Trump will sie absichern: Warum die Straße von Hormus zur „Todeszone“ werden könnte

Nur rund 50 Kilometer ist die Straße von Hormus breit, die Teheran schon zu Beginn des Krieges gegen die Vereinigten Staaten und Israel für geschlossen erklärte. Das macht es schwierig, die für den internationalen Transport von Öl wichtige Meerenge vor iranischen Angriffen – mit Raketen, Schnellbooten, Seeminen oder Seedrohnen – zu schützen; die Reaktionszeit ist stark begrenzt. Aber genau das fordert der amerikanische Präsident Donald Trump nun von den NATO-Verbündeten: Es sei angemessen, dass auch sie zum Schutz der Meerenge beitrügen. Andernfalls werde dies „sehr schlecht für die Zukunft“ des Bündnisses sein, drohte er in der „Financial Times“.

Trump verlangt, dass die Partner Minensuchboote entsenden; von diesen habe Europa weitaus mehr als die USA. Tatsächlich gelten die amerikanischen Mittel zur Minenabwehr als begrenzt. Erst im Januar zogen die USA die letzten Minensuchboote der Avenger-Klasse aus dem Nahen Osten ab. Sie waren schon zuvor außer Dienst gestellt worden. Trump behauptete zwar mehrfach, dass die iranische Marine zerstört worden sei. Er sagte aber auch, dass Teheran noch in der Lage sei, Seeminen zu verlegen.

Europa hat wichtige Fähigkeiten zur Minenabwehr

Statt klassischen Minensuchbooten setzen die Amerikaner im Nahen Osten nun auf sogenannte Littoral Combat Ships, die gemeinsam mit unbemannten Systemen Minen bekämpfen sollen, während das eigentliche Kriegsschiff außerhalb der Gefahrenzone bleibt. Allerdings gibt es Zweifel, ob die Schiffe für eine groß angelegte Minenabwehr geeignet sind: Kritiker bemängeln die relativ begrenzte Feuerkraft und merken an, dass die Schiffe zu groß und zu anfällig gegenüber Minen seien. Eine Operation in der Straße von Hormus wäre zudem der erste bekannte Kampfeinsatz dieser Schiffe.

Die Europäer hingegen verfügen über wichtige Minenabwehrfähigkeiten. So hat etwa Polen mehrere Minensuchboote der Kormoran-II-Klasse, die als hochmodern gelten. Sie sind unter anderem mit einem fortschrittlichen Sonarsystem ausgerüstet und können Unterwasserdrohnen starten, um Minen unschädlich zu machen. Auch Frankreich besitzt mehrere Minenjagdboote. Darunter die der Tripartite-Klasse, die gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden entwickelt wurde. Auch Deutschland hat dank seiner Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse die Fähigkeit, großflächig Minen zu räumen.

Bislang hat allerdings kein NATO-Staat angekündigt, Minensuchboote in die Straße von Hormus zu entsenden. Denn es wäre wohl ein großer militärischer Aufwand nötig, um die zivile Schifffahrt effektiv vor Angriffen zu schützen. Neben Seeminen müsste eine mögliche Koalition Angriffe aus der Luft abwehren.

Ein amerikanischer Marineoffizier sagte dem „Wall Street Journal“, dass iranische Drohnen und Schiffsabwehrraketen das Gebiet zu einer „Todeszone“ machen könnten. Fachleute vermuten demnach, dass für den Schutz von einem Tanker zwei Kriegsschiffe notwendig wären; bei einem Konvoi aus fünf bis zehn Tankern bräuchte es demzufolge schon ein Dutzend Kriegsschiffe für die notwendige Luftverteidigung.

Source: faz.net