Krieg in Nahost: Angriffe aufwärts Energieanlagen – Preise steigen massiv
Auf Angriffe auf seine Energieinfrastruktur reagiert Iran mit Attacken auf Ölraffinerien in Kuwait und Saudi-Arabien. Auch die LNG-Anlage Ras Laffan in Katar wurde angegriffen. Infolgedessen stiegen die Gas- und Ölpreise deutlich.
Das iranische Militär nimmt verschärft die Energieinfrastruktur in einigen Golfstaaten ins Visier. Sowohl Kuwait als auch Saudi-Arabien meldeten Angriffe auf Ölraffinerien.
In Kuwait berichteten Staatsmedien zunächst, dass bei einer Attacke die Raffinerie Mina Al-Ahmadi getroffen worden sei. Dadurch sei ein Brand auf dem Gelände ausgebrochen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf das Unternehmen Kuwait Petroleum. Verletzte habe es nicht gegeben. Die Raffinerie ist eine der größten im Nahen Osten und verfügt über eine Produktionskapazität von 730.000 Barrel pro Tag.
Kurz darauf berichtete die Nachrichtenagentur Kuna weiter, dass auch die Raffinerie Mina Abdullah Ziel eines Angriffs geworden sei. Das Gelände wurde demnach mit einer Drohne attackiert. Auch hier sei ein Brand ausgelöst worden. Beide Angriffe wurden inzwischen auch von kuwaitischen Ministerien bestätigt.
Weitere Raffinerie in Saudi-Arabien attackiert
Neben den Raffinerien in Kuwait wurde auch in Saudi-Arabien eine Ölraffinerie Ziel eines Drohnenangriffs. Das Verteidigungsministerium des Landes bestätigte entsprechende Medienberichte. Es handelt sich demnach um die Samref-Raffinerie im Industriegebiet der Hafenstadt Yanbu. Derzeit werde der entstandene Schaden bewertet. Zuvor war nach Angaben des Ministeriums eine auf den Hafen der Stadt abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen worden. Die Samref-Raffinerie gehört dem saudischen Ölriesen Aramco und der Mobil Yanbu Refining Company Inc., einer Tochterfirma von Exxon Mobil.
Der Hafen von Yanbu am Roten Meer ist derzeit die einzige Exportmöglichkeit für Rohöl aus den arabischen Golfstaaten. Iran hat die Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert wird, fast vollständig blockiert.
Iran droht mit „vollständiger Zerstörung“ von Energieinfrastruktur
Im Vorfeld der Angriffe hatte die Islamische Revolutionsgarde Irans eine Warnung für mehrere Ölanlagen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar veröffentlicht, verbunden mit der Aufforderung, diese Gebiete zu evakuieren. Die Warnung galt auch für die Samref-Raffinerie.
Die Revolutionsgarde bezeichnet die Angriffe auf die Golfstaaten als Antwort auf die Angriffe der USA und Israels auf die iranische Energieinfrastruktur. Sollten diese anhalten, werde Iran die Öl- und Gasindustrien der Golfstaaten „vollständig zerstören“. Iran erwäge, „die Kraftstoff-, Energie- und Gasinfrastruktur“ der Länder ins Visier zu nehmen, von denen aus die Angriffe gestartet worden seien. Das iranische Staatsfernsehen veröffentlichte eine Liste „legitimer Ziele“, darunter Öl- und Gasanlagen in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Am Mittwoch hatte Israel iranische Förderanlagen attackiert, die mit dem weltgrößten Gasfeld „South Pars“ verbunden sein sollen. „South Pars“ liegt im Persischen Golf und ist die größte bekannte Gasreserve der Welt. Es liefert rund 70 Prozent des Erdgases für Iran.
Wusste Trump von dem Angriff?
Entgegen bisheriger Angaben aus Washington legen neue Berichte nun nahe, dass US-Präsident Donald Trump vorab über den Angriff auf das Gasfeld informiert war. Das Wall Street Journal berichtet, die USA seien im Bilde gewesen und hätten keine Einwände gehabt. Trump habe den Angriff gebilligt, um den Druck auf Iran zu erhöhen, die Straße von Hormus freizugeben.
Trump selbst hatte zuvor beteuert, im Vorfeld nichts von dem geplanten Angriff gewusst zu haben. Zugleich versicherte er, Israel werde „South Pars“ vorerst nicht mehr ins Visier nehmen – außer Iran greife weiterhin „völlig Unschuldige“ an, etwa Katar.
Nach dem Angriff auf „South Pars“ hatte Iran Raketen auf Ras Laffan in Katar abgefeuert, die weltgrößte Anlage für verflüssigtes Erdgas (LNG). Laut deren Betreiber QatarEnergy wurde die Anlage schwer beschädigt.
Macron: „Rücksichtslose Eskalation“
Deutliche Kritik an der aktuellen Eskalation kam vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron. „Es handelt sich um eine rücksichtslose Eskalation“, sagte er kurz vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel – und forderte direkte Gespräche zwischen Iran und den USA.
Zugleich bekräftigte Macron seine Forderung nach einem Moratorium für Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran-Krieg. „Wenn in der Region eine Zeit der religiösen Feste beginnt, sollten die Kämpfe zumindest für ein paar Tage eingestellt werden.“ Verhandlungen müsse wieder eine Chance gegeben werden.
Gas- und Ölpreise steigen nochmals an
Die jüngsten Angriffe im Nahen Osten wirkten sich umgehend auf den Gaspreis aus. Der Preis für Erdgas stieg zum Handelsbeginn am Morgen deutlich an. Der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert gilt, legte zunächst um 35 Prozent zu auf 74 Euro pro Megawattstunde. Danach schwächte er sich wieder etwas ab und notierte bei 67,85 Euro. Der TTF-Preis hatte vor Beginn der Angriffe der USA und Israels auf Iran bei lediglich bei 31 Euro gelegen.
Vor allem der Angriff auf Ras Laffan dürften auf dem Weltmarkt für zusätzliche Spannungen geführt haben. Katar gehört zu den wichtigsten Exporteuren von Flüssiggas. Ein großer Teil des weltweit gehandelten LNG kommt von dort. Auch Deutschland bezieht Flüssiggas aus Katar. Erst Anfang Februar war bei einem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in dem Golfstaat vereinbart worden, die Kooperation noch auszubauen.
Auch die Ölpreise schossen abermals in die Höhe: Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte zeitweise um mehr als zehn Prozent zu. Am späten Vormittag kostete ein Barrel dann rund 115 Dollar – knapp sieben Prozent mehr als zu Handelsbeginn. Die US-Referenzsorte WTI verzeichnete einen Anstieg um 0,88 Prozent auf 97,17 Dollar.
Source: tagesschau.de