Literatur aus dieser Zone, Eros Ramazzotti und Ausschlafen
Hallo,
seltsam, der Literatur geht es oft wie den Menschen, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind: Der Blick auf sie ist gefärbt und meist mit einem Etikett versehen. Warum können es nicht einfach Bücher sein, die von einem anderen Land, einem anderen Alltag erzählen, mit all seinen Farbtönen?
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DDR-Autoren oder -Autorinnen werden hingegen häufig in andere Kategorien eingeteilt – entweder staatsnah oder Störfaktor. Das Schreiben war aber für viele ein Dazwischen, der Versuch, von Widersprüchen, Zweifeln oder Grenzen im täglichen Leben zu erzählen, von Grautönen.
Gerade wird allseits über den neuen Roman von Lukas Rietzschel debattiert, den Marlen Hobrack für den Freitag gelesen hat. Und auch hier gleich ein High-Level-Anspruch: Ist es der lang erwartete große DDR-Gesellschaftsroman? Drunter geht’s nicht. Rietzschel erzählt aber eher in leisen Tönen von einer Familie in der sächsischen Provinz, von Menschen jenseits der Zuschreibungen.
Gestern hat meine Kollegin Alina an dieser Stelle von ihrer Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse berichtet. Auch ich werde hinfahren und freue mich, dort mit dem Literaturwissenschaftler Carsten Gansel über das Verschwinden und die Rolle von DDR-Literatur zu reden. Schriftstellerinnen wie Brigitte Reimann wurden im Ausland zuletzt wiederentdeckt und gefeiert – da scheint es eine Neugier zu geben. Warum ist der Blick dort ein anderer?
Und wie prägen uns solche Ost-West-Erfahrungen bis heute?
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Länger schlafen: Es sind ja meist die kleinen Dinge. Bei mir geht’s oft darum, wie lange ich die Minuten ausdehnen kann, bis ich aus dem Bett muss. Und was soll ich sagen, es wird immer besser. Heute Morgen zum Beispiel stand ich Gewehr bei Fuß, um den Kids ihr Müsli zu machen, aber da saßen sie beide schon (fertig angezogen!) am Küchentisch und riefen cool: Kannst wieder schlafen gehen, Mama. Wow. Irgendwas müssen wir als Eltern richtig gemacht haben, sie werden immer selbstständiger. Mehr Raum für Eigenverantwortung!
Und ich schaue immer seltener auf die Nachrichten der Eltern-Chat-Gruppe. Da steht zum Beispiel drin, welche Hausaufgaben die Kids gerade aufhaben (gibt es dafür nicht Hausaufgabenhefte?). Digital-Eltern-Detox rettet mir den Abend.
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3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu hören: Neulich war ja wieder San Remo. Das große Schlagerfestival, eine italienische Institution. Und so wie bei den Oscars oder dem ESC schwingt auch dort meist Politisches mit. Dieses Jahr gab es im Vorfeld Streit, weil Andrea Pucci, Lieblingskomiker der Rechten, auftreten sollte. Sexistisch-homophobe Witze, Bodyshaming gegen linke Politikerinnen gehören zu seinem Repertoire. Die linke Opposition tobte und forderte vom TV-Sender RAI eine Erklärung dafür, warum Pucci dort eine Bühne bekommt. Meloni nahm ihn in Schutz, die Proteste gingen weiter, schließlich zog sich der Brachialunterhalter von selbst zurück.
Dafür trat Eros Ramazzotti auf. Und kam mit diesem Lied, das ich schon als Kind hörte, in den Achtzigerjahren in Ostberlin. Ich saß in meinem Zimmer und hörte es mir stundenlang an und übersetzte mir den wunderbaren italienischen Text mühsam selbst.
Eros, mittlerweile ergraut, stand da auf der Bühne, sang die ersten Zeilen von Adesso tu und mein Gefühl war sofort wieder da, dieses leichte melancholische, den Refrain sang ich laut mit. Viele Italiener würden mich belächeln, Eros, der Schmalzi? Geht gar nicht! Si.
Er sang dann noch mit Alicia Keys.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Was bedeuten KI und Chatbot im Klassenzimmer? Wir Journalisten müssen mit ihr klarkommen, manchmal hilft uns die KI sogar, oft verlängert sie unseren Arbeitsprozess aber auch, weil manche der künstlich generierten Vorschläge einfach nicht richtig taugen. Dann fängt man wieder von vorne an.
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Wie es einem Lehrer geht, der als Quereinsteiger in die Schule kam und vorher Romanautor war, erzählt Guardian-Autor Peter C Baker in einem sehr anschaulichen und unterhaltsamen Text. Wie er versucht hat, sich durch einen Wust pädagogischer Vorschläge zu arbeiten und auf einem Minenfeld landete: KI-Gegner gegen KI-Heilsbringer. Woran soll er erkennen, ob er als Lehrer erfolgreich war?
Vor zwei Jahren, im Alter von 39 Jahren, begann ich eine Ausbildung zum Schullehrer. Ich wollte Englisch unterrichten – um jungen Menschen zu helfen, bessere Leser, Schreiber und Denker zu werden und eine tiefere Verbindung zur Literatur aufzubauen. Nach 15 Jahren als freiberuflicher Autor und Romanautor war ich überzeugt, dass ich etwas zu bieten hatte. Aber je weiter ich in meiner Ausbildung vorankam, desto unsicherer wurde ich. Eine Frage quälte mich besonders, weil ich keine Antwort auf sie hatte. Was tun mit der künstlichen Intelligenz (KI)?
Das unmittelbare Dilemma: Was bedeutet es für den Erstsprachen-Unterricht, also Englisch in den USA oder Deutsch in Deutschland, dass alle Schüler und Schülerinnen heute Zugang zu kostenlosen Online-Chatbots haben, die auf Abruf flüssige, recht komplexe Prosa produzieren können?
Feedback
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Das war’s von mir für heute, die Woche schwankt so langsam Richtung Ende. Vielleicht sehen wir uns auf der Leipziger Buchmesse. Oder Sie lesen nach dem Ausschlafen in Ruhe zu Hause. Und dann: Italo-Disco!
Viele Grüße,
Ihre Maxi Leinkauf
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