Europe 2026: „Es wird auf jeden Fall eine massive Krise werden“

Die deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer erwartet angesichts eines möglicherweise länger dauernden Krieges im Iran eine „massive Krise“ der Wirtschaft. Das sagte Schnitzer, die auch Teil des Sachverständigenrates der Bundesregierung ist, auf der Konferenz Europe 2026, welche die ZEIT mitorganisiert.

Die ökonomischen Folgen des Krieges im Iran hingen hauptsächlich davon ab, wie lange dieser dauert, sagte Schnitzer. Sie rechne damit, dass der Krieg länger als der Sommer dauern könnte, da die Führungsschicht im Iran „nichts mehr zu verlieren habe“. „Sie werden jetzt alles einsetzen, was sie haben“, sagte Schnitzer. Sie wollten in ihrer aussichtslosen Lage so viel Zerstörung erzeugen, wie sie könnten.

Das sei gerade für die aktuell gestoppten Lieferungen durch die Straße von Hormus eine schlechte Nachricht, sagte Schnitzer. Der Iran hat gedroht, alle Handelsschiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen, anzugreifen. Der US-Präsident möchte diese künftig schützen, es ist bisher aber unklar, welche Länder ihm dabei helfen wollen. Die EU-Staaten haben das abgelehnt.

„Das hat offenbar auch Trump überrascht“

„Es wird auf jeden Fall eine massive Krise werden“, sagte Schnitzer. Das Problem der deutschen Wirtschaft sei dabei nicht, dass sie nicht unterschiedliche Quellen für Öl habe – sondern dass die Preise wegen der weltweiten Verknappung von Öl überall stiegen. „Das hat offenbar auch Trump überrascht“, der wohl davon ausgegangen war, dass in den USA das Öl nicht knapper werde, weil das Land dieses selbst fördere, sagte Schnitzer. Zugleich sei die Krise ein Weckruf für die deutsche Wirtschaft, sich nach Energiequellen umzusehen, die die deutsche Wirtschaft nicht von anderen Ländern abhängig macht.

Wegen der steigenden Preise erwartet Schnitzer auch eine höhere Inflation. Damit müsse auch die Europäische Zentralbank reagieren und die Zinsen heben, was wiederum die Wirtschaft verunsichere. Eigentlich müsste die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr Auswirkungen aus den Investitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz spüren, sagte Schnitzer, die kommende Krise dürfte das jedoch schwieriger machen.

Innovation und KI sollten sinnvoll genutzt werden

Schnitzer rief zu mehr Innovation in Deutschland auf. Der Staat müsse die Möglichkeiten zur Modernisierung und Digitalisierung für Unternehmen schaffen. „Wir brauchen eine besser funktionierende Regierung“, sagte Schnitzer in Bezug auf eine effizientere und digitalisierte Bürokratie etwa bei der Steuererklärung.

In Bezug auf KI rief Schnitzer dazu auf, KI-Unternehmer nach Europa einzuladen. Die Firma Anthropic etwa habe sich mit Trump überworfen, es wäre wichtig, solchen Unternehmen Angebote zu machen. „Wir brauchen KI“, sagte Schnitzer, sonst käme die EU-Wirtschaft nicht weiter.

Auf der Konferenz Europe 26
sprechen weitere bekannte Menschen, unter anderem EU-Kommissar für Gesundheit und Tierwohl, Olivér Várhelyi. Die Konferenz wird von
der ZEIT zusammen mit dem Tagesspiegel, dem Handelsblatt und der WirtschaftsWoche organisiert.