Marktbericht: Deutscher Aktienindex erholt sich weiter
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In der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs am Persischen Golf konnte sich der deutsche Aktienmarkt weiter stabilisieren. Nun richten sich die Blicke vermehrt auf die Notenbanken.
Für den deutschen Aktienmarkt lief es am Dienstag erneut gut. Der DAX gewann 0,7 Prozent auf 23.730 Punkte. Schon am Montag hatte sich der deutsche Leitindex um 0,5 Prozent erholt.
Am nunmehr zwölften Handelstag, seit die USA und Israel die Luftschläge gegen den Iran gestartet haben, bleibt die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges erhalten.
Am Nachmittag stützte die positive Tendenz an der Wall Street den Markt. Bis zum frühen Abend gewann der Dow Jones rund 0,3 Prozent.
Besonders im Fokus standen erneut alle Nachrichten über den wichtigsten Versorgungsweg für Energielieferungen, die Straße von Hormus. Lediglich einzelne Schiffe dürfen mit Zustimmung des Iran die Straße passieren. Zuletzt gelang dies mindestens zwei unter indischer Flagge fahrenden Tankern.
Gleichzeitig steht der militärische Geleitschutz, den die USA für Tanker angekündigt hatten, weiter in Frage. US-Präsident Trump kritisierte die NATO scharf für ihre Zurückhaltung. Die Risiken blieben hoch, sagte Marktanalyst Tony Sycamore von IG. „Es genügt eine einzige iranische Miliz, die eine Rakete abfeuert oder eine Mine an einem vorbeifahrenden Tanker anbringt, um die gesamte Situation erneut eskalieren zu lassen.“
Das ließ die Ölpreise wieder steigen, nach dem Rückgang zum Wochenanfang. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich bis zum frühen Abend um gut ein Prozent auf knapp 102 Dollar je Barrel.
Ein Dämpfer kam von den aktuellen Konjunkturerwartungen, die das Mannheimer ZEW jeden Monat erhebt. Die befragten Finanzexperten haben ihren Konjunkturoptimismus angesichts des Iran-Krieges komplett aufgegeben. Der Wert sank von 58,8 Punkten im Februar auf aktuell minus 0,5 Punkte.
Zunehmend in den Blick rücken nun die großen Zentralbanken. So entscheidet die US-Notenbank Fed morgen über ihren Leitzins, am Donnerstag folgt die Europäische Zentralbank EZB. Auch in Großbritannien und Japan wird in dieser Woche über die Leitzinsen entschieden.
Wegen der Gefahren aus dem Iran-Krieg für die Inflation und die Konjunktur stehen die Notenbanken vor einem besonderen Dilemma – umso gespannter warten die Marktteilnehmer auf die Statements der Geldpolitiker.
Einmal mehr steht Nvidia im Fokus der Anleger. Der US-Halbleiterkonzern traut dem Markt für seine KI-Chips bis zum Jahr 2027 ein Umsatzvolumen von mindestens einer Billion Dollar zu. Zuletzt waren als Prognose 500 Milliarden Dollar bis 2026 genannt worden. Der Ausblick hatte gestern die Tech-Werte in New York beflügelt.
Im MDAX gewann die Aktie von Fraport über sechs Prozent. Die Jahreszahlen und der Ausblick des Flughafenbetreibers kamen gut an. Das operative Ergebnis habe die Erwartungen übertroffen, schrieb Cristian Nedelcu von der UBS. Elodie Rall von JPMorgan hob vor allem den freien Barmittelzufluss positiv hervor, der erstmals seit 2018 wieder positiv gewesen sei – und damit ein Jahr früher als gedacht.
Bei der Lufthansa drohen weitere Streiks. Nach den Piloten hat nun auch das Kabinenpersonal eine Urabstimmung zu Arbeitskämpfen eingeleitet, teilte die Gewerkschaft UFO mit. Das Votum laufe jeweils bis zum 27. März. Die Arbeitgeberseite habe keine oder nur indiskutable Angebote vorgelegt, so UFO.
Audi hat gegen den Branchentrend im vergangenen Jahr mehr Gewinn erzielt. Nach Steuern verdiente der Ingolstädter Autobauer 4,6 Milliarden Euro – zehn Prozent mehr als 2024. Die VW-Tochter verdankt den Anstieg aber auch einer Ausgleichszahlung aus dem Mutterkonzern. Zu Audi gehören neben der Kernmarke auch Bentley, Lamborghini und Ducati.
In den USA bahnt sich derweil eine kleine Revolution in der Rechnungslegung an: Wie das Wall Street Journal berichtet, überlegt die Börsenaufsicht SEC, die vierteljährliche Berichtspflicht abzuschaffen. Unternehmen könnten dann – wenn sie wollen – auf Quartalsberichte verzichten und müssten ihre Ergebnisse nur noch halbjährlich vorlegen.
Präsident Donald Trump hatte sich Ende vergangenen Jahres erneut für diese Neuregelung ausgesprochen, woraufhin SEC-Chef Paul Atkins ankündigte, dies beschleunigt umzusetzen.
Source: tagesschau.de