo V. als „kreuzbraven Kerl“ ein. Die Haidhausener ließ er glauben, er sei Fitnessstudio-Besitzer. Wie auch immer, der gefälschte Pass macht der Spielvereinigung nun Probleme. Einsatz ohne Spielberechtigung, Paragraf 77 der Rechts- und Verfahrensordnung. Keine Gnade. Bei der Spielvereinigung sagen sie, es sei ein Paragraf, der nicht für so einen Fall verfasst wurde. Was eine gewisse Logik birgt.

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Sie haben Revision eingelegt, den Aufstieg in die Bezirksliga wollen sie in Haidhausen nicht einfach so hergeben. Fürs Erste aber bleibt: 27 Punkte werden abgezogen, aus allen Partien, in denen „Mateo Wer?“ mit von der Partie war.

Patrick Krull ist Sportredakteur der WELT. Er ist Polizisten-Sohn, sein Vater war Polizei-Hauptkommissar, bewachte einst oft und liebend gern das Reihenhaus von Helmut Schmidt in Hamburg-Langenhorn und meldete sich am Diensttelefon bei eingehenden Notrufen jahrzehntelang immer mit: „Hier ist Didi Krull, nettester Beamter Hamburgs, wie kann ich Ihnen helfen …?

Source: welt.de