Maritime Forderungen: Mehr Einsatz pro den Schiffbau

Mit einem Aktionsplan für die maritime Industrie fordert der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) mehr Engagement zugunsten der eigenen Branche, von der Politik wie auch von den Unternehmen selbst. „Wir wollen keine Altindustrie erhalten, sondern mit Hightech wachsen“, betonte VSM-Chef Reinhard Lüken in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Einmütig betonten beide, dass die diesjährige Nationale Maritime Konferenz (Ende April in Emden) anders als in den vergangenen Jahren viel mehr sein müsse als eine reine Netzwerkveranstaltung. Auch von einer Bundestagsdebatte im Vorfeld erwarten sie noch maßgebliche Weichenstellungen.

Immerhin, so lobte Lüken, habe die EU-Kommission ein starkes Signal gesetzt mit ihrer Maritimen Industriestrategie: „Sie erkennt an, dass Schiffbau und Meerestechnik systemrelevant für Europas wirtschaftliche Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und technologische Souveränität sind. Deutschland ist in Europa die führende Industrienation auch in der gesamten Wertschöpfungskette von Schiffbau und Meerestechnik.“ Jetzt komme es auf pragmatisches, ergebnisorientiertes Handeln an.

3000 Zulieferer im ganzen Bundesgebiet

„Wenn wir das industriepolitische Momentum nutzen wollen, dann ist jetzt die Zeit: Die Geschäfte brummen“, wirbt Lüken um politische Aufmerksamkeit. Die Auslastung sei hoch, nicht nur in den Werften selbst. Alle Standorte hätten eine starke Perspektive. Auch bei den Zulieferern, rund 3000 Unternehmen im ganzen Bundesgebiet, sei die starke Nachfrage spürbar.

Aus Sicht des VSM besteht das Ziel darin, die Industrie so zu unterstützen, dass sie ihre Produktionskapazitäten so erweitern kann, dass bis zum Jahr 2035 eine Verdoppelung des Branchenumsatzes möglich ist. Dazu erhoffe man sich die Unterstützung der Politik etwa auf dem Feld der Investitionshilfen sowie der Steuer- und Finanzierungsbedingungen, die in anderen Ländern wesentlich indus­triefreundlicher seien. So könnten nachfragewirksame Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch für Kreditgeber verlässliche Planungen möglich machten. Der Bedarf sei riesig, mahnte Lüken, doch diese Chancen seien keine Selbstläufer.

Die aktuelle positive Zustandsbeschreibung der maritimen Branche teilt auch Gewerkschafter Friedrich. Bis in fünf Jahren werde allein die Zahl der Beschäftigten direkt bei den Werften um 5000 auf 20.000 ansteigen, so seine Erwartung. Längerfristig werde Personal sogar zum Engpass werden. Darauf habe nicht nur die Politik Einfluss, sondern auch die Unternehmen selbst, mahnt der Gewerkschafter. Die Quote der Auszubildenden an der Gesamtbelegschaft sei von einst zehn auf sechs Prozent zurückgegangen, das müsse wieder besser werden.

Dass es der Branche so gut geht, liegt nicht nur an einem guten Bestelleingang in den für Deutschland wichtigen Segmenten wie Yachten, Forschungsschiffe und Kreuzfahrtschiffe, sondern am Bedarf der Marine. Weil die NATO bis 2029 die Einsatzbereitschaft auf See deutlich verstärkt haben möchte und Deutschland entsprechende Zusagen gemacht hat, wächst das Marine-Segment absehbar deutlich. Durch den Börsengang der früheren Thyssen-Sparte TKMS und der Übernahme der Lürssen-Sparte NVL durch Rheinmetall sei die Branche schon deutlich gestärkt worden, so die Einschätzung von Lüken. Mit zwei nationalen Champions sei man vorläufig gut gewappnet.

China hat Schiffbau als strategische Industrie entwickelt

Mittelfristig werde aber eine europäische Konsolidierung nötig sein, um den Wettbewerbern auf Augenhöhe begegnen zu können, urteilt Lüken ebenso wie Friedrich. Die maritime Industrie Europas bekommt vor allem zu spüren, dass Schiffbau in China als strategische Industrie entwickelt wurde. Das Produktionsvolumen im Schiffbau, das in der Einheit CGT gemessen wird („compensated gross tons“), ist in Europa seit der Jahrtausendwende von etwa fünf CGT auf zuletzt 2,7 CGT gesunken. Dagegen hat China zuletzt Schiffe mit insgesamt 33,8 CGT gebaut.

Auch Amerika, aktuell praktisch bedeutungslos im Schiffbau, hat zur Aufholjagd angesetzt. Der entsprechende Plan von US-Präsident Trump („Big Beautiful Bill Act“), der unvorstellbar große Investitionen in den Schiffbau vorsehe, finde Unterstützung bei Republikanern wie bei Demokraten, berichtete der VSM-Chef. Auch in den Handelsverträgen mit Japan und Korea seien atemberaubende Investitionszusagen ausgehandelt worden.

Es müsse innerhalb der EU eine Art „New Deal“ geben, fordert IG-Metall-Mann Friedrich mit Blick auf das europäische Vorgehen. Er wünsche sich mehr Klarheit, dass Steuergelder dazu verwendet werden sollten, die eigene Industrie zu stützen. „Wir müssen pragmatisch arbeiten“, pflichtet Lüken ihm bei – auch mit Blick auf den Bedarf der Marine. „Wir haben ein Interesse daran, dass Schiffe schnell fertig sind.“ In der Realität sei es aber nach wie vor so, dass beispielsweise die Bundeswehr die im Vertrag vereinbarten Spezifikationen einfordere, obwohl es mittlerweile eine bessere und günstigere Technologie gebe.