Zulieferer in dieser Krise: ZF ist noch nachhaltig nicht am Ziel

Seit Wochen bemüht ZF-Chef Mathias Miedreich das Bild der Gipfelbesteigung für die Rettung seines Unternehmens. Und um die Beschäftigten des zweitgrößten deutschen Autozulieferers angesichts erster, kleinerer Fortschritte nicht in trügerische Sicherheit zurückfallen zu lassen, weist er sehr deutlich und immer wieder darauf hin, dass es seine Bergsteiger bislang allenfalls bis ins Basislager geschafft haben. Und mit dieser realistischen Einschätzung liegt der ZF-Chef richtig.
Natürlich sind die vorzeitige Beendigung verlustreicher Projekte in der Elektromobilität trotz einmaliger Verluste und die wirkenden Sparprogramme ein Erfolg. Es sind aber in Bezug auf die schwierige Gesamtsituation nur kleine Schritte aus dem Basislager heraus in Richtung Gipfel. Schritte, die ZF Handlungsspielräume eröffnen, um das viel entscheidendere Problem anzugehen.
Den Zulieferer drücken noch immer mehr als zehn Milliarden Euro Schulden. 750 Millionen Euro Zinsen sind dafür im vergangenen Jahr fällig gewesen. Mit dem Verkauf der Sparte für Fahrerassistenzsysteme könnten die Verbindlichkeiten im Laufe des Jahres auf 8,7 Milliarden Euro sinken. Doch auch dann kann ZF mit dem aktuell erwirtschafteten operativem Gewinn die Schulden niemals aus eigener Kraft und ohne weitere Verkäufe abtragen. Deshalb muss das Unternehmen für weitere Geschäftsbereiche wie der Windkraft- und Airbag-Sparte Käufer finden.
Aber um wenigstens einen Teil der Schulden aus eigener Kraft tilgen zu können, muss ZF auch sein Kerngeschäft weiter stabilisieren, was mit Blick auf die volatile Automobilwirtschaft und vor allem auf die in Europa und Nordamerika zurückgehende Nachfrage nach Lastwagen künftig nicht einfacher werden wird. Hinzu kommt, dass ZF-Chef Miedreich im Autogeschäft auf den Plug-in-Hybrid-Antrieb setzt, von dem gar nicht klar ist, wie lange er in Europa noch eine Zukunft hat. Ändert die EU ihre Emissionsregelung nicht, wie es Miedreich und andere fordern, könnte ZF ein Kernprodukt seiner Antriebssparte verlieren, die für mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes steht.
Um im Bild zu bleiben, ZF-Chef Miedreich sieht mit seinen Bergsteigern noch lange nicht den Gipfel. Zudem ist das Kreuz am Ende des Gipfelgrats sturmumtost und nebelverhangen. Und die Wetteraussichten sind – um es vorsichtig auszudrücken – unbeständig.