Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das sollten Sie zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wissen
Es ist
die zweite Landtagswahl im Superwahljahr 2026: Nach dem äußerst knappen Sieg der Grünen um Cem Özdemir in Baden-Württemberg deutet auch in Rheinland-Pfalz vieles auf ein enges Rennen hin. Die regierende SPD und die CDU liegen aktuell in den Umfragen beinahe gleichauf – mit leichtem Vorteil für die Christdemokraten. Nach mehr als drei Jahrzehnten in der Opposition will die CDU unbedingt wieder stärkste Kraft im Mainzer Landtag werden und somit den amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer von der SPD ablösen. Schweitzer führt ein Regierungsbündnis aus SPD, Grünen und FDP, das er vor zwei Jahren nach deren Rückzug von der im Land äußerst beliebten, langjährigen Ministerpräsidentin Malu Dreyer übernommen hat. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zur Rheinland-Pfalz-Wahl 2026
Wann wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt?
Die Wahl zum 19. Landtag des Landes Rheinland-Pfalz findet
am 22. März 2026 statt. Die Wahllokale sind am Wahltag von 8.00 Uhr bis 18.00
Uhr geöffnet. Wer seine Stimme per Briefwahl abgeben will, muss darauf achten, dass der Wahlbrief bis spätestens 18 Uhr am Wahlsonntag bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, die den Wahlschein ausgestellt hat, eingetroffen ist. Verspätete Wahlbriefe werden nicht berücksichtigt.
Welche Parteien treten an?
Der Landeswahlausschuss hat zwölf Parteien zur Wahl zum
neuen Landtag zugelassen. Neben den Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP sind
das die aktuell im Landtag vertretenen CDU, AfD und Freien Wähler. Außerdem bewerben sich Die Linke, das BSW, die Partei Mensch Umwelt Tierschutz, Volt,
die ÖDP und die Partei der Humanisten um Sitze im Landesparlament.
Wer sind die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien?
Für die Sozialdemokraten bewirbt sich der amtierende Ministerpräsident Alexander Schweitzer um eine weitere Amtszeit. Es ist das erste Mal, dass der 52-jährige Jurist sich dem Votum der Wählerinnen und Wähler stellt. Im Juli 2024 war der damalige Landesarbeitsminister auf Vorschlag seiner Vorgängerin Malu Dreyer zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Dreyer hatte das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.
Seither reist Schweitzer durch das Bundesland. „Am Ende zählt immer die Nähe zu den Menschen“, ist der dreifache Familienvater überzeugt. Es ist diese Nähe, die ihn im Amt halten soll. Der 2,06 Meter große, stellvertretende SPD-Bundeschef setzt sich als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz derzeit auch für die Kommunen ein, die bundesweit unter einer prekären finanziellen Lage leiden.
Schweitzers aussichtsreichster Herausforderer ist der jüngere Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: Gordon Schnieder. Der CDU-Politiker ist seit 2023 Fraktionschef und Oppositionsführer im Mainzer Landtag, seit 2024 auch CDU-Landesvorsitzender. Schnieder stellt sich zum ersten Mal als CDU-Spitzenkandidat zur Wahl.
Er ging nach der Wahlniederlage der Christdemokraten vor fünf Jahren als Sieger aus einem parteiinternen Machtkampf hervor und versucht seither, sich im Land bekannt zu machen. Seltener als SPD-Mann Schweitzer zieht es Gordon Schnieder nach Berlin. Er legt nach eigenem Bekunden seinen Fokus auf Rheinland-Pfalz und versteht sich in erster Linie als Landes- und nicht als Bundespolitiker.
Die AfD, die in allen Umfragen zur Landtagswahl auf dem dritten Platz liegt, führt der Landes- und Fraktionschef
Jan Bollinger durch den Wahlkampf. Die Grünen haben die Mobilitäts- und Umweltministerin Katrin Eder als Spitzenkandidatin nominiert und die Linke die Landesvorsitzende der Partei, Rebecca Ruppert. Die FDP ernannte die Landesvorsitzende Daniela Schmitt zur Spitzenkandidatin, die Freien Wähler den ehemaligen Fraktionschef Joachim Streit, der derzeit für die Partei im Europaparlament sitzt.
Wie ist die politische Ausgangslage?
Wie alle Landtagswahlen
in diesem Jahr hat auch die Rheinland-Pfalz-Wahl bundespolitische
Bedeutung. Nachdem der erhoffte Rückenwind durch einen Wahlsieg in
Baden-Württemberg für die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz
ausgeblieben ist, ist die Hoffnung der Christdemokraten umso dringlicher, nach mehr als drei Jahrzehnten endlich wieder den
Regierungschef in Mainz zu stellen. Zwar liegt die CDU in den Umfragen
ein bis zwei Prozentpunkte vorn, doch hat die SPD in den vergangenen
Wochen deutlich aufgeholt. Und: Amtsinhaber Alexander Schweitzer ist beliebter und bekannter als sein Herausforderer Gordon Schnieder. 52 Prozent der Wahlberechtigten
gaben in einer Umfrage von Infratest dimap für den SWR an, Schnieder
nicht zu kennen oder ihn nicht beurteilen zu können.
Fast noch
wichtiger als für die CDU ist ein Erfolg in Rheinland-Pfalz für die SPD.
Nach dem desaströsen Ergebnis in Baden-Württemberg mit historisch
schlechten 5,5 Prozent wäre der Verlust der Regierungsverantwortung ein
weiterer herber Nackenschlag für die Sozialdemokraten. Das bedeutet aber
auch: Eine der beiden Berliner Regierungsparteien wird am Montag nach der Wahl
in jedem Fall Wunden lecken müssen – während beide in Rheinland-Pfalz gleichzeitig aufeinander angewiesen sind, soll das Bundesland eine
stabile neue Regierung bekommen. Denn da die AfD laut den Umfragen deutlich
zulegen und um die 20 Prozent erzielen dürfte, mit ihr aber keine andere
Partei zusammenarbeiten will, bliebe nur Schwarz-Rot als realistisch
mögliche Koalition – unter welcher (personellen) Führung auch
immer.
Die aktuelle Ampelkoalition wird keine Option mehr sein.
Schon allein, weil die FDP den Demoskopen zufolge wie schon in ihrem Stammland Baden-Württemberg nicht wieder in den Mainzer Landtag einziehen wird.
Den Liberalen droht der nächste Schritt in die politische
Bedeutungslosigkeit, die ihr der Bundeskanzler bereits bescheinigt hat.
Wer sitzt derzeit im Landtag von Rheinland-Pfalz?
Mit den Landtagswahlen im Jahr 2021 zogen insgesamt sechs Parteien
in den Mainzer Landtag ein: SPD, CDU, Grüne, AfD, FDP und die Freien Wähler. Die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP ist das letzte noch amtierende rot-grün-gelbe Regierungsbündnis auf Bundes- oder Landesebene. Alexander Schweitzer (SPD) übernahm die Führung der Dreierkoalition Mitte 2024. Die Sitzverteilung im rheinland-pfälzischen Landtag ist aktuell:
- SPD: 39 Sitze
- CDU: 31 Sitze
- Grüne: 10 Sitze
- AfD: 9 Sitze
- FDP: 6 Sitze
- Freie Wähler: 6 Sitze
Was waren die wichtigsten Wahlkampfthemen?
Eine besonders große Rolle spielte für die Wählenden in Rheinland-Pfalz das Thema Bildung. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des SWR. Bei der Frage nach den wichtigsten und zweitwichtigsten Problemen in dem Bundesland gaben 29 Prozent der Befragten im Januar Bildung, Schule und Ausbildung an. 22 Prozent der Befragten empfanden das Thema Migration als Problem, 18 Prozent die Verkehrspolitik sowie 13 Prozent die Wirtschaft. Zehn Prozent erachteten das Gesundheitswesen, die medizinische Versorgung und die Pflege als wichtig. Weniger als zehn Prozent gaben Wohnen, soziale Ungerechtigkeit und die Haushaltslage an.
Lesen Sie hier mehr zu den Themen, die den Wahlkampf beherrscht haben.
Was besagen die jüngsten Umfragen?
Es wird ein knappes Rennen zwischen der CDU und SPD. Das zeigt die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD. Vorne liegt demnach die CDU mit 29 Prozent, knapp dahinter folgt die SPD mit 28 Prozent, die AfD erhält mit 19 Prozent den dritten Platz. Für die Grünen entschieden sich laut Umfrage acht und für die Linke fünf Prozent, die Freien Wähler wären mit 4,5 Prozent nicht mehr im Mainzer Landtag vertreten, ebenso die FDP mit weniger als drei Prozent.
Damit wird deutlich: Während die Linke erstmals in den Landtag einziehen könnte, muss vor allem die Nochregierungspartei FDP um ihren erneuten Einzug ins Landesparlament fürchten. Eine Neuauflage der Ampelregierung in Rheinland-Pfalz erscheint somit unrealistisch, ohnehin erfreut sie sich keiner großen Beliebtheit. Aus einer früheren Umfrage von Infratest dimap für den SWR ging hervor: Jeder Zweite sieht die Arbeit der Landesregierung kritisch, nur 19 Prozent stimmten für eine Fortsetzung in dieser Konstellation. Die größte Zustimmung erhielt mit 39 Prozent eine Koalition aus SPD und CDU.
Für die Führung der Landesregierung wünscht sich der Großteil der Befragten die SPD, zeigt die jüngste Umfrage von Infratest dimap. So gaben 35 Prozent an, dass die nächste rheinland-pfälzische Regierung bei einer Auswahl zwischen SPD, CDU und AfD von den Sozialdemokraten angeführt werden sollte. 32 Prozent sprachen sich für eine CDU-geführte Regierung aus, 21 Prozent stimmten für die AfD. Ein ähnliches Stimmungsbild ergibt sich auch im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten von SPD, CDU und AfD. Wenn die Bürgerinnen und Bürger den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich 38 Prozent für den SPD-Spitzenkandidaten Alexander Schweitzer entscheiden. 21 Prozent würden für CDU-Herausforderer Gordon Schnieder stimmen, für acht Prozent wäre AfD-Spitzenkandidat Jan Bollinger der beste Regierungschef unter diesen Dreien.
Wie wird gewählt?
In Rheinland-Pfalz wird nach dem System der personalisierten
Verhältniswahl gewählt. Wahlberechtigt sind 2,95 Millionen Menschen, die deutsche Staatsbürger sind und das
18. Lebensjahr vollendet haben. Jede Wählerin, jeder Wähler hat wie bei der
Bundestagswahl zwei Stimmen. Mit der Wahlkreisstimme wird der Kandidat oder die
Kandidatin des jeweiligen Wahlkreises vor Ort bestimmt. Die Landesstimme geht
an eine der Parteien. Diese Stimme ist entscheidend für die Mandatsverteilung.
Um in den neuen Landtag einziehen zu können, benötigt eine
Partei mindestens fünf Prozent der abgegebenen gültigen Landesstimmen
(Fünf-Prozent-Hürde). Hat eine Partei Direktmandate erzielt, werden diese auf die erzielten Mandate angerechnet. Gewinnt eine Partei
in den Wahlkreisen mehr Mandate, als ihr nach den Landesstimmen zustehen, behält sie diese als Überhangmandate. Damit dennoch das dem Wahlergebnis entsprechende Verhältnis der Parteien und Wählervereinigungen zueinander gewahrt bleibt, erhalten die weiteren Parteien in diesem Fall Ausgleichsmandate.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters