Plan dieser US-Börsenaufsicht: Keine Quartalsberichte mehr?

Das Siegel der "U.S. Securities and Exchange Commission" hängt an einem Gebäude in Washington.


marktbericht

Stand: 17.03.2026 • 14:28 Uhr

In den USA bahnt sich eine kleine Revolution an. Die Börsenaufsicht SEC überlegt, die vierteljährliche Berichtspflicht für Unternehmen abzuschaffen. Zu Lasten der Transparenz?

Wie das Wall Street Journal berichtet, überlegt die US-Börsenaufsicht SEC, die Pflicht zur vierteljährlichen Quartalsberichterstattung abzuschaffen. Unternehmen könnten dann – wenn sie wollen – darauf verzichten, vier Mal im Jahr ihre Geschäftsbücher zu öffnen. Sie müssten ihre Bilanzzahlen nur noch halbjährlich vorlegen.

Neu ist der Vorschlag nicht. US-Präsident Donald Trump hat bereits während seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 die Möglichkeit einer Abschaffung der verpflichtenden Quartalsberichte für US-Unternehmen prüfen lassen und sich im Herbst 2025 erneut dafür ausgesprochen. „Das spart Geld und ermöglicht es Managern, sich auf eine ordentliche Führung ihrer Unternehmen zu konzentrieren“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Für viele Unternehmen klingt das verlockend, denn das bedeutet weniger Bürokratie, Kosteneinsparungen und vor allem mehr Zeit und Raum, um langfristig zu planen und entsprechend investieren zu können. Das kommt vor allem Unternehmen zu Gute, die ein zyklisches Geschäft haben.

Der frühere Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking war in den frühen 2000er Jahren ein prominentere Gegner der Veröffentlichung von Quartalsberichten. Er sprach damals von einer „wahnwitzigen Idee“. Porsche halte die Transparenz auch ohne Quartalsberichte hoch. „Wenn kursrelevante Neuigkeiten vorliegen, dann melden wir das sofort“, sagte Wiedeking in einem Zeitungsinterview mit dem Merkur. Wiedeking zog gegen die Deutsche Börse vor Gericht – und musste sich letztendlich den Transparenzregeln beugen.

Eigentlich hat die EU die Pflicht zur Vorlage von Quartalsberichten mit einer Richtlinienänderung abgeschafft. Die entsprechenden Regelungen sind 2015 in Kraft getreten. Die Deutsche Börse geht einen Sonderweg. Sie stellt an Unternehmen zusätzliche Publizitätsanforderungen, wenn sie im Prime Standard Segment gelistet sind. „So müssen die Unternehmen neben dem Jahresabschluss regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichen, mindestens eine Analystenkonferenz im Jahr halten und Ad-hoc-Mitteilungen in englischer Sprache publizieren“, steht in Paragraf 63 der Börsenordnung.

Rechtsanwalt Klaus Nieding hält viel von solchen Regelungen. „Transparenz ist wichtig“, so der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Es ist ein Irrglaube, wenn Unternehmer annehmen, mit Intransparenz Interesse bei Investoren wecken zu können.“

Nieding geht noch einen Schritt weiter. Quartalsberichte sind für ihn auch so etwas wie ein „Frühwarnsystem“, denn sie geben Einblicke in die finanzielle und operative Lage eines Unternehmens. So können Risiken frühzeitig investiert und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. „Das System funktioniert“, sagt Nieding.

Der DAX ist zu Mittag leicht im Plus. Viele Investoren sind nach wie vor besorgt, wie es im Nahen Osten weitergeht. Zunehmend in den Blick rücken aber auch die großen Zentralbanken. So entscheidet die US-Notenbank Fed am Mittwoch über ihren Leitzins. Die EZB folgt am Donnerstag.

Source: tagesschau.de