Krieg in Nahost: Irans Außenminister kündigt „Welle globaler Auswirkungen“ an

Die Folgen des Irankrieges werden nach den Worten des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi weltweit zu spüren sein. „Die Welle globaler Auswirkungen hat gerade erst begonnen und wird alle treffen, unabhängig von Wohlstand, Glauben oder Herkunft“, erklärte Araghtschi an diesem Mittwoch auf X. Er fügte seinem Beitrag die Rücktrittserklärung des Leiters des Nationalen Terrorabwehr-Zentrums der USA (NCTC), Joe Kent, an.

Immer mehr Stimmen, darunter europäische und US-Vertreter, würden den Krieg gegen Iran als „ungerecht“ bezeichnen, erklärte Araghtschi. „Weitere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sollten diesem Beispiel folgen“, forderte er.

Kent hatte am Dienstag aus Protest gegen den Irankrieg seinen Rücktritt erklärt, verbunden mit scharfer Kritik an der Rolle Israels. Der führende Geheimdienstmitarbeiter und Gefolgsmann von US-Präsident Donald Trump schrieb auf X, Iran sei „keine unmittelbare Bedrohung“ für die USA gewesen.

Eine iranische Rakete auf dem Weg nach Israel ist am frühen Mittwochmorgen am Himmel über Hebron im Westjordanland zu sehen.
Eine iranische Rakete auf dem Weg nach Israel ist am frühen Mittwochmorgen am Himmel über Hebron im Westjordanland zu sehen.Reuters/Mussa Qawasma

Die iranische Armee kündigte derweil Vergeltung für die Tötung des iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani bei einem israelischen Angriff an. „Irans Antwort auf die Ermordung des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats wird entschlossen und bedauerlich sein“, erklärte der iranische Armeechef Amir Hatami. Die Revolutionsgarden erklärten, als „Rache für das Blut des Märtyrers Dr. Ali Laridschani und seiner Gefährten“ Raketen auf das Zentrum Israels gefeuert zu haben.

Tote in Israel nach Angriff

Israel meldete zwei Tote durch einen iranischen Raketenangriff. Ein Mann und eine Frau wurden bei einer Attacke in der Stadt Ramat Gan nahe Tel Aviv schwer verwundet und erlagen ihren Verletzungen, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit.

Ein iranischer Flugkörpers schlug nahe einer australischen Luftwaffenbasis in den Vereinigten Arabischen ‌Emiraten ein. Das teilte Australiens Ministerpräsidenten Anthony Albanese mit. Alle australischen Soldaten der Al-Minhad-Basis seien in Sicherheit.

Israel greift Beirut an

Israel nahm in der Nacht wieder Hizbullah-Ziele in Libanons Hauptstadt Beirut ins Visier. Die Armee rief Bewohner eines zentralen Viertels zur Evakuierung auf und nannte ein spezifisches Gebäude.

Rettungskräfte sind nach dem Angriff in Beirut im Einsatz.
Rettungskräfte sind nach dem Angriff in Beirut im Einsatz.Reuters/Mohamed Azakir

Schon kurz zuvor hatte die israelische Armee libanesischen Medien zufolge zwei Angriffe im Zentrum von Beirut ausgeführt. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens sechs Menschen getötet und 24 weitere verletzt.

USA setzen Bunkerbrecher ein

Die US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bunkerbrechende Bomben eingesetzt, um besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus anzugreifen. Mehrere der Bomben mit einem Gewicht von jeweils knapp 2,3 Tonnen seien „erfolgreich eingesetzt“ worden, teilte das Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) mit.

Im Zuge der Angriffe Israels und der USA schlug auf dem Gelände des einzigen iranischen Atomkraftwerks Buschehr nach Angaben aus Teheran ein Geschoss ein. Das Kraftwerk sei nicht beschädigt worden, teilten die Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Es habe auch keine Verletzten gegeben. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden.

Israel und die USA hatten am 28. Februar mit massiven Luftangriffen auf Iran begonnen. Bereits am ersten Tag des Krieges wurden der oberste iranische Führer, Ayatollah Ali Khamenei, und weitere Mitglieder der Staatsführung getötet. Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion.

Am Dienstag meldete Israel die Tötung Laridschanis sowie des Anführers der paramilitärischen Basidsch-Miliz, Golamresa Soleimani. Teheran bestätigte die Tötungen.

Source: faz.net