Bericht zum Westjordanland: UN warnen Israel vor Kriegsverbrechen

Einweihungszeremonie für eine neu legalisierte jüdische Siedlung, Yatziv, im Westjordanland

Stand: 17.03.2026 • 20:16 Uhr

Laut einem UN-Bericht zu Siedleraktivitäten ist die Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland zuletzt gestiegen. Das Menschenrechtsbüro spricht von Befürchtungen einer „ethnischen Säuberung“.

Die Aktivitäten israelischer Siedler im besetzten Westjordanland sind nach einem Bericht des UN-Menschenrechtsbüros deutlich ausgeweitet worden. In dem Bericht von UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zu „israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten einschließlich Ostjerusalem und den besetzten syrischen Golanhöhen“ heißt es, die Siedleraktivitäten deuteten auf koordinierte Aktionen und eine israelische Politik mit Massenvertreibungen hin, „was Befürchtungen einer ethnischen Säuberung aufkommen lässt“. Die unrechtmäßige Umsiedlung geschützter Personen stelle laut der UN ein Kriegsverbrechen dar.

Israel wurde aufgefordert, den Bau und die Erweiterung von Siedlungen im besetzten Westjordanland „unverzüglich und vollständig einzustellen“ und alle Siedlungen zu räumen.

Palästinenser werden „schikaniert und eingeschüchtert“

Das Büro dokumentierte in den zwölf Monaten bis Ende Oktober 2025 insgesamt 1.732 Fälle von Siedlergewalt, nach 1.400 Fällen in den zwölf Monaten davor. Der Bericht bezieht sich auf die Periode bis Oktober 2025, die Zeit danach erfasst er nicht.

Die palästinensischen Bewohner würden ständig schikaniert und eingeschüchtert, ihre Häuser und Ackerland würden zerstört, berichtete Ajith Sunghay, Leiter des UN-Menschenrechtsbüros für die besetzten palästinensischen Gebiete.

„Die Gewalt durch Siedler ging in koordinierter, strategischer und weitgehend unangefochtener Weise weiter“, heißt es in dem Bericht. „Wobei die israelischen Behörden eine zentrale Rolle spielten, in dem sie Anweisungen geben, sich beteiligen und dieses Verhalten ermöglichen.“ Viele Siedler würden vom Staat mit Waffen ausgestattet und trainiert.

Israelische Behörden beteiligt

Neben rund drei Millionen Palästinensern leben im Westjordanland mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht illegal sind. 36.000 Palästinenser sind laut Bericht seit November 2024 vertrieben worden.

Allein im besetzten Ostjerusalem hätten israelische Behörden den Bau von fast 37.000 neuen Wohnungen und Häusern erlaubt, ebenso 27.200 im Rest des Westjordanlandes.

Die Gewalt in dem palästinensischen Gebiet habe seit dem Angriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, der den Krieg im Gazastreifen auslöste, stark zugenommen. Im Oktober 2025 habe es zu Beginn der Olivenernte 42 Übergriffe durch Siedler gegeben, 131 Palästinenser seien verletzt worden, so viele wie nie in einem Monat seit 2006.

Israel wirft UN Anti-Israel-Aktivismus vor

Auf eine Anfrage des ARD Studios Genf nach einer Reaktion auf den UN-Bericht teilte die ständige Vertretung Israels bei der UN in Genf mit: Das UN-Menschenrechtsbüro habe betreffend Israel „jegliche Glaubwürdigkeit verloren“ und funktioniere als „Epizentrum eines abscheulichen Anti-Israel-Aktivismus“.

Mit Informationen von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf.

Source: tagesschau.de