Lasse Stoley: Erst wohnte er im ICE – jetzt ist er Chef an Bord von Zügen








Vom Leben im Zug zum Job an Bord: Ex-Bahn-Nomade Lasse Stolley arbeitet heute als Zugführer und erlebt, wie der Ton in deutschen Zügen rauer wird.

Vor zwei Jahren machte Lasse Stolley bundesweit Schlagzeilen: Der Schleswig-Holsteiner lebte wochenlang in den Zügen der Deutschen Bahn – dank seiner Bahncard 100 und seines flexiblen Jobs als Softwareentwickler. Auch der stern berichtete neben vielen anderen Medien über den ungewöhnlichen Lebensstil des damals 17-Jährigen. Jetzt hat der inzwischen 19‑Jährige seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet als Zugführer bei einem privaten Eisenbahnunternehmen.



Lasse Stolley ließ sich zum Zugführer ausbilden

„Seit August 2025 habe ich zusätzlich eine sechsmonatige Ausbildung zum Zugführer (…) absolviert“, schreibt Stolley auf seiner Homepage. Allerdings nicht in seiner „Heimat“, der Deutschen Bahn, sondern beim Unternehmen TRI, das unter anderem Sonderfahrten und Regionalverkehr in mehreren Bundesländern anbietet und sich zudem für den Erhalt historischer Eisenbahnfahrzeuge einsetzt.

Zugführer – nicht zu verwechseln mit dem Lok- oder Triebfahrzeugführer – sind bei TRI und anderen Bahnunternehmen die Chefs an Bord der Züge und für Organisation, Sicherheit und Betreuung verantwortlich. Die übrigen Zugbegleiter unterstehen ihm, und auch der Lokführer ist auf seine Unterstützung angewiesen.


„Ich habe mich dazu entschieden, meine Liebe zum Zugfahren auch beruflich umzusetzen“, erklärt der 19-Jährige seine berufliche Neuorientierung, über die zuerst die „Schleswig-Holsteinische Landeszeitung“ berichtete. In seinem neuen Job gehören auch die Fahrkartenkontrollen und das Informieren der Fahrgäste zum Alltag – ein Thema, das seit dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn in Rheinland-Pfalz besonders sensibel wahrgenommen wird.

Deutsche Bahn bleibt zweite Heimat 

„Ich merke, dass die Anspannung bei den Fahrgästen immer mehr steigt. Sie sind deutlich schneller genervt“, sagt Stolley der Zeitung. Es gebe Fahrgäste, die „aggressiv werden und einen beleidigen“. Er nehme dies jedoch nicht persönlich. „Ich gehe nicht mit schlechten Gefühlen auf Arbeit.“ Gute Kommunikation sei der Schlüssel für gegenseitiges Verständnis.




Der neue Job bringt es mit sich: Im Zug wohnt der neu ausgebildete Zugführer nicht mehr dauerhaft. Alle paar Monate besuche er seine Eltern, ansonsten schlafe er im Hotel, schreibt Stolley auf seiner Internetseite. „An freien Tagen verbringe ich weiterhin viele Nächte im Zug.“

Quellen: „Schleswig-Holsteinische Landeszeitung“, TRI, Homepage Lasse Stolley

wue

Source: stern.de