Tote und verletzte Tiere – Skandalöse Zustände in spanischer Schweinemast

Ein Schweinekiefer auf einem Hof in der spanischen Provinz Teruel.


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Stand: 18.03.2026 • 09:17 Uhr

Verweste Schweinekadaver, eiternde Bisswunden, handballgroße Beulen am Bauch: Ein spanischer Hof lieferte Tiere an ein Unternehmen, das auch für Aldi Nord Schinken produziert.

Von Julia Macher und Sebastian Kisters, ARD Madrid

Ein Schwein mit der Ohrenmarke ES441410000004 liegt als grau, brauner Kadaver auf dem Boden. Ein noch lebendes Schwein schnüffelt an weiteren toten Tieren. Es hat eitrige Verletzungen an den Füßen.

Dokumente, die das ARD Studio Madrid einsehen konnte, zeigen, dass dieser Hof Schweine an den Großbetrieb Costa Brava Mediterranean Foods lieferte. Dieses Unternehmen wiederum beliefert unter anderem Aldi Nord.

Tierschützer stellen Anzeige

Die Tierschutzorganisation ARDE hat Anzeige gegen den Betrieb in der spanischen Provinz Teruel erstattet. Es geht um Tierquälerei, öffentliche Gesundheit und irreguläre Werbung. Und für Spanien geht es längst auch um die Frage, von welcher Qualität Schweinefleisch aus dem Land ist.

Bereits vor fünf Jahren hatte der ehemalige spanische Minister für Verbraucherschutz, Alberto Garzón, bemängelt, Schweinefleisch aus spanischer Massenzucht sei häufig minderwertig und stamme von misshandelten Tieren.

Seine Warnung wurde zum Politikum. Was erlaube sich dieser linke Politiker?, schäumten die Konservativen. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Pedro Sánchez sah sich schließlich genötigt, zu erklären, wie gern er samstags ein Stück Fleisch in der heimischen Pfanne habe.

Ein Schwein neben Tierkadavern auf einem Hof in der spanischen Provinz Teruel.

Europameister in der Schweinezucht

Doch Garzóns Vorwurf war in der Welt. Er wollte damit ein boomendes Geschäft in Frage stellen. Allein Deutschland hat laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr 53.000 Tonnen Schweinefleisch im Wert von 141 Millionen Euro aus Spanien eingeführt. Spanien ist Europameister in der Schweinezucht.

Mehr als 56 Millionen Tiere wurden hier 2025 geschlachtet, im Vergleich zu 2024 war das noch einmal ein Plus von rund vier Prozent.

Das Wachstum wird begleitet von anhaltenden Skandalen. Vor zwei Jahren berichteten spanische Medien von einem „Horror-Hof“. Im Jahr zuvor hatte das ARD Studio Madrid einen Skandal bei Burgos mit aufgedeckt. Offensichtlich waren hier in einem Hof so viele Schweine gestorben, dass ein angrenzender Wald voller Knochen und entsorgter Kadaver war. Dokumente zeigten, dass Fleisch aus diesem Betrieb in deutsche Kühlregale gelangen konnte.

Warnung vor Infektionskrankheiten

So wie jetzt möglicherweise beim neuerlichen Fall. Julia Elizalde, Sprecherin der Tierschutzorganisation ARDE, die den Hof angezeigt hat, sagt, der Hof gefährde die öffentliche Gesundheit. Dass Schweine mit anderen verwesenden und verfaulenden Artgenossen zusammenlebten, erhöhe das Risiko von Infektionskrankheiten wie Salmonellen.

Sie fürchtet, in vielen ländlichen Gebieten Spaniens gebe es ähnliche Fälle. Elizalde: „Tiere werden als bloße Ressourcen, als bloßes Produkt angesehen. Wenn es nicht rentabel ist, die Krankheit eines Tieres zu behandeln, tun sie es nicht und lassen es sterben.“

Aldi Nord räumt gegenüber der ARD ein, mit Costa Brava Mediterranean Foods zusammenzuarbeiten:

Wir beziehen vereinzelte Wurst- und Schinkenartikel im Standard- und Aktionssortiment vom Lieferanten Costa Brava Foods. Das Fleisch stammt auch aus dem von Ihnen genannten Schlachtbetrieb. Der Lieferant hat jedoch ausgeschlossen, dass Schweine aus dem infrage stehenden Aufzuchtbetrieb für Artikel unserer Sortimente verwendet wurden.

Warum der Lieferant das ausschließen kann, haben jedoch weder Aldi Nord noch Costa Brava Mediterranean Foods selbst gegenüber dem ARD Studio Madrid erklärt.

Probleme auch in Deutschland

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warnt jedoch davor, aus Deutschland den erhobenem Zeigefinger auf Spanien zu richten. Der Sprecher Andreas Winkler sagt: „Auch bei uns leiden Schweine massenhaft an Krankheiten. Auch bei uns landen Millionen Schweine jedes Jahr im Müll. Sie schaffen es gar nicht erst in die Supermarkttheke, weil sie vorher schon bei der Mast sterben.“

Gegen den Mastbetrieb in der spanischen Provinz Teruel laufen Untersuchungen. Zu klären sein wird auch, wieso der Betrieb zwei Tierwohl-Gütesiegel führen durfte. Aldi Nord hat angekündigt, den Fall ebenfalls zu prüfen: „Wir haben zunächst verfügt, dass der genannte Aufzuchtbetrieb weiterhin mindestens bis zum Abschluss der Untersuchungen aus der Belieferung für unsere Artikel ausgeschlossen bleibt. Nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden wir über weitere Schritte.“

Source: tagesschau.de